methodatlas

Agile Entscheidungsmethode

Planning Poker

Vergleicht Stories relativ, deckt Wissenslücken auf und erzeugt eine gemeinsame Schätzung mit nachvollziehbaren Annahmen.

Sie lässt alle eine Schätzung auf Basis derselben Information bilden und vergleicht anschließend die Spannweite. So werden Wissenslücken und verdeckte Risiken sichtbar, bevor eine Zahl zum Dogma wird.

Kernfrage
Welche relative Größe trägt das umsetzende Team nach unabhängiger Wahl, gleichzeitiger Aufdeckung und Klärung der höchsten und niedrigsten Annahmen gemeinsam?
Teilnehmende
3-9
Zeit
5–15 Minuten je vorbereitetem Backlog Item; meist 1–3 Runden.

Die Praxis wird wiederholt auf vergleichbare Arbeitsobjekte angewendet.

Papierillustration zu Planning Poker.
  1. Bereit

    Schätzbares Item

    Product Owner erläutert Ziel und Akzeptanzkriterien; Team klärt Umfang und Definition of Done.

  2. Anker

    Relativer Rahmen

    Passende kleinere und größere Referenz-Items vergleichen, ohne eine Zahl vorzurufen.

  3. Wählen

    Private Karten

    Alle Umsetzenden wählen unabhängig und verdeckt eine Karte für Gesamtaufwand, Komplexität und Risiko.

  4. Klären

    Geklärte Differenz

    Höchste und niedrigste Schätzung erklären zuerst ihre Annahmen; Team aktualisiert Scope und Risiken.

  5. Neu wählen

    Team-Schätzung

    Erneut privat wählen und gleichzeitig aufdecken; bei ausreichendem gemeinsamen Verständnis Schätzung und Annahmen speichern.

Neue Evidenz im Review ergänzen und Entscheidungen samt früherem Stand versionieren.

Geeignet, wenn

Wenn Schätzungen im Team zu stark auseinandergehen, bringt sie unterschiedliche Erwartungen auf einen gemeinsamen Prüfstand. Sie trennt grobe Komplexität von ungesagten Annahmen.

Ideal für

  • Sprint Planning
  • Backlog Refinement
  • Team Alignment

Nicht gut für

  • Sehr große Backlogs
  • Portfolio-Grobschätzung
  • Items ohne Kontext

Ergebnisse

  • Team-Schätzung

    Gemeinsam tragbare relative Schätzung mit offengelegten Annahmen, Risiken, Klärungen und markierten Split-/Spike-Bedarfen.

Planning Poker · Arbeitsstruktur

Fiktives Beispiel

Fiktive Werte zeigen die tatsächlichen Fachfelder.

Planning Poker · Arbeitsstruktur
Backlog ItemAkzeptanz/DoDReferenzenRunde 1DifferenzKlärungRunde 2Ergebnis
Karte speichernEvidenz und Begründung ergänzen.Provider-Token; eingeloggte Nutzer; Browser-Tests; Security Review3 Adresse speichern; 8 neue Zahlungsart3, 5, 5, 8, 1313 sieht Verwaltung/Compliance; 3 kennt Token-APIKartenverwaltung out; Security Review bleibt5, 5, 5, 5, 8Team trägt 5; Annahme dokumentiert
ProviderwechselEvidenz und Begründung ergänzen.Migration, Fallback, Zertifizierung noch unklar8 neue Zahlungsart; 20 Checkout-Migration13, 20, 20, 40, ∞Unbekannte Zertifizierung und mehrere OutcomesItem splitten; Spike zur ZertifizierungKeine zweite RundeUnschätzbar; Split + Spike
  1. 1. Akzeptanz/DoD

    Karte speichern
    Provider-Token; eingeloggte Nutzer; Browser-Tests; Security Review
    Providerwechsel
    Migration, Fallback, Zertifizierung noch unklar
  2. 2. Referenzen

    Karte speichern
    3 Adresse speichern; 8 neue Zahlungsart
    Providerwechsel
    8 neue Zahlungsart; 20 Checkout-Migration
  3. 3. Runde 1

    Karte speichern
    3, 5, 5, 8, 13
    Providerwechsel
    13, 20, 20, 40, ∞
  4. 4. Differenz

    Karte speichern
    13 sieht Verwaltung/Compliance; 3 kennt Token-API
    Providerwechsel
    Unbekannte Zertifizierung und mehrere Outcomes
  5. 5. Klärung

    Karte speichern
    Kartenverwaltung out; Security Review bleibt
    Providerwechsel
    Item splitten; Spike zur Zertifizierung
  6. 6. Runde 2

    Karte speichern
    5, 5, 5, 5, 8
    Providerwechsel
    Keine zweite Runde
  7. 7. Ergebnis

    Karte speichern
    Team trägt 5; Annahme dokumentiert
    Providerwechsel
    Unschätzbar; Split + Spike

Alle Werte sind fiktiv.

Fachquelle · eigene Lehrdarstellung

Erster Schritt

Ein Item mit Ziel und Akzeptanzkriterien auswählen; Schätzeinheit, Definition of Done und 2–3 stabile Referenz-Items sichtbar machen.

Zur Methodenanleitung

Vertiefung

Zweck

Wenn Schätzungen im Team zu stark auseinandergehen, bringt sie unterschiedliche Erwartungen auf einen gemeinsamen Prüfstand. Sie trennt grobe Komplexität von ungesagten Annahmen.

Funktionsweise

Sie lässt alle eine Schätzung auf Basis derselben Information bilden und vergleicht anschließend die Spannweite. So werden Wissenslücken und verdeckte Risiken sichtbar, bevor eine Zahl zum Dogma wird.

Im Detail

Planning Poker trägt, weil es Schätzungen parallel sichtbar macht und damit Diskussionen über Umfang und Unsicherheit öffnet, bevor sich eine dominante Stimme festsetzt. Gute Anwendung interessiert sich stärker für die Gründe hinter Ausreißern als für schnelle Einigkeit. Die Methode wird nützlich, wenn Unterschiede auf fehlendes Verständnis, verborgene Arbeit oder stark abweichende Risikobilder verweisen.

Durchführung

Wähle Items, die bereits grob verstanden sind, aber noch echte Unsicherheit enthalten, damit die Karten mehr als Ritual bleiben. Seine Qualität zeigt sich sobald hohe und niedrige Werte unterschiedliche Annahmen offenlegen. Schließe mit geklärten Treibern der Schätzung und nur dann mit einer Zahl, wenn das Team dieselbe Arbeit wirklich vor Augen hat.

Die Methodenanleitung führt mit 5 Phasen, Zeitrahmen, 5 Stolperfallen und klaren Abbruchkriterien durch die Umsetzung.

Methodenanleitung öffnen

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Quellen und Themen

Themen
Artefakt-Vorlagen
Planning Poker: ArbeitsvorlageGegenstand, Evidenz, Rollen, Ablauf und Review festlegen.
markdown

planning-poker-working-template.md

Gegenstand, Evidenz, Rollen, Ablauf und Review festlegen.

Planning Poker: Arbeitsvorlage

Fragestellung

Noch zu klären

Gewünschtes Ergebnis

Noch zu klären

Rahmen

Praxisdurchlauf Zeit: 5–15 Minuten je vorbereitetem Backlog Item; meist 1–3 Runden.

Diese Vorlage während der Arbeit auf Papier oder in einem eigenen Dokument ausfüllen.

Vorbereitung für diesen Umfang

Methodische Grundausstattung

  • Materialien: Refinementsreife Items, Akzeptanzkriterien, gemeinsame Definition of Done, Referenz-Items und verdeckte Karten 0, 1, 2, 3, 5, 8, 13, 20, 40, 100, ?, ∞
  • Rollen: Product Owner erklärt · Umsetzende schätzen · Facilitator moderiert · Fachleute beantworten Fragen
  • Vorab-Infos: Ein Item mit Ziel und Akzeptanzkriterien auswählen; Schätzeinheit, Definition of Done und 2–3 stabile Referenz-Items sichtbar machen.
  • Gesamter Zeitbedarf: 5–15 Minuten je vorbereitetem Backlog Item; meist 1–3 Runden.
  • Setup: Arbeitsfläche mit Bereit · Anker · Wählen · Klären · Neu wählen vorbereiten; Beispiel und eigene Daten trennen.

Für die Arbeitsschritte bereitstellen

Bereit: Schätzbares Item

  • Ein Item mit Ziel und Akzeptanzkriterien auswählen; Schätzeinheit, Definition of Done und 2–3 stabile Referenz-Items sichtbar machen.
  • Refinementsreife Items, Akzeptanzkriterien, gemeinsame Definition of Done, Referenz-Items und verdeckte Karten 0, 1, 2, 3, 5, 8, 13, 20, 40, 100, ?, ∞

Anker: Relativer Rahmen

  • Schätzbares Item

Wählen: Private Karten

  • Relativer Rahmen

Klären: Geklärte Differenz

  • Private Karten

Neu wählen: Team-Schätzung

  • Geklärte Differenz

Planning Poker · Arbeitsstruktur

Backlog ItemAkzeptanz/DoDReferenzenRunde 1DifferenzKlärungRunde 2Ergebnis
Karte speichern
Providerwechsel
  • Karte speichern: Evidenz und Begründung ergänzen.
  • Providerwechsel: Evidenz und Begründung ergänzen.

Die leere Vorlage enthält nur Arbeitsimpulse.

Fachquelle · eigene Lehrdarstellung

Bereit: Schätzbares Item

Erwartetes Artefakt: Schätzbares Item

Product Owner erläutert Ziel und Akzeptanzkriterien; Team klärt Umfang und Definition of Done.

Eintrag:

...

  • Kann jede schätzende Person enthaltene Arbeit und Erfolgskriterium erklären?

Anker: Relativer Rahmen

Erwartetes Artefakt: Relativer Rahmen

Passende kleinere und größere Referenz-Items vergleichen, ohne eine Zahl vorzurufen.

Eintrag:

...

  • Nutzen alle dieselbe Skala und dieselben Referenzen?

Wählen: Private Karten

Erwartetes Artefakt: Private Karten

Alle Umsetzenden wählen unabhängig und verdeckt eine Karte für Gesamtaufwand, Komplexität und Risiko.

Eintrag:

...

  • Hat jede schätzende Person vor der Aufdeckung gewählt?

Klären: Geklärte Differenz

Erwartetes Artefakt: Geklärte Differenz

Höchste und niedrigste Schätzung erklären zuerst ihre Annahmen; Team aktualisiert Scope und Risiken.

Eintrag:

...

  • Wurde die Differenz fachlich erklärt statt gemittelt?

Neu wählen: Team-Schätzung

Erwartetes Artefakt: Team-Schätzung

Erneut privat wählen und gleichzeitig aufdecken; bei ausreichendem gemeinsamen Verständnis Schätzung und Annahmen speichern.

Eintrag:

...

  • Kann das Team den Wert tragen und die entscheidende Annahme nennen?

Offene Fragen und nächste Schritte

...

Methodenanleitung: https://methodatlas.meierhoff-systems.de/de/methods/planning-poker/run-sheet

Alternativen und Nachbarn

Passende Alternativen mit Entscheidungshilfe, danach weitere verwandte Methoden.

Alle Methoden
Rahmenbedingungen und Herkunft
NiedrigWorkshop + Async2-5 min je Item

Steckbrief

Methodenform
Entscheidungsmethode
Teilnehmende
3-9
Zeit
2-5 min je Item
Reifegrad
Canonical
Ursprung
James Grenning
Papierillustration der Methode Story Splitting mit einer klaren Arbeitsstruktur.
Als Nächstes: Story Splitting