methodatlas

Domain Modeling Workshop-Methode

EventStorming

Macht Geschäftsabläufe gemeinsam anhand vergangener Domain Events sichtbar.

EventStorming erkundet komplexe Geschäftsabläufe gemeinsam anhand vergangener Domain Events. Big Picture schafft einen gemeinsamen Überblick; Process Level untersucht mit einer reicheren Notation einen abgegrenzten Ablauf.

Kernfrage
Welche Geschäftsereignisse, Auslöser und Grenzen prägen den Flow, und wo entstehen Reibung, Risiko oder Lernbedarf?
Teilnehmende
5-12
Zeit
2-8 h
EventStorming auf einer langen Arbeitsfläche: farbige Ereigniskarten bilden einen Geschäftsfluss, Reibungspunkte werden markiert und eine Grenze trennt unterschiedliche Verantwortungsbereiche.
  1. Frame

    Fluss und Stimmen klären

    Einen gemeinsamen Ausschnitt und die relevanten Fachperspektiven festlegen.

  2. Events first

    Vergangene Ereignisse sammeln

    Die Geschichte aus Sicht der Fachdomäne auf Karten bringen, ohne sie früh zu erklären.

  3. Timeline

    Zeitlinie und Brüche schärfen

    Reihenfolge, Wendepunkte und widersprüchliche Sichtweisen gemeinsam untersuchen.

  4. Zoom

    Reibung und Grenzen untersuchen

    Hot Spots priorisieren und den nächsten sinnvollen Modellierungszoom wählen.

  5. Follow-up

    Ergebnis sichern und weiterarbeiten

    Snapshots, Begriffe und nächste Lern- oder Design-Schritte in Verantwortung überführen.

Arbeite in Ausschnitten und wiederhole die Modellierung nach neuen Erkenntnissen. Ein Big Picture ist eine Landkarte für weitere Fragen, kein fertiges Datenmodell.

Geeignet, wenn

Passt, wenn mehrere Perspektiven auf denselben Geschäftsfluss zusammengebracht werden sollen und Unklarheiten, Übergaben oder unterschiedliche Begriffe sichtbar werden müssen.

Ideal für

  • Komplexe Fachdomänen
  • Cross-funktionale Discovery
  • Event-driven Systeme

Nicht gut für

  • Triviale CRUD-Prozesse
  • Solo-Dokumentation
  • Low-Level-Code-Design

Ergebnisse

  • Event-Timeline

    Ein gemeinsames Bild des Geschäftsflusses mit Wendepunkten, Varianten und offenen Fragen.

  • Domain Boundaries

    Eine begründete Boundary-Hypothese mit priorisierten Hot Spots für den nächsten Zoom.

Struktur

EventStorming · Big PictureDomain Events, Commands, Actors, Policies, Hot Spots und Context-Grenzen entlang einer Business-Timeline sichtbar machen
EventStormingEine breite EventStorming-Wand zeigt Domain Events entlang einer Zeitachse, ergänzt durch Commands, Actors, Policies, Read Models, Hot Spots und Context-Grenzen.Domain-Wissen als chronologische Ereigniswand sichtbar machenOrange Events bilden den Flow, weitere Farben ergänzen Auslöser, Regeln, Hot Spots, Read Models und Grenzen.Business Flow als Event-Timelineerst Events sammeln, dann Auslöser, Regeln, Hot Spots und Grenzen ergänzenStartEndeOrderingPaymentShippingCustomerActorPlace OrderCommandPSP WebhookTriggerReserve StockPolicyCartCreatedOrderPlacedPaymentAuthorizedReservationConfirmedOrderShippedStock AvailabilityRead ModelRace Conditionunklare GrenzeEventCommandPolicyHot SpotRead Model

Erster Schritt

Wähle einen beobachtbaren Geschäftsfluss mit klarem Start und Ende. Lade die Personen ein, die Entscheidungen und Ausnahmen aus der Praxis kennen.

Zur Methodenanleitung

Vertiefung

Zweck

Wenn eine Domäne aus vielen Ereignissen, Regeln und Zuständen besteht, schafft sie einen gemeinsamen Modellraum für das Team. Sie bündelt Sprache, Abläufe und Grenzen, bevor Fachwissen in Einzelsichten zerfällt.

Funktionsweise

Sie ordnet Ereignisse und ihre Beziehungen auf einer sichtbaren Fläche und lässt Widersprüche direkt am Modell diskutieren. So entstehen geteilte Begriffe, klarere Grenzen und eine belastbare Grundlage für Folgeentscheidungen.

Im Detail

EventStorming wirkt, weil es fachliche Dynamik als Folge realer Ereignisse sichtbar macht und damit versteckte Annahmen schnell an die Oberfläche zieht. Gute Anwendung erkennt man daran, dass Begriffe, Wendepunkte und Grenzfälle am Wandbild geschärft werden, statt nur farbige Zettel zu sortieren. Sobald mehrere Sichtweisen auf dieselbe Situation auftauchen, entsteht der eigentliche Erkenntnisgewinn für Modell, Sprache und spätere Schnitte.

Durchführung

Bereite wenige echte Fachfälle vor, die im Alltag Reibung, Ausnahmen oder Eskalationen auslösen, und starte mit einem Fall, den alle ohne Erklärung wiedererkennen. Der Wendepunkt zeigt sich genau dort, wo Begriffe kollidieren oder Verantwortungen wandern. Halte diesen Moment fest und schließe mit klar benannten offenen Modellfragen oder Kandidaten für Bounded Contexts.

Die Methodenanleitung führt mit 5 Phasen, Zeitrahmen, 5 Stolperfallen und klaren Abbruchkriterien durch die Umsetzung.

Methodenanleitung öffnen

Deine Einschätzung

Hilft dir diese Methode für dein Vorhaben?

Mit deinem Feedback hilfst du, den Methodatlas weiterzuentwickeln.

Quellen und Themen

Themen
Artefakt-Vorlagen
EventStorming: ArbeitsvorlageBereite einen ausgewählten Schritt oder den gesamten Ablauf vor. Rechts entsteht dein Plan zum Mitnehmen.
markdown

event-storming-working-template.md

Bereite einen ausgewählten Schritt oder den gesamten Ablauf vor. Rechts entsteht dein Plan zum Mitnehmen.

EventStorming: Arbeitsvorlage

Fragestellung

Noch zu klären

Gewünschtes Ergebnis

Noch zu klären

Rahmen

Gesamter Workshop Zeit: Ab 2 h für einen fokussierten Ausschnitt; Process-Level-Vertiefung separat planen.

Diese Vorlage während der Arbeit auf Papier oder in einem eigenen Dokument ausfüllen.

Vorbereitung für diesen Umfang

Methodische Grundausstattung

  • Materialien: Lange Wand oder digitales Board mit mindestens 8 m horizontaler Fläche; orange Haftnotizen (Events), blau (Commands), gelb (Actors), pink (Hot Spots), lila (Policies), grün (Read Models); Marker; Kamera für Snapshots; Parkplatz-Fläche.
  • Rollen: Ein Facilitator mit EventStorming-Erfahrung; drei bis sechs Domainexperten aus Business; zwei bis vier Engineers oder Architekten; ein Scribe für Hot Spots und offene Fragen.
  • Vorab-Infos: Beispielgeschichte, bekannte Fachbegriffe, relevante Sonderfälle und vorhandene Prozessnotizen als Gesprächsanlass zusammentragen. Die Notizen dienen als Startpunkt und ersetzen nicht das gemeinsame Erzählen.
  • Gesamter Zeitbedarf: 2-8 h
  • Setup: Große freie Wand oder Board, gut sichtbare Legende, Marker, Karten für Events und Hot Spots sowie ein Parkplatz für Lösungen vorbereiten. Im Big Picture zunächst nur die für den Flow nötige Notation einführen; einen Process-Level-Zoom separat begründen.

Für die Arbeitsschritte bereitstellen

Frame: Fluss und Stimmen klären

  • Geschäftsfluss mit benanntem Start und Ende
  • Fachkundige Personen aus den betroffenen Bereichen
  • Bekannte Begriffe und offene Fragen

Events first: Vergangene Ereignisse sammeln

  • Arbeitsrahmen und Beispielgeschichte
  • Orange Karten oder ein gleichwertiges digitales Board
  • Erfahrungswissen der Domainexperten

Timeline: Zeitlinie und Brüche schärfen

  • Rohes Event-Bild
  • Beispiele für normale und ungewöhnliche Verläufe
  • Markierungen für Widerspruch und Reibung

Zoom: Reibung und Grenzen untersuchen

  • Gemeinsame Event-Timeline
  • Beobachtete Reibungen, Konflikte und Sonderfälle
  • Perspektiven auf Verantwortung, Übergaben und Begriffe

Follow-up: Ergebnis sichern und weiterarbeiten

  • Event-Timeline und Boundary-Skizze
  • Priorisierte Hot Spots
  • Entscheidungs- und Umsetzungskontext

Frame: Fluss und Stimmen klären

Erwartetes Artefakt: Arbeitsrahmen

Scope · Beteiligte · Glossarstart · offene Perspektiven

Eintrag:

...

  • Können alle Beteiligten in einem Satz sagen, welcher Flow betrachtet wird und welche Frage am Ende besser beantwortet sein soll?

Events first: Vergangene Ereignisse sammeln

Erwartetes Artefakt: Rohes Event-Bild

Event-Sammlung · grobe Reihenfolge · markierte Unsicherheiten

Eintrag:

...

  • Sind die Karten Ereignisse mit fachlicher Bedeutung und zeitlichem Bezug, oder beschreiben sie schon technische Zustände, Rollen oder gewünschte Funktionen?

Timeline: Zeitlinie und Brüche schärfen

Erwartetes Artefakt: Gemeinsame Event-Timeline

Zeitlinie · Wendepunkte · Varianten · offene Fragen

Eintrag:

...

  • Kann die Gruppe erklären, worüber sie einig ist, wo Varianten bestehen und welche Aussage noch durch Beobachtung oder weitere Fachklärung geprüft werden muss?

Zoom: Reibung und Grenzen untersuchen

Erwartetes Artefakt: Hot-Spot- und Boundary-Skizze

Priorisierte Reibung · Boundary-Hypothese · begründeter nächster Zoom

Eintrag:

...

  • Sind Grenze und Hot Spot aus dem beobachteten Flow begründet, oder wurden sie nur aus Teamstruktur oder gewünschter Architektur abgeleitet?

Follow-up: Ergebnis sichern und weiterarbeiten

Erwartetes Artefakt: Arbeitsfähige EventStorming-Dokumentation

Snapshot · Timeline · Glossar · Hot Spots mit Owner und nächster Aktion

Eintrag:

...

  • Kann eine abwesende Person den Scope, die wichtigsten Ereignisse, Unsicherheiten und nächsten Schritte nachvollziehen?

Offene Fragen und nächste Schritte

...

Methodenanleitung: https://methodatlas.meierhoff-systems.de/de/methods/event-storming/run-sheet

Alternativen und Nachbarn

Passende Alternativen mit Entscheidungshilfe, danach weitere verwandte Methoden.

Alle Methoden
Rahmenbedingungen und Herkunft
MittelWorkshop2-8 h

Steckbrief

Methodenform
Workshop-Methode
Teilnehmende
5-12
Zeit
2-8 h
Reifegrad
Canonical
Ursprung
Alberto Brandolini
Papierillustration zu Bounded Context Canvas mit den zentralen Arbeitsschritten und einem sichtbaren Ergebnis.
Als Nächstes: Bounded Context Canvas