Qualitative Gespräche mit echten Nutzenden aus der Zielgruppe sind durchgeführt oder fest terminiert. Umfang und Auswahl richten sich nach Lernbedarf, Zugang und Risiko.
Design Thinking
Die Anleitung zur Methode: Voraussetzungen und Materialien klären, den gesamten Ablauf verstehen und Ergebnisse, Stolperfallen sowie Abbruchkriterien nachschlagen.
Vorbedingung
Was vorher fertig sein muss
Die wichtigsten Stakeholder, ein Sponsor mit Entscheidungsmandat und ein Budgetrahmen für Prototypen und Tests sind dokumentiert.
Vorbereitung
Was vor Start vorliegen muss
Workshop-Raum mit Wandflächen oder Miro-Board mit Phasen-Bahnen; Stickies in fünf Farben; Stifte; Prototyping-Material (Papier, Pappe, Klick-Tool wie Figma); Aufnahme-Setup für Tests; Recruiting-Liste für Nutzertests.
Ein Facilitator für den Gesamtflow; ein bis zwei Researcher für Interviews und Synthese; zwei bis vier Designer und Engineers; ein Sponsor mit Entscheidungsmandat (mindestens an Phasenübergängen); Testnutzer für Phase 5.
Problembereich als ein Absatz, nicht als Lösungsidee; Zielgruppe und Zugang dazu; bekannte Constraints (Budget, Compliance, Technologie); vorherige Lösungsversuche und warum sie scheiterten.
Iterativ über wenige Tage bis mehrere Wochen, passend zu Lernbedarf, Zugang und Vorhaben
Phasen-Bahnen an die Wand: Empathize, Define, Ideate, Prototype, Test. Sponsor-Reviews zwischen jeder Phase fest terminieren. Recruiting für Phase 5 in Phase 1 starten, nicht später.
Kernfrage
Die eine Frage, die diese Methode beantwortet
Welches reale Nutzerproblem ist es wert, gelöst zu werden, und welche Lösungsidee überlebt einen Test mit echten Nutzern?
Ablauf
Phasen mit Ziel, Durchführung, Ergebnis und Stolperfalle
Design Thinking verbindet Beobachtungen, Problemverständnis und Prototyping zu einem iterativen Lernprozess. Die Methode macht Annahmen sichtbar und schafft eine prüfbare Lösungsidee für Gespräche mit Nutzenden.
- 1
Empathize
Verstehen

Ziel
Den Alltag der Nutzenden und ihre tatsächlichen Bedürfnisse verstehen.
Voraussetzungen für diesen Schritt
- Eine eingegrenzte Nutzungssituation
- Zugang zu passenden Nutzenden und Einverständnis für Gespräche
Durchführung
- Nach konkreten vergangenen Situationen fragen und Nutzung beobachten.
- Zitate, Verhalten, Workarounds und offene Fragen getrennt von eigenen Deutungen festhalten.
Ergebnis
Research-Notizen
Beobachtung · Kontext · Beleg · offene Frage
Qualitätscheck
Stammen die Beobachtungen aus der relevanten Nutzungssituation? Sind Beobachtung und eigene Annahme unterscheidbar?
Stolperfalle
Das Team sammelt Zustimmung für eine bereits bevorzugte Lösung. Zu vergangenen Handlungen und konkreten Schwierigkeiten zurückfragen. Offene Annahmen kenntlich machen.
Zeitlicher Rahmen: Mehrere Recherchetermine über Tage; Umfang nach Lernbedarf und Zugang planen.
- 2
Define
Problem schärfen

Ziel
Aus den Beobachtungen ein nachvollziehbares Problem ableiten.
Voraussetzungen für diesen Schritt
- Research-Notizen mit Belegen
- Wiederkehrende Muster und offene Widersprüche
Durchführung
- Beobachtungen clustern und ein relevantes Bedürfnis auswählen.
- Nutzer, Bedürfnis und begründenden Insight als Problem Statement festhalten. Daraus eine offene Lösungsfrage ableiten.
Ergebnis
Problem Statement
Nutzer · Bedürfnis · begründender Insight · Beleg
Qualitätscheck
Sind Nutzer, Bedürfnis und Beleg erkennbar? Bleibt die Formulierung offen für verschiedene Lösungen?
Stolperfalle
Das Problem Statement fordert bereits eine App oder ein bestimmtes Feature. Das dahinterliegende Bedürfnis beschreiben und die Lösungsidee für die Ideenphase festhalten.
Zeitlicher Rahmen: Fokussierte Syntheseblöcke; bei fehlender Evidenz in die Recherche zurückgehen.
- 3
Ideate
Ideen entwickeln

Ziel
Unterschiedliche Lösungswege sichtbar und vergleichbar machen.
Voraussetzungen für diesen Schritt
- Ein fokussiertes Problem Statement
- Eine offene How-Might-We-Frage und relevante Grenzen
Durchführung
- Zunächst einzeln mehrere Ideen skizzieren, dann gemeinsam ergänzen.
- Konträre Ansätze einbeziehen und eine begründete Auswahl für den Test treffen.
Ergebnis
Konzeptauswahl
Idee · Nutzenannahme · offene Frage · Auswahlgrund
Qualitätscheck
Unterscheiden sich die Ansätze inhaltlich? Ist dokumentiert, welche Annahme mit dem gewählten Konzept geprüft werden soll?
Stolperfalle
Die erste naheliegende Idee wird gewählt, bevor Alternativen sichtbar sind. Eine weitere Runde mit bewusst anderen Ansätzen durchführen. Ideenzahlen als Impuls an die Situation anpassen.
Zeitlicher Rahmen: Ein oder mehrere Ideen- und Auswahlblöcke passend zum Problemraum.
- 4
Prototype
Prototyp bauen

Ziel
Die zentrale Annahme mit möglichst wenig Aufwand überprüfbar machen.
Voraussetzungen für diesen Schritt
- Ein ausgewähltes Konzept
- Eine klare Testfrage und eine beobachtbare Nutzungssituation
Durchführung
- Die minimale Darstellung wählen, mit der sich die Frage sinnvoll untersuchen lässt.
- Papier, Rollenspiel, Klickdummy oder Wizard-of-Oz vorbereiten und den Testablauf kurz erproben.
Ergebnis
Prototype
Entwurf oder Link · Testfrage · bewusst ausgelassene Teile
Qualitätscheck
Können Nutzende eine relevante Handlung ausprobieren? Ist der Aufwand auf die Testfrage begrenzt?
Stolperfalle
Der Prototyp wird zu einem umfassenden Produktbau. Jedes Detail auf seinen Beitrag zur Testfrage prüfen und die Genauigkeit gezielt begrenzen.
Zeitlicher Rahmen: Kurze Bau- und Erprobungszyklen; Aufwand hängt von der Testfrage ab.
- 5
Test
Testen und lernen

Ziel
Aus beobachtetem Verhalten die nächste Entscheidung ableiten.
Voraussetzungen für diesen Schritt
- Prototyp und Testfrage
- Passende Testpersonen und ein Beobachtungsraster
Durchführung
- Nutzende relevante Aufgaben ausprobieren lassen, ohne sie zur Lösung zu führen.
- Beobachtungen und Widersprüche verdichten. Weitergehen, überarbeiten oder die Annahme verwerfen und die nächste Aktion festhalten.
Ergebnis
Test Learnings
Beobachtung · Beleg · verbleibende Unsicherheit · Entscheidung · nächste Aktion
Qualitätscheck
Stützt sich die Entscheidung auf beobachtbares Verhalten? Sind offene Unsicherheiten, Verantwortung und nächster Lernschritt benannt?
Stolperfalle
Lob für den Prototyp wird als Beleg für funktionierende Nutzung gewertet. Verhalten und Aussagen getrennt betrachten. Bei widersprüchlichen Ergebnissen gezielt weiterlernen; Stichprobe und Auswahl begründen.
Zeitlicher Rahmen: Mehrere Tests und eine Synthese; Umfang und Wiederholung an Unsicherheit und Zielgruppe ausrichten.
Artefakt
Was am Ende rauskommt
Skizze: so sieht das Artefakt aus
Strukturierte Doku mit Research-Notizen, geclusterten Insights, POV-Aussage, gewählter HMW-Frage, Ideation-Outputs, Prototyp-Links, Test-Protokollen pro Nutzer, Patterns und finaler Entscheidung mit Owner und Folgeaktion.
Pro Iteration ein eigener Ordner mit Datum und Problemraum als Titel. Vorherige Iterationen archivieren, nicht überschreiben. Entscheidungen zwischen Phasen mit Datum und Sponsor-Freigabe dokumentieren.
- Miro oder FigJam als Workshop-Board mit Phasen-Bahnen
- Figma für Klickprototypen
- Notion oder Confluence für Synthese und Entscheidungsdoku
- Lookback oder Maze für Nutzertests
design-thinking-working-template.md
Bereite eine Session oder ein Vorhaben vor. Rechts entsteht dein Plan zum Mitnehmen.
Design Thinking: Arbeitsvorlage
Fragestellung
Noch zu klären
Gewünschtes Ergebnis
Noch zu klären
Rahmen
Gesamtes Vorhaben Zeit: Mehrere Termine, noch festzulegen
Diese Vorlage während der Arbeit auf Papier oder in einem eigenen Dokument ausfüllen.
Vorbereitung für diesen Umfang
Methodische Grundausstattung
- Materialien: Workshop-Raum mit Wandflächen oder Miro-Board mit Phasen-Bahnen; Stickies in fünf Farben; Stifte; Prototyping-Material (Papier, Pappe, Klick-Tool wie Figma); Aufnahme-Setup für Tests; Recruiting-Liste für Nutzertests.
- Rollen: Ein Facilitator für den Gesamtflow; ein bis zwei Researcher für Interviews und Synthese; zwei bis vier Designer und Engineers; ein Sponsor mit Entscheidungsmandat (mindestens an Phasenübergängen); Testnutzer für Phase 5.
- Vorab-Infos: Problembereich als ein Absatz, nicht als Lösungsidee; Zielgruppe und Zugang dazu; bekannte Constraints (Budget, Compliance, Technologie); vorherige Lösungsversuche und warum sie scheiterten.
- Gesamter Zeitbedarf: Iterativ über wenige Tage bis mehrere Wochen, passend zu Lernbedarf, Zugang und Vorhaben
- Setup: Phasen-Bahnen an die Wand: Empathize, Define, Ideate, Prototype, Test. Sponsor-Reviews zwischen jeder Phase fest terminieren. Recruiting für Phase 5 in Phase 1 starten, nicht später.
Für die Arbeitsschritte bereitstellen
Empathize: Verstehen
- Eine eingegrenzte Nutzungssituation
- Zugang zu passenden Nutzenden und Einverständnis für Gespräche
Define: Problem schärfen
- Research-Notizen mit Belegen
- Wiederkehrende Muster und offene Widersprüche
Ideate: Ideen entwickeln
- Ein fokussiertes Problem Statement
- Eine offene How-Might-We-Frage und relevante Grenzen
Prototype: Prototyp bauen
- Ein ausgewähltes Konzept
- Eine klare Testfrage und eine beobachtbare Nutzungssituation
Test: Testen und lernen
- Prototyp und Testfrage
- Passende Testpersonen und ein Beobachtungsraster
Empathize: Verstehen
Erwartetes Artefakt: Research-Notizen
Beobachtung · Kontext · Beleg · offene Frage
Eintrag:
...
- Stammen die Beobachtungen aus der relevanten Nutzungssituation?
- Sind Beobachtung und eigene Annahme unterscheidbar?
Define: Problem schärfen
Erwartetes Artefakt: Problem Statement
Nutzer · Bedürfnis · begründender Insight · Beleg
Eintrag:
...
- Sind Nutzer, Bedürfnis und Beleg erkennbar?
- Bleibt die Formulierung offen für verschiedene Lösungen?
Ideate: Ideen entwickeln
Erwartetes Artefakt: Konzeptauswahl
Idee · Nutzenannahme · offene Frage · Auswahlgrund
Eintrag:
...
- Unterscheiden sich die Ansätze inhaltlich?
- Ist dokumentiert, welche Annahme mit dem gewählten Konzept geprüft werden soll?
Prototype: Prototyp bauen
Erwartetes Artefakt: Prototype
Entwurf oder Link · Testfrage · bewusst ausgelassene Teile
Eintrag:
...
- Können Nutzende eine relevante Handlung ausprobieren?
- Ist der Aufwand auf die Testfrage begrenzt?
Test: Testen und lernen
Erwartetes Artefakt: Test Learnings
Beobachtung · Beleg · verbleibende Unsicherheit · Entscheidung · nächste Aktion
Eintrag:
...
- Stützt sich die Entscheidung auf beobachtbares Verhalten?
- Sind offene Unsicherheiten, Verantwortung und nächster Lernschritt benannt?
Offene Fragen und nächste Schritte
...
Methodenanleitung: https://methodatlas.meierhoff-systems.de/de/methods/design-thinking/run-sheet
Beispielausgabe
Konkret gefülltes Szenario, fiktives Beispiel
Fiktives Beispiel zur Orientierung. Die genannten Mengen und Zeiten beschreiben diesen Fall und sind keine allgemeine Vorgabe.
design-thinking-beispiel.md
Konkret gefülltes Szenario, fiktives Beispiel
Design Thinking — Selbständige Steuerberatung, Mandantenkommunikation (Q2 2026)
Empathize: 7 Interviews mit Solo-Steuerberaterinnen, 2 Tage Schatten-Beobachtung in der Kanzlei von Sabine. 12 Workarounds dokumentiert (Whatsapp für Unterlagen, Excel-Listen für Rückfragen).
POV: Sabine, Solo-Steuerberaterin mit 80 Mandanten, braucht eine Möglichkeit, eingehende Unterlagen nach Mandant zuzuordnen, weil sie jede Mail manuell sortiert und dabei 6 h pro Woche verliert.
HMW: Wie könnten wir Unterlagen automatisch dem richtigen Mandanten zuordnen, ohne dass Mandanten ihr Verhalten ändern?
Ideation: 47 Ideen, 3 Konzepte zur Prototyping-Auswahl: (1) E-Mail-Forwarding mit Tag-Erkennung, (2) Mandanten-Upload-Portal, (3) Whatsapp-Bot.
Prototyp: Klickdummy für Konzept 1 (Figma, 9 Screens) plus Wizard-of-Oz-Setup, in dem Researcher manuell Tags verteilen.
Test: 6 Steuerberaterinnen, je 60 min. 5/6 verstanden das Konzept sofort, 4/6 wollten es heute nutzen, 2/6 hatten Sorgen um Mandantengeheimnis bei der KI-Tag-Erkennung.
Entscheidung (Sponsor: @marcus, 18.05.2026): Konzept 1 weiterverfolgen, mit explizitem Opt-in pro Mandant. Implementierungs-Spike 2 Wochen, danach Pilot mit 5 Beraterinnen.
Stolperfallen
Symptome erkennen, gegensteuern
Kurzüberblick, vollständiger Text steht in der jeweiligen Phase im Ablauf
- VerstehenDas Team sammelt Zustimmung für eine bereits bevorzugte Lösung.In der Phase ansehen
- Problem schärfenDas Problem Statement fordert bereits eine App oder ein bestimmtes Feature.In der Phase ansehen
- Ideen entwickelnDie erste naheliegende Idee wird gewählt, bevor Alternativen sichtbar sind.In der Phase ansehen
- Prototyp bauenDer Prototyp wird zu einem umfassenden Produktbau.In der Phase ansehen
- Testen und lernenLob für den Prototyp wird als Beleg für funktionierende Nutzung gewertet.In der Phase ansehen
Verstehen
Das Team sammelt Zustimmung für eine bereits bevorzugte Lösung.
Zu vergangenen Handlungen und konkreten Schwierigkeiten zurückfragen. Offene Annahmen kenntlich machen.
Problem schärfen
Das Problem Statement fordert bereits eine App oder ein bestimmtes Feature.
Das dahinterliegende Bedürfnis beschreiben und die Lösungsidee für die Ideenphase festhalten.
Ideen entwickeln
Die erste naheliegende Idee wird gewählt, bevor Alternativen sichtbar sind.
Eine weitere Runde mit bewusst anderen Ansätzen durchführen. Ideenzahlen als Impuls an die Situation anpassen.
Prototyp bauen
Der Prototyp wird zu einem umfassenden Produktbau.
Jedes Detail auf seinen Beitrag zur Testfrage prüfen und die Genauigkeit gezielt begrenzen.
Testen und lernen
Lob für den Prototyp wird als Beleg für funktionierende Nutzung gewertet.
Verhalten und Aussagen getrennt betrachten. Bei widersprüchlichen Ergebnissen gezielt weiterlernen; Stichprobe und Auswahl begründen.
Abbruchkriterien
Wann du anhalten, Voraussetzungen klären oder einen anderen Ansatz wählen solltest
Methodenanleitung durchgearbeitet?
Zum Steckbrief für Zweck, ähnliche Methoden und Quellen oder direkt zur nächsten Methode im Katalog.

