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Run SheetSystems ThinkingQuantitative Modeling

System Dynamics Simulation

KomplexitätHigh
ZeitMehrere Tage bis Wochen
Teilnehmende1-5 Modellierende, Stakeholder asynchron
FormatAsync
MaturityCanonical
01

Vorbedingung

Was vorher fertig sein muss

Vorher abschließenCausal Loop Diagram

Ein validiertes Causal Loop Diagram mit identifizierten Feedback Loops, Stocks und Flows liegt vor, das als Strukturvorlage für das quantitative Modell dient.

Ohne: Ohne qualitative Struktur entstehen Simulationsgleichungen ohne Bezug zu realen Wirkmechanismen, das Modell wird ein Zahlenspiel ohne Aussagekraft.
Vorher abschließenStock and Flow Diagram

Stocks und Flows sind als Diagramm mit Einheiten, Anfangswerten und vermuteten Raten skizziert.

Ohne: Ohne diese Vorarbeit beginnt die Simulationsarbeit mit Strukturklärung statt Quantifizierung, der Zeithorizont wird gesprengt.
02

Vorbereitung

Was vor Start vorliegen muss

Materialien

System-Dynamics-Tool (Vensim, Stella, Simantics System Dynamics, AnyLogic, BPTK-Py); Datenquellen für Anfangswerte und Raten; Versionskontrolle (Git, Modell-Dateien plus Skripte); Tabellenkalkulation für Datenaufbereitung.

Personen / Rollen

Ein Modeler mit System-Dynamics-Erfahrung (lead); ein bis zwei Domain Experts für Raten und Annahmen; ein Daten-Owner für Anfangs- und Validierungsdaten; ein Stakeholder oder Auftraggeber für Szenario-Auswahl und Interpretation.

Vorabinfos

Frage und Zeithorizont; CLD und Stock-and-Flow-Skizze; verfügbare historische Daten zur Kalibrierung; bekannte Politik-Optionen; akzeptierte Unsicherheitsspanne; Reporting-Format.

Zeitbedarf

Mehrere Tage bis Wochen

Setup

Modellordner im Repo mit /model, /data, /scenarios, /docs. Tool installiert und lizensiert. Datenset für Kalibrierung importiert. Frage und Zeithorizont sichtbar in der Modell-Doku.

03

Kernfrage

Die eine Frage, die diese Methode beantwortet

Welche dynamischen Effekte und Politik-Hebel werden sichtbar, wenn die qualitative Struktur als quantitatives Modell über den Zeithorizont gerechnet wird?

04

Ablauf

Marker: Phase

SchrittDauerAktionHinweis
1Phase 1: Frage und Zeithorizont fixieren
Halber TagKonkret formulierte Politik- oder Strategie-Frage festlegen. Zeithorizont in Schritten (z. B. monatlich, 10 Jahre). Erfolgsbild für das Modell: was muss am Ende beantwortbar sein?Wenn die Frage „wie sieht die Zukunft aus“ lautet, ist sie nicht beantwortbar. Frage muss vergleichende Form haben: Effekt einer Maßnahme A vs. B im Horizont.
2Phase 2: Modell implementieren
3-7 TageStocks und Flows in Tool eintragen. Gleichungen für Raten formulieren. Hilfsvariablen, Lookups, Time Delays modellieren. Einheiten konsistent halten. Modell durchrunnen lassen ohne Fehler.Einheiten-Check ist Pflicht. Ein einziges Mismatch zerstört die Aussagekraft. Tools haben oft eingebauten Units-Check, der nicht abgeschaltet werden darf.
3Phase 3: Kalibrierung
2-5 TageModell gegen historische Daten laufen lassen (Hindcast). Parameter so anpassen, dass Verlauf realistisch passt. Fit-Metriken (z. B. RMSE) dokumentieren. Bei Mismatch Struktur statt Parameter prüfen.Wer nur Parameter feinjustiert, um Daten zu passen (Overfitting), erhält keinen Prognosewert. Mismatch zeigt oft fehlende Loops, die zuerst strukturell ergänzt werden müssen.
4Phase 4: Sensitivitätsanalyse
1-2 TageFür 5-10 zentrale Parameter Bandbreiten definieren. Sensitivitäts-Runs (Monte Carlo oder strukturierte Tornado-Analyse) laufen lassen. Robuste vs. fragile Parameter identifizieren.Wer einzelne Punktprognosen kommuniziert, suggeriert Präzision, die das Modell nicht liefert. Sensitivität gehört in jeden Output, sonst wird das Modell als Orakel missverstanden.
5Phase 5: Szenarien und Politik-Tests
1-3 TagePro Szenario klare Parametereinstellung und Zeitachse definieren. Mindestens 3 Szenarien (Baseline, Maßnahme A, Maßnahme B). Ergebnisse als Verlaufskurven, nicht nur Endpunkte.Endpunkt-Tabellen lügen oft: Maßnahmen wirken kurzfristig anders als langfristig. Verlaufskurve zeigt Overshoots, Delays und Reaktionen, die im Endpunkt verschwinden.
6Phase 6: Interpretation und Reporting
Halber TagErgebnisse mit Annahmen, Sensitivität und Limitationen dokumentieren. Stakeholder-Workshop für Interpretation. Modell mit Daten und Skripten als reproducible Bundle archivieren.Wer das Modell ohne Annahmen-Disclosure präsentiert, lädt zur Fehlinterpretation ein. Annahmen müssen so prominent wie Ergebnisse kommuniziert werden.
05

Artefakt

Was am Ende rauskommt

Form

Repository mit Modell-Datei (Vensim mdl, Stella isd, Python notebook), Daten-Set, Szenario-Konfigurationen, Sensitivitäts-Reports, Verlaufskurven (Plots), Annahmen-Doku und Stakeholder-Briefing.

Tool-Alternativen
  • Vensim PLE/DSS für etablierte Setups
  • Stella Architect für visuelle Modellierung
  • BPTK-Py oder PySD für Python-basierte Simulation
  • AnyLogic für Multi-Method-Modelle
Versionierung / Ownership

Modell mit SemVer im Git-Repo. Pro Major-Release strukturelle Änderungen dokumentiert. Daten-Snapshots datiert, nicht überschrieben. Szenario-Dateien als getrennte Files mit Beschreibung.

markdown

System Dynamics Simulation Arbeitsvorlage

Kompakte Arbeitsvorlage für System Dynamics Simulation mit Kontext, Input, Ergebnisartefakten und nächstem Schritt.

# System Dynamics Simulation Arbeitsvorlage

## Ziel

Quantitatives Simulationsmodell aus Stocks, Flows und Feedback Loops.

## Kontext

Wann und wofür nutzen wir diese Methode?

## Input

Welche Daten, Beobachtungen, Entscheidungen oder Materialien liegen vor?

## Durchführung

Kurze Notizen entlang des Run Sheets.

## Ergebnisartefakte
- Simulationsmodell:
- Szenarienberichte:

## Annahmen und offene Fragen

- ...

## Entscheidung / Nächster Schritt

Owner, Datum und Erfolgssignal.
06

Beispielausgabe

Konkret gefülltes Szenario

system-dynamics-simulation-beispiel.md
markdown
## Simulation — Förderprogramm Wärmepumpen Sachsen 2026-2040 (Modell v0.4, 18.05.2026)

**Frage**: Wie stark senkt eine Erhöhung der Investitionsförderung von 30% auf 45% den CO2-Ausstoß im Wohngebäudebestand bis 2040 verglichen mit dem Baseline-Pfad?

**Zeithorizont**: 2026-2040, monatliche Schritte.

**Stocks**: Anzahl Wärmepumpen, Anzahl Gasheizungen, CO2-kumuliert.
**Flows**: Installationsrate, Stilllegungsrate, Heizbedarf.
**Schlüsselparameter**: Installationsrate (200-650/Monat je Förderhöhe), Lebensdauer (18 Jahre), Heizbedarf (saisonal).

**Kalibrierung**: Hindcast 2018-2025, RMSE 4.2% bei Wärmepumpen-Bestand. Akzeptabel.

**Szenarien**:
- Baseline: 30% Förderung, kumulierter CO2 bis 2040: 84 Mt.
- Szenario A: 45% Förderung ab 2027, kumuliert 71 Mt (−15%).
- Szenario B: 45% + Gas-Abschaltung 2035: 58 Mt (−31%).

**Sensitivität**: Robust gegen Heizbedarfsvariation (±10% liefert ±2 Mt). Fragil gegen Installationskapazität (±20% liefert ±9 Mt). Politik-Empfehlung: Förderung allein begrenzt wirksam, Engpass ist Handwerkerkapazität.

**Limitationen**: Modell ignoriert Strompreis-Rückkopplungen und Wärmenetz-Konkurrenz.
07

Stolperfallen

Symptome erkennen, gegensteuern

Falle

Punktprognosen kommuniziert

Symptom

Stakeholder zitieren eine einzige Zahl („minus 15%“) ohne Bandbreite.

Was tun

Ergebnisse immer als Bandbreite mit Sensitivität präsentieren. Punktwert in Reports ohne Confidence-Intervall ist verboten.

Falle

Einheitenfehler

Symptom

Modell läuft, aber Werte erscheinen plausibel obwohl Einheiten nicht passen (z. B. Monat vs. Jahr).

Was tun

Tool-eigenen Units-Check aktivieren und nie deaktivieren. Bei Migration zwischen Tools manuell prüfen. Plausibilitäts-Check gegen externe Benchmark.

Falle

Overfitting

Symptom

Modell passt perfekt auf Historie, Prognosen für Folgejahre weichen massiv ab.

Was tun

Train-Test-Split: Kalibrierung auf älteren Daten, Validierung auf jüngeren. Bei strukturellem Mismatch Loops ergänzen, nicht weiter Parameter justieren.

Falle

Fehlende Loops

Symptom

Modell zeigt linearen Verlauf, Realität zeigt Sättigung oder Oscillation.

Was tun

CLD und Stock-and-Flow zurückprüfen. Häufig fehlen Balancing Loops (Kapazitätsgrenzen, Sättigung). Strukturproblem, nicht Parameter.

Falle

Stakeholder ohne Interpretationshilfe

Symptom

Stakeholder lesen Plots und ziehen falsche Schlüsse über Wirkmechanismen.

Was tun

Zu jedem Szenario kurze Erläuterung der Wirkmechanik (welche Loops dominieren wann). Stakeholder-Workshop statt PDF-Versand.

Falle

Modell nicht reproduzierbar

Symptom

Sechs Monate später kann niemand das Modell mit denselben Annahmen neu rechnen.

Was tun

Modell, Daten und Skripte versioniert ablegen. README mit Reproduktions-Befehl. Tool-Version in Doku fixieren.

08

Abbruchkriterien

Done-Signale, in unter einer Minute prüfbar

Frage ist keine Vergleichsfrage, sondern Vorhersagebegehr ohne Hebel.
Keine belastbaren Daten für Anfangswerte und Raten verfügbar, Modell wäre Spekulation.
Zeithorizont kürzer als 6 Monate, statisch-analytische Methoden ausreichend.
Keine Person mit System-Dynamics-Erfahrung im Team und kein Coaching beschaffbar.
Stakeholder erwarten Punktprognosen, akzeptieren keine Bandbreiten.
Domain ist linear ohne erkennbare Feedback-Loops, Simulation hat keinen Mehrwert.
Tool- oder Lizenzkosten übersteigen Entscheidungswert.

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