Eine Liste der relevanten Stakeholder mit Rolle und Bezug zum Problem liegt vor, damit die richtige Runde am Tisch sitzt.
Problem Framing Workshop
Vorbedingung
Was vorher fertig sein muss
Grobes Kontextverständnis des Problemraums existiert schriftlich, mindestens Markt, Nutzergruppen und bekannte Constraints.
Vorbereitung
Was vor Start vorliegen muss
Whiteboard oder Miro-Board mit vier Zonen (Symptome, Betroffene, Auswirkungen, Problem-Statement); farbige Stickies; Timer; Vorab-Briefing als PDF; Liste bisher gescheiterter Lösungsversuche.
Ein Facilitator (neutral, ohne Lösungspräferenz); ein Sponsor mit Entscheidungsbefugnis (mindestens 60 min anwesend); 4-8 Teilnehmer aus Fachbereichen, die das Problem unterschiedlich erleben; ein Scribe für Wortlaut-Mitschrift.
Anlass und Trigger des Workshops; relevante Daten oder Tickets der letzten 90 Tage; aktuelle Hypothesen aus dem Team; bekannte Tabus oder politische Sensitivitäten beim Sponsor.
90-120 min
Raum so stellen, dass alle die Wand sehen. Vier Zonen vorab beschriften. Workshop-Regel ansagen: Symptome trennen von Ursachen, keine Lösungen vor der Problemdefinition. Timer für jede Phase sichtbar.
Kernfrage
Die eine Frage, die diese Methode beantwortet
Welches konkrete Problem, für welche Betroffenen, mit welcher Auswirkung soll im nächsten Schritt bearbeitet werden?
Ablauf
Marker: Phase
| Schritt | Dauer | Aktion | Hinweis |
|---|---|---|---|
1Phase 1: Symptome sammeln | 20 min | Jede Person notiert in Stille beobachtete Symptome auf Stickies, eine Aussage pro Sticky. Anschliessend reihum vorstellen und in Zone 1 clustern. Keine Diskussion über Ursachen. | Wenn Stickies bereits Ursachen oder Lösungen enthalten, in eine Parkplatz-Zone verschieben. Sonst springt die Gruppe zu früh in Loesungsmodus. |
2Phase 2: Betroffene und Auswirkungen | 25 min | Pro Symptom-Cluster konkrete Betroffene benennen (Rolle, nicht Person) und messbare Auswirkung beschreiben (Geld, Zeit, Risiko). In Zone 2 und 3 dokumentieren. | Wenn die Auswirkung nicht in Zahlen oder klaren Konsequenzen formulierbar ist, ist das Symptom vermutlich kein Problem, sondern Geschmacksfrage. |
3Phase 3: Problem-Statement entwerfen | 25 min | Zwei bis drei konkurrierende Problem-Statements im Format 'Wer hat welche Schwierigkeit in welcher Situation mit welcher Folge' formulieren. Pro Statement Heatmap-Voting (3 Punkte pro Person). | Verzichten auf Lösungsverbote im Statement. Ein gutes Statement loest noch nicht, sondern beschreibt nur. Wenn alle Statements gleich aussehen, fehlt Perspektivenvielfalt. |
4Phase 4: Schärfen und Owner | 20 min | Top-Statement nehmen, Begriffe definieren, Out-of-Scope dokumentieren, Erfolgskriterium für 'Problem gelöst' festhalten, Owner und nächsten Schritt benennen. | Wenn der Sponsor das Statement nicht freigeben kann, ist entweder die falsche Person im Raum oder der Sponsor will keine Festlegung. Beides klären, nicht überspielen. |
Artefakt
Was am Ende rauskommt
Ein-Seiten-Dokument mit Problem-Statement, Liste der Symptome, betroffene Rollen mit quantifizierter Auswirkung, Out-of-Scope-Liste, Erfolgskriterium und benanntem Owner für den nächsten Schritt.
- Notion- oder Confluence-Seite im Discovery-Space
- Miro-Board mit Snapshot-Export als PDF
- Markdown im Repo unter docs/discovery/
- Linear-Issue im Discovery-Project mit strukturiertem Body
Datum, Sponsor und Facilitator im Header. Spätere Reframings als neue Version mit klarer Begründung, alte Version bleibt verlinkt und nicht überschrieben.
Problem Frame
Arbeitsblatt für Problem, Zielgruppe, Wirkung und Entscheidungskontext.
# Problem Frame
## Problemstatement
Für wen ist welches Problem in welchem Kontext relevant?
## Betroffene Zielgruppe
Wer erlebt das Problem, wie oft und woran merken wir es?
## Evidenz
Welche Daten, Beobachtungen oder Beispiele stützen das Problem?
## Wirkung
Welche Kosten, Risiken oder verpassten Chancen entstehen?
## Nicht-Ziele
Was lösen wir bewusst nicht?
## Nächste Lernfrage
Was müssen wir als Nächstes herausfinden?Beispielausgabe
Konkret gefülltes Szenario
## Problem Framing — Onboarding B2B (12.05.2026)
**Sponsor**: @julia (CPO)
**Problem-Statement**: Neue B2B-Admins schaffen es im ersten 14-Tage-Trial nicht, ihre ersten 5 Nutzer einzuladen und mit Daten zu verbinden, weshalb 62% der Trials ohne Aktivierung enden.
**Symptome (Auswahl)**: Trial-Activation-Rate 38% (vs. Ziel 60%); 71 Support-Tickets in 30 Tagen mit Stichwort 'SSO'; durchschnittliche Time-to-Invite 4 Tage 6 h.
**Auswirkung**: ARR-Risiko 380k EUR im laufenden Quartal bei aktuellem Pipeline-Volumen.
**Out-of-Scope**: Self-Service-B2C-Trials; Enterprise-Verträge über 50k EUR (eigener AE-Prozess).
**Erfolgskriterium**: Trial-Activation 60% bis Q3-Ende, gemessen über Amplitude-Funnel 'trial_activated'.
**Owner nächster Schritt**: @ben (Product Lead), Opportunity Interviews bis 26.05.Stolperfallen
Symptome erkennen, gegensteuern
Lösungen statt Probleme
Stickies enthalten Feature-Wünsche ('wir brauchen SSO-Wizard'), nicht Beobachtungen.
Lösungsstickies in Parkplatz verschieben. Frage zurückwerfen: welches Problem würde diese Lösung adressieren. Erst dann zurück ins Framing.
Zu breites Statement
Problem-Statement deckt mehrere Nutzergruppen und Use Cases ab ('Onboarding funktioniert nicht').
Sponsor zwingt zur Verengung: eine Zielgruppe, eine Situation, eine messbare Auswirkung. Rest wird Followup-Workshop.
Sponsor nicht im Raum
Workshop endet mit Statement, das niemand verbindlich freigeben kann.
Workshop ohne Sponsor entweder absagen oder klar als Vorarbeit deklarieren. Statement wird sonst zur dritten Meinung neben Roadmap und Strategie.
Symptome ohne Daten
Symptome basieren auf Eindruck ('viele beschweren sich') ohne Zahlen oder Tickets.
Pro Symptom mindestens einen Beleg fordern (Ticket-ID, Metrik, Zitat). Unbelegte Symptome als 'Hypothese' markieren und für Validation Spike anlegen.
Konsens-Statement
Alle einigen sich schnell auf eine harmlose Formulierung, niemand widerspricht.
Facilitator erzwingt zweite alternative Formulierung mit anderer Perspektive (z. B. Sicht des Sales). Statements gegeneinander voten, nicht zusammenmischen.
Kein Erfolgskriterium
Statement liest sich gut, aber niemand kann sagen, wann das Problem 'gelöst' wäre.
Pro Statement quantitatives oder verhaltensbasiertes Erfolgskriterium definieren, mit Messquelle. Ohne Kriterium ist Statement kein Auftrag, sondern Stimmungsbild.
Abbruchkriterien
Done-Signale, in unter einer Minute prüfbar
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