methodatlas
Run SheetInnovationHuman-centered Innovation

Design Thinking

KomplexitätHigh
Zeit1 Tag bis mehrere Wochen
Teilnehmende4-10
FormatWorkshop
MaturityCanonical
01

Vorbedingung

Was vorher fertig sein muss

Vorher abschließenUser Interviews

Mindestens fünf bis acht qualitative Interviews mit echten Nutzern aus der Zielgruppe sind durchgeführt oder fest terminiert.

Ohne: Ohne Nutzerstimmen wird die Empathize-Phase Spekulation und alle nachfolgenden Schritte arbeiten mit Annahmen statt Beobachtung.
Vorher abschließenStakeholder Mapping

Die wichtigsten Stakeholder, ein Sponsor mit Entscheidungsmandat und ein Budgetrahmen für Prototypen und Tests sind dokumentiert.

Ohne: Ohne Sponsor versandet der Prozess in Phase 4-5, wenn Prototypen Mittel und Entscheidungen brauchen.
02

Vorbereitung

Was vor Start vorliegen muss

Materialien

Workshop-Raum mit Wandflächen oder Miro-Board mit Phasen-Bahnen; Stickies in fünf Farben; Stifte; Prototyping-Material (Papier, Pappe, Klick-Tool wie Figma); Aufnahme-Setup für Tests; Recruiting-Liste für Nutzertests.

Personen / Rollen

Ein Facilitator für den Gesamtflow; ein bis zwei Researcher für Interviews und Synthese; zwei bis vier Designer und Engineers; ein Sponsor mit Entscheidungsmandat (mindestens an Phasenübergängen); Testnutzer für Phase 5.

Vorabinfos

Problembereich als ein Absatz, nicht als Lösungsidee; Zielgruppe und Zugang dazu; bekannte Constraints (Budget, Compliance, Technologie); vorherige Lösungsversuche und warum sie scheiterten.

Zeitbedarf

5 Tage Sprint oder 4-8 Wochen iterativ

Setup

Phasen-Bahnen an die Wand: Empathize, Define, Ideate, Prototype, Test. Sponsor-Reviews zwischen jeder Phase fest terminieren. Recruiting für Phase 5 in Phase 1 starten, nicht später.

03

Kernfrage

Die eine Frage, die diese Methode beantwortet

Welches reale Nutzerproblem ist es wert, gelöst zu werden, und welche Lösungsidee überlebt einen Test mit echten Nutzern?

04

Ablauf

Marker: Phase

SchrittDauerAktionHinweis
1Phase 1: Empathize
3-10 Tage5-10 Interviews und 2-3 Beobachtungen im Kontext durchführen. Notizen, Zitate, beobachtete Workarounds und emotionale Reaktionen sammeln. Keine Lösungsfragen stellen.Wenn Interviewfragen mit „Würden Sie X nutzen“ beginnen, produziert die Phase nur Höflichkeitsdaten. Auf vergangene Verhaltensweisen fragen, nicht auf hypothetische.
2Phase 2: Define
0,5-1 TagPatterns clustern. Eine Point-of-View-Aussage formulieren: Nutzer X braucht Y, weil Z (Insight). Anschließend 3-5 How-Might-We-Fragen ableiten und die wichtigste auswählen.Wenn die POV-Aussage eine Lösung enthält („braucht eine App“), neu formulieren. Z (Insight) muss überraschend oder kontraintuitiv sein, sonst war Empathize zu oberflächlich.
3Phase 3: Ideate
0,5-1 TagCrazy 8s, Brainwriting oder Worst Possible Idea zur HMW-Frage. Mindestens 40 Ideen, dann Clustern und 2-3 Konzepte zur Prototyping-Auswahl.Wenn die Gruppe nach 20 Ideen aufhört, fehlt Divergenz. Erzwinge mindestens eine Runde mit absurden oder konträren Ideen, sonst landet die Gruppe bei der ersten naheliegenden Lösung.
4Phase 4: Prototype
1-5 TageLow-Fidelity-Prototyp bauen, der genau die zentrale Frage testbar macht. Papier, Klickdummy oder Wizard-of-Oz, kein produktiver Code. Pro Konzept einen Prototyp.Realistisch wirken schlägt vollständig. Prototyp ist eine Frage, keine Antwort. Wer Backend-Logik baut, hat die Phase verlassen und arbeitet bereits an der Lösung.
5Phase 5: Test
1-3 Tage5-8 moderierte 1:1-Tests pro Prototyp. Beobachten, was Nutzer tun, nicht was sie sagen. Patterns nach Test 5 synthetisieren. Entscheidung: weiter, pivotieren oder verwerfen.Pattern-Erkennung beginnt nach Test 5, nicht nach Test 2. Beobachtungs-Raster pro Test strikt befüllen. Bei Widerspruch zwischen Verhalten und Aussage zählt das Verhalten.
05

Artefakt

Was am Ende rauskommt

Form

Strukturierte Doku mit Research-Notizen, geclusterten Insights, POV-Aussage, gewählter HMW-Frage, Ideation-Outputs, Prototyp-Links, Test-Protokollen pro Nutzer, Patterns und finaler Entscheidung mit Owner und Folgeaktion.

Tool-Alternativen
  • Miro oder FigJam als Workshop-Board mit Phasen-Bahnen
  • Figma für Klickprototypen
  • Notion oder Confluence für Synthese und Entscheidungsdoku
  • Lookback oder Maze für Nutzertests
Versionierung / Ownership

Pro Iteration ein eigener Ordner mit Datum und Problemraum als Titel. Vorherige Iterationen archivieren, nicht überschreiben. Entscheidungen zwischen Phasen mit Datum und Sponsor-Freigabe dokumentieren.

markdown

Design Thinking Arbeitsvorlage

Kompakte Arbeitsvorlage für Design Thinking mit Kontext, Input, Ergebnisartefakten und nächstem Schritt.

# Design Thinking Arbeitsvorlage

## Ziel

Iterativer Ansatz, der Nutzerverständnis, Problemframing, Ideation, Prototyping und Testen verbindet.

## Kontext

Wann und wofür nutzen wir diese Methode?

## Input

Welche Daten, Beobachtungen, Entscheidungen oder Materialien liegen vor?

## Durchführung

Kurze Notizen entlang des Run Sheets.

## Ergebnisartefakte
- Problem Statement:
- Prototype:
- Test Learnings:

## Annahmen und offene Fragen

- ...

## Entscheidung / Nächster Schritt

Owner, Datum und Erfolgssignal.
06

Beispielausgabe

Konkret gefülltes Szenario

design-thinking-beispiel.md
markdown
## Design Thinking — Selbständige Steuerberatung, Mandantenkommunikation (Q2 2026)

**Empathize**: 7 Interviews mit Solo-Steuerberaterinnen, 2 Tage Schatten-Beobachtung in der Kanzlei von Sabine. 12 Workarounds dokumentiert (Whatsapp für Unterlagen, Excel-Listen für Rückfragen).

**POV**: Sabine, Solo-Steuerberaterin mit 80 Mandanten, braucht eine Möglichkeit, eingehende Unterlagen nach Mandant zuzuordnen, weil sie jede Mail manuell sortiert und dabei 6 h pro Woche verliert.

**HMW**: Wie könnten wir Unterlagen automatisch dem richtigen Mandanten zuordnen, ohne dass Mandanten ihr Verhalten ändern?

**Ideation**: 47 Ideen, 3 Konzepte zur Prototyping-Auswahl: (1) E-Mail-Forwarding mit Tag-Erkennung, (2) Mandanten-Upload-Portal, (3) Whatsapp-Bot.

**Prototyp**: Klickdummy für Konzept 1 (Figma, 9 Screens) plus Wizard-of-Oz-Setup, in dem Researcher manuell Tags verteilen.

**Test**: 6 Steuerberaterinnen, je 60 min. 5/6 verstanden das Konzept sofort, 4/6 wollten es heute nutzen, 2/6 hatten Sorgen um Mandantengeheimnis bei der KI-Tag-Erkennung.

**Entscheidung (Sponsor: @marcus, 18.05.2026)**: Konzept 1 weiterverfolgen, mit explizitem Opt-in pro Mandant. Implementierungs-Spike 2 Wochen, danach Pilot mit 5 Beraterinnen.
07

Stolperfallen

Symptome erkennen, gegensteuern

Falle

Empathize wird übersprungen

Symptom

Team startet mit Lösungsideen, Interviews werden „später nachgeholt“ oder durch interne Annahmen ersetzt.

Was tun

Phase 1 als harte Voraussetzung für Phase 2 setzen. Ohne mindestens fünf Interviews keine POV-Formulierung. Sponsor muss diese Regel mittragen.

Falle

POV enthält Lösung

Symptom

Define-Phase endet mit „Nutzer braucht eine mobile App“ statt mit einem Bedürfnis.

Was tun

POV-Template strikt: Wer, braucht was, weil welcher überraschende Insight. Lösungsbestandteile werden gestrichen und in den HMW oder die Ideation verschoben.

Falle

Ideation endet bei der ersten Idee

Symptom

Gruppe wählt nach 15 min die naheliegende Lösung, weil sie „offensichtlich gut“ wirkt.

Was tun

Mindestens 40 Ideen erzwingen, davon mindestens 5 absurde. Erst danach Konvergenz. Dot-Voting nach voller Divergenz, nicht währenddessen.

Falle

Prototyp wird Produkt

Symptom

Phase 4 läuft 4 Wochen statt 4 Tage, Engineering baut Backend, weil „wir es eh brauchen“.

Was tun

Fidelity-Regel: nur so viel bauen, wie die zentrale Testfrage verlangt. Klickdummy oder Wizard-of-Oz vor Code. Wer Backend baut, hat Phase 4 verlassen.

Falle

Tests mit falscher Zielgruppe

Symptom

Phase 5 mit Kollegen, Freunden oder bestehenden Power-Usern besetzt, Feedback ist verzerrt.

Was tun

Recruiting-Kriterien in Phase 1 definieren und in Phase 5 strikt halten. Externe Recruiter als Backup. Lieber Phase verschieben als mit falschen Nutzern testen.

Falle

Linear statt iterativ

Symptom

Team läuft Phase 1-5 einmal durch und betrachtet das Ergebnis als final, ohne Rückkehr in frühere Phasen.

Was tun

Nach Phase 5 explizit fragen: zurück zu Define, Ideate oder Prototype, oder weiter zur Umsetzung. Iteration ist die Norm, lineare Durchläufe sind die Ausnahme.

08

Abbruchkriterien

Done-Signale, in unter einer Minute prüfbar

Zugang zur Zielgruppe ist nicht herstellbar, Interviews und Tests können nicht stattfinden.
Kein Sponsor mit Budget und Entscheidungsmandat, Phasenübergänge bleiben unentschieden.
Lösungsraum ist bereits politisch festgelegt, Ergebnis ist vorgegeben unabhängig vom Nutzer-Insight.
Problem ist hochregulatorisch oder reines Compliance-Thema, Nutzerempathie ist nicht der Hebel.
Team hat keine Kapazität für mindestens eine Iteration in 4-8 Wochen, Prozess verfällt nach Phase 2.
Vergleichbare Lösung am Markt mit klaren Patterns existiert, dann ist Adoption oder Benchmarking effizienter.

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