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Run SheetAgileEconomic Prioritization

WSJF

KomplexitätHigh
Zeit45-90 min
Teilnehmende3-10
FormatWorkshop
MaturityCanonical
01

Vorbedingung

Was vorher fertig sein muss

Vorher abschließenStabile Work Queuenicht im Katalog

Eine definierte Work Queue oder Backlog mit Items in vergleichbarer Größenordnung (Features, Epics, PIs) liegt vor, idealerweise mit Beschreibung des Geschäftsnutzens.

Ohne: Ohne stabile Queue mit vergleichbarer Granularität liefert WSJF Verhältniszahlen, die nicht miteinander vergleichbar sind.
Vorher abschließenCost-of-Delay-Verständnis

Team und Stakeholder haben ein gemeinsames Verständnis, was Cost of Delay bedeutet (Business Value über Zeit, Time Criticality, Risk Reduction / Opportunity Enablement).

Ohne: Ohne CoD-Verständnis wird der Zähler zur Wunschzahl und der Workshop produziert Pseudo-Quantifizierung.
02

Vorbereitung

Was vor Start vorliegen muss

Materialien

Tabelle mit Spalten Item, Business Value, Time Criticality, Risk Reduction/Opportunity Enablement, Job Size, WSJF-Score; Fibonacci-Skalen-Karten (1, 2, 3, 5, 8, 13, 20); kollaboratives Tool (Planning Poker, Notion, Sheets).

Personen / Rollen

Ein Product Manager oder Product Owner als Owner; Architekt oder Tech Lead für Risk- und Size-Schätzung; 2-5 Stakeholder aus Business für Value-Schätzung; Facilitator (oft RTE oder Scrum Master).

Vorabinfos

Liste der Items mit Beschreibung; aktuelle PI- oder Quartals-Ziele; bekannte Deadlines und Compliance-Anforderungen; Abhängigkeiten zwischen Items; Erfahrungswerte zu vergleichbaren Items.

Zeitbedarf

45-90 min

Setup

Tabelle aufsetzen. Fibonacci-Skala für relative Schätzung erklären (kein absoluter Wert, immer relativ zueinander). Definition pro Faktor sichtbar machen. Smallest Item als 1-Referenz pro Faktor festlegen.

03

Kernfrage

Die eine Frage, die diese Methode beantwortet

Welches Item liefert pro Aufwand den höchsten Cost-of-Delay-Wert und sollte als nächstes gezogen werden?

04

Ablauf

Marker: Sektion

SchrittDauerAktionHinweis
1Sektion 1: Referenz-Item wählen
10 minFür jeden der drei CoD-Faktoren (Business Value, Time Criticality, Risk Reduction / Opportunity Enablement) und für Job Size das kleinste Item als 1-Referenz festlegen. Alle anderen werden relativ dazu geschätzt.Ohne Referenz fehlt der Anker. Schätzungen ohne Referenz werden zu Bauchwerten und produzieren keine relative Aussage.
2Sektion 2: Business Value relativ schätzen
10-15 minPro Item: wie viel Geschäftswert (Umsatz, Kostenersparnis, Strategischer Wert) im Vergleich zum Referenz-Item? Fibonacci-Skala. Im Disagreement-Fall kurze Diskussion und Re-Vote (Planning Poker).Value rein wirtschaftlich oder strategisch, nicht persönliche Begeisterung. Wenn Stakeholder mit 20 stimmen ohne Begründung, Fragen nach quantitativer Stütze.
3Sektion 3: Time Criticality und RR/OE
15-20 minTime Criticality: wie schnell verliert der Wert an Wirkung (Fenster, Konkurrenz, Deadlines)? RR/OE: wie viel Risiko reduziert oder Opportunity ermöglicht das Item? Beide relativ zur Referenz, Fibonacci.Time Criticality wird oft missbraucht für „mir wichtig“. Strikt: was wäre der Effekt, wenn Item 3 Monate später kommt?
4Sektion 4: Job Size schätzen
10-15 minPro Item Job Size in Fibonacci relativ zur kleinsten. Team-Vertreter aus Engineering schätzen. Größen 20+ signalisieren, dass Item gesplittet werden sollte.Job Size beinhaltet alle Aufwände (Engineering, Design, QA, Rollout). Wenn Größe unklar, Item splitten oder Spike planen vor Aufnahme.
5Sektion 5: Score und Reihenfolge
10 minFormel: WSJF = (Business Value + Time Criticality + RR/OE) / Job Size. In Tabelle sortieren. Top-Items in Pull-Reihenfolge fixieren.WSJF gibt Reihenfolge, nicht Garantie. Schwierige Sequenzen mit Abhängigkeiten brauchen manuelle Korrektur (z. B. wenn Item A vor B technisch nötig ist).
05

Artefakt

Was am Ende rauskommt

Form

Sortierte Backlog-Tabelle mit Items, Faktoren-Werten, WSJF-Score und Rang; plus Annahmen-Log mit Begründungen für hohe Time-Criticality- oder RR/OE-Werte; plus PI-Plan oder Pull-Reihenfolge mit Berücksichtigung Abhängigkeiten.

Tool-Alternativen
  • Excel oder Google Sheets mit Formel-Spalte
  • Jira Align (SAFe-spezifisch) mit WSJF-Field
  • Linear oder Notion-Tabelle mit Custom-Properties
  • PlanningPoker.com oder Scrumpoker.online für relative Schätzung
  • Mural- oder Miro-Tabelle für Live-Schätzung
Versionierung / Ownership

Pro Priorisierungs-Cycle (PI, Quartal) eigene Version. Items, die über mehrere Cycles bleiben, mit Score-Historie versehen, um Verschiebungen sichtbar zu machen. Lessons Learned aus geliefertem Item: tatsächlicher Wert vs. geschätzter.

markdown

WSJF Arbeitsvorlage

Kompakte Arbeitsvorlage für WSJF mit Kontext, Input, Ergebnisartefakten und nächstem Schritt.

# WSJF Arbeitsvorlage

## Ziel

Sequenziert Arbeit über Cost of Delay geteilt durch Job Size.

## Kontext

Wann und wofür nutzen wir diese Methode?

## Input

Welche Daten, Beobachtungen, Entscheidungen oder Materialien liegen vor?

## Durchführung

Kurze Notizen entlang des Run Sheets.

## Ergebnisartefakte
- Ranked Backlog:
- Cost-of-Delay Assumptions:

## Annahmen und offene Fragen

- ...

## Entscheidung / Nächster Schritt

Owner, Datum und Erfolgssignal.
06

Beispielausgabe

Konkret gefülltes Szenario

wsjf-beispiel.md
markdown
## WSJF — PI 12 Backlog (Schätzung 2026-05-18)

| Item | BV | TC | RR/OE | Job Size | WSJF |
|---|---|---|---|---|---|
| 3DS2-Compliance-Update | 13 | 20 | 8 | 5 | 8,2 |
| Apple-Pay-Integration | 8 | 5 | 3 | 8 | 2,0 |
| Multi-Tenancy für Enterprise | 20 | 3 | 13 | 20 | 1,8 |
| Performance-Refactoring Order-Service | 5 | 3 | 8 | 8 | 2,0 |
| Saved-Card-Option | 5 | 2 | 1 | 3 | 2,7 |
| Loyalty-Programm | 8 | 3 | 5 | 13 | 1,2 |

**Annahmen**:
- 3DS2 TC=20, weil Deadline 30.06. regulatorisch.
- Multi-Tenancy BV=20, weil Vertragsanbahnung Enterprise-Kunden hängt davon ab.
- Performance-Refactoring RR=8, weil aktuell P95 800ms (SLA 500ms gefährdet).

**Pull-Reihenfolge**: 3DS2 (Compliance), dann Saved-Card (Quick Win), dann Performance-Refactoring (vor Loyalty wegen Stabilitäts-Risiko). Multi-Tenancy wartet auf Vertragsklärung.
07

Stolperfallen

Symptome erkennen, gegensteuern

Falle

Absolute statt relative Werte

Symptom

Teilnehmer schätzen Business Value in EUR oder Punkten ohne Bezug zur Referenz.

Was tun

Referenz-Item-Verfahren strikt anwenden. Werte sind immer „X-mal mehr als Referenz 1“. Sonst sind Werte nicht vergleichbar.

Falle

Time Criticality entwertet

Symptom

Alles bekommt TC=8 oder 13, weil „dringend ist alles“.

Was tun

TC nur hoch, wenn echte Deadline oder Wertabfall existiert. Wenn Item in 3 Monaten gleichen Wert hat, TC ist niedrig. Verteidigen oder runtersetzen.

Falle

Job Size mit anderen Faktoren vermischt

Symptom

Job Size enthält Risiko oder Komplexität (statt nur Aufwand), Doppelzählung mit RR/OE.

Was tun

Job Size = reiner Aufwand (Personenwochen oder relative Komplexität). Risiko gehört in RR/OE oder als separate Spalte.

Falle

Score als Diktat

Symptom

Team folgt Score strikt, ignoriert Abhängigkeiten oder strategische Themen.

Was tun

Nach Score-Berechnung Sanity-Check mit Abhängigkeiten und Strategie. Manuelle Korrektur dokumentieren, nicht ignorieren.

Falle

Items zu groß

Symptom

Job Size 20+ taucht häufig auf, Items sind Epics statt schneidbarer Features.

Was tun

Items mit Job Size 20+ splitten. WSJF funktioniert für Features bis Mittel-Epic, nicht für Mega-Initiativen. Sonst dominieren Mega-Items das Ranking.

08

Abbruchkriterien

Done-Signale, in unter einer Minute prüfbar

Items in extrem unterschiedlicher Größenordnung, relative Schätzung nicht möglich.
Keine Stakeholder mit Business-Sicht verfügbar, Business Value wäre geraten.
Item-Beschreibungen zu vage, Schätzung ohne Inhalt nicht aussagekräftig.
Team kennt CoD-Konzept nicht, Workshop wird Zahlenproduktion statt Sequenzierung.
Sehr kleines Backlog (<5 Items), simpler Vergleich reicht ohne WSJF-Aufwand.
Politisches Umfeld erzwingt vorbestimmte Reihenfolge, Methode wird Legitimations-Theater.

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