Es besteht ein Grundvertrauen in der Gruppe, sodass absichtlich schlechte Ideen offen geteilt werden, ohne als Inkompetenz interpretiert zu werden.
Worst Possible Idea
Vorbedingung
Was vorher fertig sein muss
Vorbereitung
Was vor Start vorliegen muss
Whiteboard oder Miro-Board mit zwei Spalten (Schlechte Ideen, Reframed Ideas); Haftnotizen; Timer; klare Challenge oben.
Ein Facilitator, der Spielregeln durchsetzt und das Reframing leitet; drei bis zwölf Teilnehmer mit unterschiedlichen Perspektiven; ein Scribe für Reframed-Spalte und Shortlist.
Originalchallenge als ein Satz; Anlass (Warmup, festgefahrenes Team, frühe Ideation); bekannte Tabus, die als schlechte Ideen NICHT erlaubt sind (z. B. diskriminierende Witze).
20-45 min
Challenge oben anschreiben. Zwei Spalten vorbereiten. Regel ansagen: Phase 2 dient nur dem Sammeln schlechter Ideen, keine Bewertung. Tabu-Liste kurz nennen.
Kernfrage
Die eine Frage, die diese Methode beantwortet
Welche absichtlich schlechten Ideen zur Challenge offenbaren Prinzipien, die umgedreht zu nutzbaren Lösungen führen?
Ablauf
Marker: Phase
| Schritt | Dauer | Aktion | Hinweis |
|---|---|---|---|
1Phase 1: Challenge und Spielregeln | 5 min | Challenge laut lesen, Tabu-Liste klären. Facilitator nennt zwei eigene Beispiel-schlechte-Ideen, um Norm zu setzen. Energie hochfahren, Sitzhaltung lockern. | Wenn die Gruppe nach den Beispielen nicht lacht oder reagiert, Methode wahrscheinlich falsch gewählt. Lieber abbrechen als brav durchziehen. |
2Phase 2: Schlechte Ideen sammeln | 10-15 min | Reihum oder parallel mindestens drei schlechte Ideen pro Person sammeln. Je absurder, desto besser. Keine Diskussion, kein Filter. Alle auf Haftnotizen in linke Spalte. | Wenn Ideen brav bleiben („eine schlechte Variante einer guten Idee“), Facilitator pusht: „noch schlimmer, noch peinlicher“. Echte Worst Ideas sind unbequem. |
3Phase 3: Prinzipien extrahieren | 10-15 min | Pro schlechter Idee fragen: warum ist sie schlecht? Welches Prinzip verletzt sie (z. B. Datenschutz, Aufmerksamkeit, Vertrauen)? Prinzipien neben der schlechten Idee notieren. | Prinzipien sind der eigentliche Schatz. Eine schlechte Idee ohne identifizierbares Prinzip ist nur Comedy, kann verworfen werden. |
4Phase 4: Reframing und Shortlist | 10-15 min | Prinzipien umdrehen oder konstruktiv nutzen. Pro Prinzip eine konkrete positive Idee in die rechte Spalte. Mit Dot-Voting (2 Dots pro Person) Shortlist von 3-5 Ideen wählen. | Reframing ist nicht „das Gegenteil“, sondern das positive Anwenden des Prinzips. Beispiel: schlechte Idee „User auf 30 Sekunden Werbung zwingen“ → Prinzip Aufmerksamkeit → Reframing „mit 5-Sekunden-Mehrwertinhalt vor jeder Aktion belohnen“. |
Artefakt
Was am Ende rauskommt
Zweispaltiges Dokument mit Challenge, Liste schlechter Ideen plus identifizierten Prinzipien und abgeleiteten Reframed Ideas; Shortlist separat mit Owner und nächstem Schritt pro Idee.
- Miro oder FigJam mit Zwei-Spalten-Frame
- Whiteboard mit Foto-Export
- Notion-Tabelle mit Spalten Idee / Prinzip / Reframe
- Google Doc mit drei Spalten
Pro Session eigener Eintrag mit Datum und Challenge. Bei mehreren Sessions zur selben Challenge frühere Prinzipien zitieren, um Wiederholung zu vermeiden.
Worst Possible Idea Arbeitsvorlage
Kompakte Arbeitsvorlage für Worst Possible Idea mit Kontext, Input, Ergebnisartefakten und nächstem Schritt.
# Worst Possible Idea Arbeitsvorlage
## Ziel
Nutzt absichtlich schlechte Ideen, um Druck zu senken und neue Denkpfade zu öffnen.
## Kontext
Wann und wofür nutzen wir diese Methode?
## Input
Welche Daten, Beobachtungen, Entscheidungen oder Materialien liegen vor?
## Durchführung
Kurze Notizen entlang des Run Sheets.
## Ergebnisartefakte
- Bad Idea List:
- Reframed Concepts:
- Idea Shortlist:
## Annahmen und offene Fragen
- ...
## Entscheidung / Nächster Schritt
Owner, Datum und Erfolgssignal.Beispielausgabe
Konkret gefülltes Szenario
## Worst Possible Idea — Newsletter für Solo-Steuerberater (18.05.2026)
**Challenge**: Wie machen wir den Newsletter für Solo-Steuerberater wie Sabine relevant genug, damit er gelesen wird?
**Auszug schlechte Ideen → Prinzipien → Reframes**:
- „Newsletter mit 12 generischen Tipps von Praktikanten geschrieben“ → Prinzip: Generizität tötet Relevanz → Reframe: pro Ausgabe ein konkreter Mandantenfall einer realen Steuerberaterin.
- „Pflichtanrede mit vollem Titel Diplom-Finanzwirt“ → Prinzip: künstliche Distanz → Reframe: per Du, mit Vornamen.
- „PDF-Anhang mit 40 Seiten Anlagen“ → Prinzip: Aufwand für den Leser → Reframe: max 200 Wörter, ein Link zur Vertiefung.
**Shortlist (Dot-Voting, 6 Teilnehmer, 2 Dots)**:
1. Mandantenfall pro Ausgabe (8 Dots) — Owner: @anna, erste Ausgabe bis 30.05.
2. 200-Wörter-Format (5 Dots) — Owner: @ben, Template-Bau bis 25.05.
3. Personalisierte Anrede (3 Dots) — Owner: @lisa, Datenfeld in CRM bis 27.05.Stolperfallen
Symptome erkennen, gegensteuern
Brave Ideen statt echter Worst Ideas
Teilnehmer schreiben „mittelmäßige“ statt absurd schlechte Vorschläge, niemand lacht.
Facilitator setzt mit eigenen absurden Beispielen die Messlatte. Bei fortgesetzter Bravheit Methode abbrechen oder mit warmuper Übung kombinieren.
Tabu-Verletzungen
Ideen rutschen in diskriminierende oder verletzende Witze.
Sofort unterbrechen, Tabu-Liste wiederholen, betroffene Notizen entfernen. Wenn Muster anhält, Workshop beenden.
Phase 3 wird übersprungen
Gruppe geht direkt von schlechten Ideen zu Reframes, ohne Prinzipien zu benennen.
Phase 3 erzwingen. Ohne Prinzip kein Reframe. Sonst entstehen austauschbare „Gegenteile“ ohne Hebel.
Comedy ohne Output
Sitzung war lustig, aber am Ende keine umsetzbare Idee dokumentiert.
Phase 4 strikt durchziehen. Shortlist mit Owner und Datum am Whiteboard. Workshop endet nicht, bevor mindestens drei Reframes notiert sind.
Falscher Kontext
Methode wird in formaler Entscheidungsrunde oder Krise eingesetzt, Stimmung kippt.
Methode ist Warmup oder Unblocker, nicht Entscheidungstool. In ernster Lage besser Pre-Mortem oder Decision Matrix wählen.
Abbruchkriterien
Done-Signale, in unter einer Minute prüfbar
Run Sheet durchgearbeitet?
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