Eine klar formulierte Strategiefrage oder Geschäftsentscheidung mit Zeithorizont 6-24 Monate liegt schriftlich vor.
Wardley Mapping
Vorbedingung
Was vorher fertig sein muss
Die Anchor-Bedürfnisse der relevanten Anwendergruppen sind dokumentiert und priorisiert.
Vorbereitung
Was vor Start vorliegen muss
Whiteboard oder Miro mit Wardley-Map-Template (X-Achse Evolution: Genesis, Custom-Built, Product, Commodity; Y-Achse Value Chain Visibility); Stickies; Verbindungslinien; Beispiel-Maps zur Referenz.
Ein Facilitator mit Wardley-Erfahrung; zwei bis fünf Personen mit Domain-Wissen (Product, Engineering, Business); ein Strategie-Owner mit Entscheidungsmandat; optional externer Sparringspartner für Bias-Check.
Strategiefrage; bekannte Anchor-Anwender und deren Bedürfnisse; Komponenten-Inventar (Make/Buy/Use); Marktanalyse zu Reifegrad der Komponenten; Vorerfahrungen mit Wardley.
3-4 h für erste Map, danach 1-2 h pro Iteration
Y-Achse nach oben „sichtbar für Anwender“, nach unten „unsichtbar für Anwender“. X-Achse Evolution. Anker oben rechts platzieren. Notation einheitlich (Linie für Abhängigkeit, Pfeil für Bewegung).
Kernfrage
Die eine Frage, die diese Methode beantwortet
Welche Komponenten der Value Chain wandern in den nächsten 12-18 Monaten Richtung Commodity und welche strategischen Züge folgen daraus?
Ablauf
Marker: Phase
| Schritt | Dauer | Aktion | Hinweis |
|---|---|---|---|
1Phase 1: Anchor und Anwender | 20-30 min | Anwendergruppen identifizieren und deren Top-Bedürfnisse als Anchor oben rechts in die Map. Mehrere Anker erlaubt, aber pro Anker eine eigene Kette. | Anchor sind Anwender-Bedürfnisse, nicht Produktnamen. Wer „Plattform X“ als Anchor setzt, hat die Methode missverstanden. |
2Phase 2: Value Chain | 45-60 min | Vom Anchor abwärts die Komponenten ableiten, die das Bedürfnis erfüllen. Jede Komponente eine Karte, vertikal nach Sichtbarkeit positioniert. | Komponenten sind Capabilities oder Bausteine, nicht Teams. Wenn die Liste auf Org-Charts mappt, ist sie zu organisationsnah. |
3Phase 3: Evolution einordnen | 60-90 min | Pro Komponente Evolutionsstufe schätzen: Genesis (neu, ungewiss), Custom-Built (handgefertigt), Product (rented), Commodity (Utility). Belege aus Markt einfordern. | Evolution ist nicht „wo wir sind“, sondern „wo der Markt ist“. Eigene Custom-Lösung für ein Commodity-Bedürfnis korrekt einordnen, sonst entstehen falsche Schlüsse. |
4Phase 4: Bewegung und Klima | 30-45 min | Pro Komponente Bewegungspfeile nach rechts, basierend auf Marktreife und Klimasignalen. Klimamuster benennen (Commoditization, Co-Evolution, etc.). | Bewegung ohne Beleg ist Vermutung. Pro Pfeil ein Indikator (neuer Anbieter, sinkende Preise, Open-Source-Alternative). |
5Phase 5: Strategische Züge | 30-45 min | Pro Bewegung Optionen ableiten: Build, Buy, Outsource, Pioneer, Settle, Town Plan. Pro Option Risiko und Owner. Eine bis drei Züge für die nächsten 6 Monate beschließen. | Wer am Ende keinen einzigen Zug entscheidet, hat eine schöne Map ohne Konsequenz. Decider muss vor Phase 5 anwesend sein. |
Artefakt
Was am Ende rauskommt
Wardley Map als Bild oder Miro-Board mit Anchor, Value Chain, Evolution-Positionen, Bewegungspfeilen und Klimamustern plus begleitender Bericht mit Strategie-Optionen, Decider-Entscheidungen und nächsten Spikes.
- Miro oder Mural Wardley-Template
- OnlineWardleyMaps.com (Markdown-basierte Maps)
- Excalidraw oder draw.io mit eigener Vorlage
- Whiteboard mit Foto-Export in Confluence
Map pro Strategiefrage und Datum. Bei Re-Mapping alte Version mit Tag „archived“ behalten. Strategie-Züge erhalten IDs (WM-01, WM-02), die in OKRs oder Roadmap referenziert werden.
Wardley Mapping Arbeitsvorlage
Kompakte Arbeitsvorlage für Wardley Mapping mit Kontext, Input, Ergebnisartefakten und nächstem Schritt.
# Wardley Mapping Canvas
## Kontext
Wofür wird die Methode eingesetzt?
## Kernfrage
Welche Frage soll am Ende beantwortet sein?
## Input
Welche Daten, Beobachtungen oder Materialien liegen vor?
## Arbeitsfläche
- Bereich 1:
- Bereich 2:
- Bereich 3:
- Beziehungen / Muster:
## Ergebnisartefakte
- Wardley Map:
- Strategic Options:
- Evolution Notes:
## Offene Fragen
- ...
## Nächster Schritt
Owner, Datum, Erfolgssignal.Beispielausgabe
Konkret gefülltes Szenario
## Wardley Map — Make/Buy für AI-Vector-Search, Mai 2026
**Strategiefrage**: Sollen wir eigene Vector-DB betreiben oder Managed Service nutzen, Horizont 18 Monate?
**Anchor (Anwender)**: Enterprise-Kunden, brauchen semantische Suche über interne Dokumente mit SLA 99,9% und EU-Hosting.
**Value Chain (top -> bottom)**: Semantische Suche -> Embedding-Service -> Vector-DB -> Compute -> Strom.
**Evolution**:
- Semantische Suche: Custom-Built/Product-Übergang.
- Embedding-Service: Product (OpenAI, Cohere, Mistral als Anbieter).
- Vector-DB: Custom-Built -> Product (Pinecone, Weaviate, Qdrant Cloud).
- Compute: Commodity.
**Bewegung**: Vector-DB wandert Richtung Product, drei Anbieter mit Preisrückgang 40% in 12 Monaten. Embedding-Service wird Commodity (mehrere Open-Source-Modelle in Reichweite).
**Züge (entschieden 18.05.)**:
- WM-01 Vector-DB von Self-Hosted Weaviate auf Qdrant Cloud (EU) migrieren. Owner @ben, bis 30.09.
- WM-02 Embedding-Service mit Abstraction Layer kapseln, Wechsel zwischen Anbietern in 1 Sprint möglich. Owner @anna, bis 31.07.
- WM-03 Eigene Modellforschung einstellen, Budget in Domain-Anpassung umlenken. Decider: @julia (CTO).Stolperfallen
Symptome erkennen, gegensteuern
Anchor ist Produktname
Map startet mit „Plattform X“ statt mit Anwender-Bedürfnis.
Anker rewriten als Bedürfnis („Enterprise braucht semantische Suche mit EU-Hosting“). Produktname gehört in die Kette, nicht an die Spitze.
Evolution misst eigene Reife
Komponenten werden eingeordnet, wo das eigene Team sie hat, nicht wo der Markt steht.
Pro Komponente Marktbeleg fordern (Anbieterzahl, Preisentwicklung, Open-Source-Reife). Eigene Custom-Lösung kann auf Commodity-Position liegen.
Map ohne Bewegung
Statische Karte zeigt Ist-Zustand, keine Pfeile, keine Klimaaussage.
Methode lebt von Bewegung. Mindestens drei Pfeile mit Beleg. Ohne Bewegung ist die Map ein Inventar, keine Strategie.
Keine Entscheidung
Workshop endet mit Map, ohne dass ein Zug verbindlich beschlossen wird.
Decider zwingend in Phase 5. Mindestens eine Entscheidung pro Map mit Owner und Termin. Ohne Entscheidung war es Workshop-Theater.
Detailgrad zu fein
Map enthält 80+ Komponenten, niemand findet sich zurecht.
Pro Anker maximal 12 Komponenten. Wenn mehr nötig, Sub-Maps pro Bereich. Strategische Map ist nicht Architektur-Diagramm.
Confirmation Bias
Map bestätigt eine bereits gefällte Entscheidung, keine Gegenoptionen werden geprüft.
Externer Sparringspartner oder Red Team in Phase 4-5. Pro Zug mindestens eine Gegenoption explizit mit Begründung verwerfen.
Abbruchkriterien
Done-Signale, in unter einer Minute prüfbar
Run Sheet durchgearbeitet?
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