Ein CLD mit identifizierten Feedback Loops und Schluesselvariablen liegt vor.
Stock and Flow Diagram
Vorbedingung
Was vorher fertig sein muss
Mindestens Zeitreihen-Daten fuer die zentrale Stock-Variable (idealerweise 6-24 Monate) liegen vor.
Vorbereitung
Was vor Start vorliegen muss
Whiteboard oder digitales Modellierungstool (Stella, Vensim, Insight Maker); Notation: Stocks als Kaesten, Flows als Rohre mit Ventil, Wolken als Source/Sink; Daten-Snapshots; Variablenliste mit Einheiten.
Ein System-Dynamics-erfahrener Modellierer; Domainexperte mit Datenkenntnis; Stakeholder mit Entscheidungsmandat; ein Reviewer fuer Plausibilitaet.
Reference-Mode-Daten; CLD-Modell; bekannte Constraints (Kapazitaeten, Budgets, Vertraege); historische Interventionen und deren Wirkung; Hypothesen ueber Verzoegerungen.
1-2 Tage initial, danach Verfeinerung
Modellierungstool installieren oder Whiteboard mit klarer Notation. Einheiten pro Variable festlegen (Stueck, Stunden, EUR). Regel: Stocks sind Zustaende, Flows sind Raten. Kein Pfeil ohne Einheit pro Zeit.
Kernfrage
Die eine Frage, die diese Methode beantwortet
Wie veraendert sich der zentrale Stock ueber Zeit, welche Flows und Rueckkopplungen treiben das Verhalten, und welche Intervention veraendert die Dynamik strukturell?
Ablauf
Marker: Phase
| Schritt | Dauer | Aktion | Hinweis |
|---|---|---|---|
1Phase 1: Stocks identifizieren | 45 min | Aus CLD die Variablen herausnehmen, die Akkumulationen sind (Bestaende, Saldo, Population). Pro Stock Einheit und aktuelle Baseline festlegen. | Stocks und Flows verwechseln ist haeufigster Fehler. Faustregel: bei einem Stop der Welt veraendert sich ein Stock weiter (haengt von Vergangenheit ab), Flows sind sofort null. |
2Phase 2: Flows zuordnen | 60 min | Pro Stock Inflows und Outflows definieren. Pro Flow Einheit pro Zeit (z. B. Anmeldungen/Woche). Source oder Sink als Wolke kennzeichnen, wenn Flow extern. | Wenn ein Flow keine Einheit pro Zeit hat, ist er kein Flow. Massenbilanz pruefen: was hineingeht, muss irgendwo bleiben oder herausgehen. |
3Phase 3: Auxiliaries und Beziehungen | 60 min | Hilfsvariablen (Auxiliaries) hinzufuegen, die Flows beeinflussen (Conversion-Rate, Kapazitaet, Verzoegerung). Beziehungen mathematisch formulieren (Flow = Stock * Rate). | Auxiliaries machen Modelle realistisch. Wenn Flows direkt von Stocks abhaengen, fehlt Mechanismus. Zwischenschritt explizit machen. |
4Phase 4: Kalibrierung mit Daten | 2-4 h | Modell mit Reference-Mode-Daten fuettern. Parameterwerte so anpassen, dass Simulation historische Daten reproduziert (mit akzeptabler Abweichung). Sensitivity Analysis fuer kritische Parameter. | Wenn das Modell die Vergangenheit nicht erklaert, ist es fuer die Zukunft unbrauchbar. Erst kalibrieren, dann prognostizieren. |
5Phase 5: Szenarien und Interventionen | 60-120 min | Mehrere Szenarien simulieren: Baseline, Intervention A, Intervention B. Stock-Trajektorien vergleichen. Effekt nach 3, 6, 12 Monaten dokumentieren. | Verzoegerungen sichtbar machen. Manche Interventionen zeigen erst nach Monaten Wirkung, das ist Lernpunkt, nicht Modellfehler. |
Artefakt
Was am Ende rauskommt
Stock-Flow-Diagramm mit Variablen, Einheiten, Beziehungen plus Simulationsergebnisse fuer Baseline und Interventions-Szenarien als Plots ueber Zeit. Ergaenzt um Annahmen-Doku, Sensitivity-Analyse und Empfehlungen.
- Vensim oder Stella Architect (kommerziell)
- Insight Maker (browserbasiert, Open Source)
- Sysdea (web-basierter Modeller)
- Python mit PySD-Bibliothek fuer skriptbasierte Modelle
- AnyLogic fuer komplexere Hybrid-Simulationen
Modell als Datei im Git versionieren (XMILE-Format oder Tool-spezifisch). Pro Iteration eigene Version, Aenderungen an Parametern oder Struktur mit Begruendung dokumentieren. Reference-Mode-Daten und Simulationsergebnisse separat archivieren.
Stock and Flow Diagram Arbeitsvorlage
Kompakte Arbeitsvorlage für Stock and Flow Diagram mit Kontext, Input, Ergebnisartefakten und nächstem Schritt.
# Stock and Flow Diagram Canvas
## Kontext
Wofür wird die Methode eingesetzt?
## Kernfrage
Welche Frage soll am Ende beantwortet sein?
## Input
Welche Daten, Beobachtungen oder Materialien liegen vor?
## Arbeitsfläche
- Bereich 1:
- Bereich 2:
- Bereich 3:
- Beziehungen / Muster:
## Ergebnisartefakte
- Stock and Flow Model:
- Dynamics Notes:
- Simulation Hypotheses:
## Offene Fragen
- ...
## Nächster Schritt
Owner, Datum, Erfolgssignal.Beispielausgabe
Konkret gefülltes Szenario
## Stock-and-Flow-Diagramm - Mandantenbestand Steuerkanzlei Bertram
**Zentraler Stock**: aktive Mandanten (Anzahl, aktuell 142).
**Flows**
- Neumandate (Mandate/Monat, aktuell 3.2).
- Kuendigungen (Mandate/Monat, aktuell 1.8).
- Stilllegung (z. B. Insolvenz, 0.4/Monat).
**Auxiliaries**
- Empfehlungsrate (Empfehlung/aktiver Mandant/Jahr, aktuell 0.18).
- Konversionsrate (Empfehlung -> Mandat, 35%).
- Auslastung (Mandate/Personenstunde, aktuell 0.92 bei Kapazitaet 1.0).
- Servicequalitaet (1-10, abhaengig von Auslastung, derzeit 7.2).
- Kuendigungsrate (=Funktion(Servicequalitaet), aktuell 12% p.a.).
**Beziehungen**
- Neumandate = Mandantenbestand * Empfehlungsrate * Konversionsrate.
- Servicequalitaet sinkt nichtlinear bei Auslastung >90%.
- Kuendigungsrate steigt, wenn Servicequalitaet <7.
**Reference Mode**: Mandantenbestand stagniert bei ca. 140-145 seit 18 Monaten trotz steigender Empfehlungen.
**Szenarien (12-Monats-Simulation)**
- Baseline: Bestand bei 144, Trend leicht abwaerts.
- Intervention A (Halbtagskraft, Kapazitaet +0.4): Bestand auf 167 in 12 Monaten, Auslastung sinkt, Servicequalitaet steigt auf 8.4.
- Intervention B (Empfehlungsprogramm verdoppelt Empfehlungsrate): Bestand auf 152, aber Servicequalitaet sinkt auf 6.1, Kuendigungsrate steigt, Effekt verpufft in Monat 14.
**Empfehlung**: Intervention A. Capacity-Aufbau ist Pflichtschritt vor Wachstumsimpulsen.Stolperfallen
Symptome erkennen, gegensteuern
Stocks und Flows verwechselt
„Anmeldungen“ wird als Stock modelliert, obwohl es ein Flow ist.
Test: bei Pausenknopf der Welt aendert sich ein Stock weiter (vom Vorzustand), Flow ist null. Anmeldungen pro Woche ist Flow, kumulierte Nutzer ist Stock.
Einheiten fehlen oder inkonsistent
Modellgleichungen passen rechnerisch nicht, Wert wirkt absurd.
Dimensional Check vor jeder Simulation. Tools wie Vensim erzwingen Einheiten-Konsistenz. Manuell: links und rechts der Gleichung dieselbe Einheit.
Modell nicht kalibriert
Simulation widerspricht historischen Daten, Empfehlungen werden nicht ernst genommen.
Kalibrierung Pflichtschritt. Wenn Daten fehlen, Modell als rein qualitativ kennzeichnen und Quantifizierung als Followup planen.
Verzoegerungen ignoriert
Modell zeigt sofortige Wirkung von Interventionen, reale Daten zeigen Verzoegerung von Monaten.
Verzoegerungs-Bausteine einsetzen (Material Delay, Information Delay). Reference Mode oft Hinweis auf vorhandene Verzoegerung.
Sensitivity-Analyse ausgelassen
Eine Simulation wird als Wahrheit verkauft, Robustheit der Empfehlung unklar.
Schluesselparameter um +-20% variieren. Wenn Empfehlung kippt, ist sie nicht robust. Pro Empfehlung Sensitivity-Notiz.
Abbruchkriterien
Done-Signale, in unter einer Minute prüfbar
Run Sheet durchgearbeitet?
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