Mindestens drei konkrete Personas, Wettbewerber-Profile oder fiktive Rollen sind als Karten mit Name, Kontext und Zielen vorbereitet.
Rolestorming
Vorbedingung
Was vorher fertig sein muss
Eine als How-Might-We formulierte Challenge liegt schriftlich vor, an der sich die Rolle abarbeiten kann.
Vorbereitung
Was vor Start vorliegen muss
Rollenkarten mit Name, Kontext, Zielen, Pet Peeves (eine Karte pro Rolle); Stickies; Timer; Whiteboard oder Board mit Bahnen pro Rolle und gemeinsamer Konsolidierungsfläche.
Ein Facilitator, der Rollenwechsel orchestriert; drei bis zwölf Teilnehmende, die in Rollen schlüpfen; ein Scribe pro Rolle (optional) oder Selbstdoku auf Stickies.
Challenge als HMW-Satz; Rollenliste (z. B. Großmutter, Wettbewerber-CEO, 12-jähriges Kind, Branchenfremder); kurze Briefings pro Rolle; Beispiel-Idee als Warmup.
30-60 min
Rollenkarten verteilen (eine pro Person oder pro Kleingruppe). Bahnen am Board pro Rolle. Regel: aus der Rolle sprechen, nicht über die Rolle. Übertreibung erlaubt.
Kernfrage
Die eine Frage, die diese Methode beantwortet
Welche Lösungsideen entstehen für die Challenge, wenn das Team aus klar definierten fremden Rollen heraus denkt?
Ablauf
Marker: Phase
| Schritt | Dauer | Aktion | Hinweis |
|---|---|---|---|
1Phase 1: Warmup und Rollen-Briefing | 10 min | Challenge vorlesen. Rollenkarten austeilen. Jede Person liest ihre Rolle vor und nennt drei Eigenheiten der Figur. Kurze Beispielrunde mit einer Test-Frage. | Wenn jemand bei der Beispielrunde aus der eigenen Perspektive antwortet, kurz nachsteuern. Rolle ist nicht Verkleidung, sondern Denkrahmen. |
2Phase 2: Solo-Ideation in Rolle | 10-15 min | Stille Phase: jede Person generiert in ihrer Rolle so viele Ideen wie möglich auf Stickies. Eine Idee pro Sticky. Mindestens 8 Ideen pro Rolle als Zielgröße. | Telefone weg. Wer in der Rolle stecken bleibt, soll konkrete Eigenheiten der Figur nutzen (z. B. „Was würde meine Großmutter daran nervig finden?“). |
3Phase 3: Rollen-Showcase | 15-20 min | Pro Rolle 2-3 min Pitch der besten Ideen, weiterhin in Rolle gesprochen. Andere notieren Anschluss-Ideen. Cross-Pollination: Ideen aus anderen Rollen aufgreifen. | Wenn eine Rolle nur Klischees liefert, Facilitator stellt Rückfrage aus Rollenkontext: „Was nervt diese Person konkret an der heutigen Lösung?“ Konkretheit erzwingen. |
4Phase 4: Rückübersetzung und Clustering | 10-15 min | Rolle ablegen. Ideen in eigene Perspektive übersetzen: welche davon ist im Kontext umsetzbar oder zumindest prüfbar? Cluster bilden, Shortlist von 3-5 Ideen. | Ohne Rückübersetzung bleibt die Übung Spielerei. Jede Idee braucht eine Notiz, wie sie konkret für die echte Zielgruppe aussehen würde. |
Artefakt
Was am Ende rauskommt
Board-Export oder Markdown-Notiz mit Challenge, Rollenliste, gesammelten Ideen pro Rolle, Shortlist nach Rückübersetzung mit Konkretisierungsnotiz und Folgeaktion pro Top-Idee.
- Miro oder FigJam mit Bahnen pro Rolle
- Whiteboard mit Foto-Export
- Notion-Seite mit Sektion pro Rolle und Shortlist
- Mural mit Rolestorming-Template
Datum, Challenge und Teilnehmer im Header. Shortlist als eigenes Dokument oder Tickets ableiten. Folge-Sessions referenzieren die Rolle, aus der eine umgesetzte Idee stammt, damit der Hebel transparent bleibt.
Rolestorming Arbeitsvorlage
Kompakte Arbeitsvorlage für Rolestorming mit Kontext, Input, Ergebnisartefakten und nächstem Schritt.
# Rolestorming Arbeitsvorlage
## Ziel
Brainstorming aus fremden Rollen oder Personas heraus, um eigene Denkmuster zu durchbrechen.
## Kontext
Wann und wofür nutzen wir diese Methode?
## Input
Welche Daten, Beobachtungen, Entscheidungen oder Materialien liegen vor?
## Durchführung
Kurze Notizen entlang des Run Sheets.
## Ergebnisartefakte
- Rollenkarten:
- Ideenpool pro Rolle:
- Konsolidierte Shortlist:
## Annahmen und offene Fragen
- ...
## Entscheidung / Nächster Schritt
Owner, Datum und Erfolgssignal.Beispielausgabe
Konkret gefülltes Szenario
## Rolestorming — Wie könnten wir Erstinstaller in Woche 1 zum ersten Aha-Moment führen? (18.05.2026)
**Rollen**: Sabine (Solo-Steuerberaterin, 52, ungeduldig), Marcus (Konkurrenz-CEO), Ben (12 Jahre, TikTok-native), Anonymer Designer von Duolingo.
### Sabine
- Tutorial in 30 s mit Mandantenbeispiel statt Demodaten.
- Skip-Button immer sichtbar.
- WhatsApp-Support-Bubble nach Schritt 2.
### Ben
- Streak-Anzeige ab Tag 1.
- Vibration als Reward.
- Mini-Quiz statt Slideshow.
### Rückübersetzung — Shortlist
1. Aufgaben-Template mit echtem Branchenkontext beim ersten Start (aus Sabine). Owner @lisa, Validierung per Fake-Door bis 30.05.
2. Schritt-Quiz statt linearer Slideshow (aus Ben, Duolingo). Owner @ben.
3. Inline-Support-Hinweis nach Schritt 2 (aus Sabine). Owner @anna.Stolperfallen
Symptome erkennen, gegensteuern
Rolle wird Klischee
Ideen aus „Großmutter“-Rolle sind nur „groß, langsam, einfach“ statt konkreter Bedürfnisse.
Rollenkarten mit echten Eigenheiten füllen (Hobbies, Pet Peeves, Ziele). Facilitator stellt Rückfragen aus Rollenkontext, statt Klischee zuzulassen.
Nicht in Rolle bleiben
Teilnehmende rutschen zurück in eigene Sicht: „Aber realistisch würde das nicht klappen.“
Facilitator unterbricht und holt zurück in Rolle: „Was würde Sabine dazu sagen?“. Realitätsprüfung kommt erst in Phase 4.
Fehlende Rückübersetzung
Workshop endet mit witzigen Ideen aus Rolle, keine wird in echtes Konzept überführt.
Phase 4 strikt einhalten, mindestens 10 min reserviert. Jede Shortlist-Idee braucht Notiz, wie sie für reale Zielgruppe aussehen würde.
Zu wenig Diversität in Rollen
Alle Rollen ähneln der eigenen Zielgruppe (z. B. nur drei Personas aus demselben Segment).
Mindestens eine branchenfremde, eine kindliche und eine adversariale Rolle einplanen (z. B. Wettbewerber, Regulator). Distanz erzeugt neue Assoziationen.
Statusdynamik bricht durch
Senior-Teilnehmende geben Rollenarbeit nicht ernst und kommentieren ironisch.
Vor Start Norm setzen: Rolle ernst nehmen ist Voraussetzung. Wenn Senior weiter blockiert, kurzes 1:1 oder Rolle wechseln. Sonst kippt die Gruppe.
Abbruchkriterien
Done-Signale, in unter einer Minute prüfbar
Run Sheet durchgearbeitet?
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