methodatlas
Run SheetProduct DiscoveryCustomer Discovery

Problem Interview

KomplexitätMedium
Zeit30-60 min je Interview
Teilnehmende5-12 Interviews
FormatBoth
MaturityEstablished
01

Vorbedingung

Was vorher fertig sein muss

Vorher abschließenAssumption Surfacing

Die wichtigsten Problemannahmen sind dokumentiert und priorisiert, damit Interviews gezielte Belege liefern.

Ohne: Ohne klare Annahmen wird das Interview Smalltalk und produziert beliebige Aussagen.
02

Vorbereitung

Was vor Start vorliegen muss

Materialien

Interview-Leitfaden mit 5-7 offenen Fragen rund um die Problemhypothese; Aufnahme-Tool mit Einwilligung; Notizen-Template mit Spalten Situation, Frequenz, Schmerz, Workaround; Rekrutierungsplan.

Personen / Rollen

Interviewer mit Discovery-Praxis; Note-Taker oder Transkript-Tool; Recruiter; ein Synthese-Team von zwei bis vier Personen nach den Interviews.

Vorabinfos

Problemhypothese als ein Satz; Zielsegment mit konkreter Persona; Ausschlusskriterien; Anreiz; rechtliche Einwilligung.

Zeitbedarf

30-60 min je Interview, plus 20 min Synthese pro Interview

Setup

Aufnahme mit Einwilligung. Leitfaden offen halten, keine geschlossenen Fragen. Notizen-Template kopieren. Vor dem Gespräch Vor-Annahmen aufschreiben, um sie zu hinterfragen.

03

Kernfrage

Die eine Frage, die diese Methode beantwortet

Ist das vermutete Problem für die Zielperson real, häufig und schmerzhaft genug, um Lösungsinvest zu rechtfertigen?

04

Ablauf

Marker: Phase

SchrittDauerAktionHinweis
1Phase 1: Aufwärmen und Kontext
5-10 minVorstellung, Zweck des Gesprächs in einem Satz („Wir erforschen, wie Menschen wie Sie X handhaben, ohne etwas zu verkaufen“). Aufnahme starten, DSGVO-Hinweis.Wenn die Person nach Lösung fragt, vertrösten („Erzähle ich gern, vorher würde ich aber gerne verstehen wie es heute läuft“).
2Phase 2: Konkrete Situation
10-15 minFrage nach letzter konkreter Situation, in der das Thema relevant war. „Erzählen Sie mir Schritt für Schritt, wie das ablief.“ Mitnotieren mit Zeitpunkten.Vergangene Situation schlägt hypothetische Antwort. „Was haben Sie da gemacht?“ ist Gold, „Was würden Sie tun?“ ist Wunschdenken.
3Phase 3: Schmerz und Häufigkeit
10-15 minTiefer fragen: Wie oft passiert das? Was hat es gekostet (Zeit, Geld, Stimmung)? Wie wichtig im Vergleich zu anderen Themen? „Erzählen Sie mehr darüber“ als Standardfollow-up.Konkrete Zahlen (Stunden, Euro, Häufigkeit pro Woche) liefern belastbare Belege. Ohne Zahlen bleibt es Eindruck.
4Phase 4: Workarounds und Alternativen
5-10 minWas tut die Person heute, um das Problem zu adressieren? Welche Tools, Tricks, Kollegen, Workarounds? Wie zufrieden damit?Existierende Workarounds zeigen das echte Investmentniveau. Wer Workaround hat, hat das Problem ernst, wer nichts tut, hat es entweder nicht oder hat resigniert.
5Phase 5: Abschluss und Notizen
5-10 minDrei wichtigste Take-aways zurückspiegeln und gegenchecken. Bedanken. Sofort Notizen ergänzen, drei Zitate mit Zeitstempel markieren, Problemhypothese-Belege in Template eintragen.Notizen-Ergänzung innerhalb 30 min. Sonst zerfasern die Detailerinnerungen und das Interview verliert die Hälfte seines Wertes.
05

Artefakt

Was am Ende rauskommt

Form

Pro Interview ein strukturiertes Notizdokument mit Persona, Situation, Frequenz, Schmerz, Workarounds und wörtlichen Zitaten plus übergreifendes Synthese-Dokument mit Problembelegen pro Hypothese, Häufigkeit pro Pattern und Risikoeinschätzung.

Tool-Alternativen
  • Dovetail oder Condens für Repository
  • Notion mit Page pro Interview
  • Airtable mit Linked Records
  • Markdown-Repo unter docs/research/problem-interviews/
Versionierung / Ownership

Pro Discovery-Welle eigener Ordner mit Datum und Hypothese. Synthese-Dokument als Living Document. Pro Hypothese Status (bestätigt, widerlegt, modifiziert) führen.

markdown

Problem Interview Arbeitsvorlage

Kompakte Arbeitsvorlage für Problem Interview mit Kontext, Input, Ergebnisartefakten und nächstem Schritt.

# Problem Interview Arbeitsvorlage

## Ziel

Validiert, ob ein vermutetes Problem real, wichtig und häufig genug ist.

## Kontext

Wann und wofür nutzen wir diese Methode?

## Input

Welche Daten, Beobachtungen, Entscheidungen oder Materialien liegen vor?

## Durchführung

Kurze Notizen entlang des Run Sheets.

## Ergebnisartefakte
- Problem Evidence:
- Risk Notes:
- Customer Segments:

## Annahmen und offene Fragen

- ...

## Entscheidung / Nächster Schritt

Owner, Datum und Erfolgssignal.
06

Beispielausgabe

Konkret gefülltes Szenario

problem-interview-beispiel.md
markdown
## Problem Interviews — Datenmigration bei Mandantenübernahme (10.05.-21.05.2026)

**Hypothese**: Solo-Steuerberater wie Sabine verlieren bei Mandantenübernahmen aus Vorgängersystemen 15-30 h pro Mandant durch manuelle Datenkorrektur.

**Interview 4 — Markus, 52 Jahre, Hamburg, 28 Mandanten** (52 min):
- Situation: Übernahme von 8 Mandanten in Q1 2026 nach Vorgänger-Renteneintritt.
- Frequenz: 2-3 Mandantenübernahmen pro Jahr, je 20-35 h Aufwand.
- Schmerz: „Ich habe drei Wochenenden geopfert. Meine Frau hat sich beschwert.“
- Workaround: Skript einer Kollegin (Excel + VBA), funktioniert in 70% der Fälle.
- Zitat: „Wenn der Vorgänger SKR03 hatte und ich SKR04, ist das eine Übersetzungssache, die niemand erklärt.“

**Synthese (7 Interviews)**:
- Pattern: 6 von 7 berichten 15+ h Aufwand pro Mandantenübernahme.
- Pattern: 5 von 7 nutzen informelle Skripte aus Foren oder Kollegenkreis.
- Pattern: Kontenrahmen-Mismatch ist Top-3-Painpoint bei 7 von 7.

**Risiko**: Markt für Toolisierung möglicherweise klein (Übernahme nur 2-3 pro Jahr und Berater), aber Schmerz hoch. Vermutlich kein Tool, sondern Service-Angebot. Spike: Marktgröße in DACH bis 30.06., Owner: @anna.
07

Stolperfallen

Symptome erkennen, gegensteuern

Falle

Hypothetische Fragen

Symptom

„Würden Sie ein Tool nutzen, das X tut?“ statt vergangene Situation.

Was tun

Reformulieren in „Wie haben Sie das letzte Mal X gehandhabt?“ oder „Erzählen Sie von dem Tag, an dem X passiert ist“.

Falle

Lösung im Interview vorstellen

Symptom

Interviewer beschreibt geplantes Produkt, Person antwortet höflich positiv.

Was tun

Lösung gar nicht erwähnen. Wenn Person fragt, kurz vertrösten und Notiz für Folgeinterview.

Falle

Schmerz nicht quantifizieren

Symptom

„Es ist schon nervig“ wird notiert, ohne Frequenz oder Aufwand.

Was tun

Konkretisieren: „Wie oft pro Woche? Wie viel Zeit jedes Mal? Was wäre stattdessen möglich?“

Falle

Confirmation Bias

Symptom

Notizen enthalten nur Belege für die Hypothese, Gegenbeispiele fehlen.

Was tun

Pro Interview mindestens ein Zitat suchen, das die Hypothese schwächt. Synthese-Team prüft kritisch.

Falle

Zu wenige Interviews

Symptom

Nach 3 Interviews wird Hypothese als bestätigt deklariert.

Was tun

Mindestens 5 Interviews pro Segment, bei stark divergierenden Antworten 8-10. Pattern stabil erst nach ausreichender Sample-Größe.

08

Abbruchkriterien

Done-Signale, in unter einer Minute prüfbar

Recruiting liefert keine Personen aus Zielsegment, Aussagen bleiben spekulativ.
Hypothese ist nicht in einem Satz formulierbar oder wechselt nach jedem Interview.
Kein Note-Taker oder Aufnahme verfügbar, Notizen werden lückenhaft.
Interview-Zeit unter 20 min, Tiefe nicht erreichbar.
Sales-Druck überlagert Discovery, Interview wird Pitch.
Keine Kapazität für Synthese, Pattern-Erkennung versandet.

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