Die kritischen Annahmen über Nutzer und ihre Probleme sind dokumentiert, sodass das Interview gezielt darauf einzahlt.
Opportunity Interview
Vorbedingung
Was vorher fertig sein muss
Vorbereitung
Was vor Start vorliegen muss
Interview-Leitfaden mit 5-8 offenen Fragen; Aufnahme-Tool (mit Zustimmung); Notizen-Template; geteiltes Recruiting-Profil; Kalender-Slots für Interviews und Synthese.
Ein Interviewer mit Discovery-Erfahrung; ein Note-Taker (oder Transkript-Tool); Recruiter, der Termine besetzt; Synthese-Team von 2-4 Personen für die Mustererkennung nach den Interviews.
Opportunity-Hypothese als ein Satz; Zielsegment mit Persona (z. B. Sabine, Solo-Steuerberaterin, 7 Mitarbeiter, urbaner Raum); Ausschlusskriterien; Anreiz oder Honorar; rechtliche Einwilligung.
30-60 min je Interview, plus 30 min Synthese pro Interview
Leitfaden offen halten, keine geschlossenen Fragen am Anfang. Aufnahme-Hinweis und DSGVO-Einwilligung am Anfang. Notizen-Template pro Interview vorab kopieren.
Kernfrage
Die eine Frage, die diese Methode beantwortet
Welche Situationen, Hindernisse und Bewältigungsstrategien zeigen, ob die Opportunity-Hypothese real und für die Zielgruppe relevant ist?
Ablauf
Marker: Phase
| Schritt | Dauer | Aktion | Hinweis |
|---|---|---|---|
1Phase 1: Vorbereitung pro Interview | 10-15 min | Leitfaden überfliegen, persönliche Vor-Annahmen explizit machen (z. B. „Ich erwarte, dass Sabine X sagt“), um sie im Interview zu hinterfragen. Aufnahme starten, DSGVO-Hinweis. | Wer ohne Vor-Annahmen ins Interview geht, hört nur Bestätigung. Wer sie aufschreibt, hört auch das Unerwartete. |
2Phase 2: Aufwärmen und Kontext | 5-10 min | Mit konkreten Situationen aus dem Alltag der Person beginnen. Frage: „Erzählen Sie mir von Ihrem letzten Arbeitstag, in dem das Thema X eine Rolle spielte.“ Keine Hypothesenfrage. | Konkrete vergangene Situationen sind belastbarer als hypothetische („Würden Sie nutzen…“). Letzteres ist Stoff für Sales, nicht für Discovery. |
3Phase 3: Pain Points und Jobs erkunden | 20-30 min | Tiefer fragen: was war frustrierend, was hat funktioniert, welche Workarounds wurden genutzt, was hat es gekostet (Zeit, Geld, Nerven). „Erzählen Sie mehr darüber“ und „Was meinen Sie damit?“ als Standardfollow-up. | Jeder „immer“, „nie“, „alle“ ist Einladung zu konkreterer Nachfrage. Was heißt „immer“ in Zahlen? Wann ist das letzte Mal passiert? |
4Phase 4: Alternativen und Bedeutung | 10-15 min | Bestehende Alternativen erfragen: was tut die Person heute, um das Problem zu lösen? Wie zufrieden? Welche Trade-offs? Was wäre, wenn das Problem nicht gelöst würde? | Alternativen offenbaren die wahre Konkurrenz. Wenn die Person sagt „ich tue gar nichts“, ist das Problem entweder klein oder die Person hat resigniert. |
5Phase 5: Abschluss und sofortige Notizen | 5-10 min | Wichtigste Take-aways im eigenen Wort wiederholen und gegenchecken. Bedanken. Sofort nach Interview Notizen ergänzen und drei wichtigste Zitate mit Zeitstempel markieren. | Notizen, die nicht innerhalb 30 min nach dem Interview ergänzt werden, verlieren die Hälfte ihrer Substanz. Synthese in der Gruppe erst nach mehreren Interviews. |
Artefakt
Was am Ende rauskommt
Pro Interview ein strukturiertes Notizen-Dokument mit Persona-Kontext, Situationen, Pain Points, Alternativen und wörtlichen Zitaten plus übergreifendes Synthese-Dokument mit Opportunity Themes, Häufigkeit pro Pattern und nächsten Schritten für Hypothesen-Tests.
- Dovetail oder Condens für Research-Repository
- Notion-Datenbank mit einer Page pro Interview
- Airtable mit Linked Records
- Markdown-Repo unter docs/research/interviews/
Pro Discovery-Welle eigener Ordner mit Datum und Hypothese. Synthese-Dokument als Living Document führen, bei jedem neuen Interview Patterns aktualisieren. Alte Hypothesen mit Status (bestätigt, widerlegt, modifiziert).
Opportunity Interview Arbeitsvorlage
Kompakte Arbeitsvorlage für Opportunity Interview mit Kontext, Input, Ergebnisartefakten und nächstem Schritt.
# Opportunity Interview Arbeitsvorlage
## Ziel
Erkundet Situationen, Bedürfnisse und Chancen, ohne früh Lösungen zu verkaufen.
## Kontext
Wann und wofür nutzen wir diese Methode?
## Input
Welche Daten, Beobachtungen, Entscheidungen oder Materialien liegen vor?
## Durchführung
Kurze Notizen entlang des Run Sheets.
## Ergebnisartefakte
- Interview Notes:
- Opportunity Themes:
- Customer Quotes:
## Annahmen und offene Fragen
- ...
## Entscheidung / Nächster Schritt
Owner, Datum und Erfolgssignal.Beispielausgabe
Konkret gefülltes Szenario
## Opportunity Interviews — Solo-Steuerberater Onboarding (12.05.-22.05.2026)
**Hypothese**: Solo-Steuerberater wie Sabine verlieren in den ersten Monaten überproportional Zeit durch wiederholte Datenmigration aus Vorgängersystemen.
**Interview 3 — Sabine, 47 Jahre, Berlin, 7 Mandanten Übernahme von Vorgänger** (45 min):
- Situation: Mandantenübernahme im März, zwei Wochen für CSV-Aufbereitung aus Excel des Vorgängers.
- Zitat: „Ich habe zwei Wochenenden mit der Kontenrahmen-Übersetzung verbracht, weil mein Vorgänger SKR03 hatte und ich auf SKR04 umgestellt habe.“
- Workaround: Excel-Makro vom Steuerberaterforum, manuelle Nacharbeit.
- Alternative: Steuerberater Hotline (250 EUR/h), Kollegen-Tipp.
- Bedeutung: 25 h Mehraufwand pro Mandanten-Übernahme.
**Synthese (5 Interviews)**:
- Pattern 1: Kontenrahmen-Übersetzung ist Top-Painpoint bei Mandantenübernahme (5 von 5).
- Pattern 2: Excel-Makros aus Foren sind Standardwerkzeug (4 von 5).
- Pattern 3: Hotline wird nur bei einzelnen schweren Fällen genutzt (2 von 5).
**Opportunity**: Automatisierte Kontenrahmen-Übersetzung mit Review-UI. Hypothese-Test: Smoke Test bis 05.06., Owner: @lisa.Stolperfallen
Symptome erkennen, gegensteuern
Geschlossene Fragen
Interview besteht aus Ja/Nein-Fragen, Antworten bleiben oberflächlich.
Leitfaden auf offene Fragen prüfen. „Wie“, „Wann zuletzt“, „Was haben Sie dann gemacht“ statt „Mögen Sie X“.
Lösung pitchen
Interviewer beschreibt die geplante Lösung und fragt, ob sie gut klingt.
Lösung nicht im Interview erwähnen. Wenn Person fragt, kurz vertrösten („Erzähle ich gerne, vorher würde ich aber gerne noch mehr verstehen“).
Hypothesenfragen statt Geschichten
Fragen wie „Würden Sie X nutzen?“ statt „Erzählen Sie von Situation Y“.
Standardumschreibung: hypothetische Frage in vergangene Situation umformulieren. „Würden Sie ein E-Rechnung-Tool nutzen?“ wird zu „Wie haben Sie das letzte E-Rechnung-Thema gehandhabt?“.
Confirmation Bias
Notizen enthalten nur Zitate, die die Hypothese stützen.
Pro Interview mindestens ein Zitat suchen, das die Hypothese schwächt. Wenn keines existiert, prüft Synthese-Team kritisch.
Zu wenige Interviews
Nach 2 Interviews wird bereits ein Pattern proklamiert.
Mindestens 5 Interviews pro Segment, bevor Pattern stabil sind. Bei stark divergierenden Antworten 8-10.
Abbruchkriterien
Done-Signale, in unter einer Minute prüfbar
Run Sheet durchgearbeitet?
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