methodatlas
Run SheetOperationsProblem Solving

Kepner-Tregoe

KomplexitätHigh
Zeit2-8 h
Teilnehmende2-8
FormatBoth
MaturityCanonical
01

Vorbedingung

Was vorher fertig sein muss

Vorher abschließenIncident Timeline Analysisnicht im Katalog

Eine chronologische Aufzeichnung des Problems mit Zeitstempeln, Symptomen und ergriffenen Maßnahmen liegt vor.

Ohne: Ohne Timeline mischt KT Vermutungen und Fakten und produziert eine Pseudo-Analyse ohne tragfähige Hypothesen.
Vorher abschließenDecision Matrix

Bei der Entscheidungsanalyse (KT-DA) liegen Entscheidungskriterien mit Gewichtung vor oder werden im Workshop erarbeitet.

Ohne: Ohne klare Kriterien rutscht die Entscheidung auf Bauchgefühl, der KT-Aufwand verpufft.
02

Vorbereitung

Was vor Start vorliegen muss

Materialien

Vorlage mit vier KT-Prozessen (Situation Appraisal, Problem Analysis, Decision Analysis, Potential Problem Analysis); Tabellen für Ist/Ist-nicht-Vergleiche und Entscheidungskriterien; Zugriff auf Logs, Metriken, Dokumentation.

Personen / Rollen

Ein Facilitator mit KT-Erfahrung, der durch die vier Prozesse führt; zwei bis acht Teilnehmer mit Domain- und Datenkenntnis; ein Scribe, der Hypothesen und Tests protokolliert.

Vorabinfos

Problemstellung, Zeitraum, beobachtete Symptome; bekannte Workarounds; verfügbare Daten und deren Quellen; Eskalationsstand und Stakeholder.

Zeitbedarf

2-8 h

Setup

Vorlage geteilt verfügbar machen. Mit Situation Appraisal beginnen und entscheiden, welcher KT-Prozess primär angewandt wird (PA, DA, PPA). Telefone aus, parallele Threads pausieren.

03

Kernfrage

Die eine Frage, die diese Methode beantwortet

Welche Ursache, Entscheidung oder Risikomaßnahme lässt sich durch disziplinierte Trennung von Fakten, Hypothesen und Entscheidungskriterien rational ableiten?

04

Ablauf

Marker: Sektion

SchrittDauerAktionHinweis
1Sektion 1: Situation Appraisal
20-30 minProbleme, Entscheidungen und potenzielle Probleme listen. Pro Eintrag Dringlichkeit, Auswirkung und Wachstumsrate bewerten. Top-Themen für die folgenden KT-Prozesse priorisieren.Wenn die Liste über 10 Einträge umfasst, in zwei Sessions splitten. KT lebt von Fokus, nicht von Volumen.
2Sektion 2: Problem Analysis (Ist/Ist-nicht)
45-90 minPro Problem Vier-Felder-Spezifikation: Was ist betroffen, was ist nicht betroffen, wo, wann, wie viel. Aus Unterschieden mögliche Ursachen ableiten und gegen jede Spezifikation testen.Die Spalte „Ist-nicht“ ist der diagnostische Hebel. Wenn sie leer bleibt, fehlt Datenkenntnis und die PA wird Spekulation.
3Sektion 3: Decision Analysis
30-60 minEntscheidungsaussage formulieren. Must-Kriterien (KO) und Want-Kriterien (gewichtet) auflisten. Optionen gegen Musts filtern, gegen Wants bewerten. Risiken pro Top-Option diskutieren.Mehr als sieben Wants verdünnen die Bewertung. Wichtigste drei bis fünf reichen. Gewichtung 1-10, nicht binär.
4Sektion 4: Potential Problem Analysis
30-60 minPro gewählter Option mögliche Probleme listen, Wahrscheinlichkeit und Auswirkung bewerten. Pro Top-Risiko Präventiv- und Kontingenzmaßnahmen festlegen, Trigger und Owner benennen.Trigger müssen messbar sein. „Wenn es Probleme gibt“ ist kein Trigger, „wenn Error Rate über 2% in 5 min“ ist einer.
5Sektion 5: Followups
15-20 minPro Ergebnis Owner, Datum und Review-Termin. Offene Tests aus PA als Spike-Aufgaben anlegen. Entscheidung und Begründung im Decision Log archivieren.Spikes mit Datum, sonst geht die diagnostische Lücke verloren und KT war nur Theaterdokumentation.
05

Artefakt

Was am Ende rauskommt

Form

Strukturiertes Dokument mit vier Sektionen (Situation, PA mit Ist/Ist-nicht-Tabelle, DA mit Must/Want-Matrix, PPA mit Risikoliste), zusammen mit Entscheidungsbegründung, Followups und Decision Log mit Datum und Decider.

Tool-Alternativen
  • Confluence-Seite mit KT-Templates
  • Google Doc mit Tabellen pro Prozess
  • Notion mit verschachtelten Datenbanken
  • Excel mit Sheets pro KT-Prozess
Versionierung / Ownership

Pro Vorfall oder Entscheidung eigener Eintrag mit Datum und Decider im Header. Spätere Erkenntnisse als Update-Sektion am Ende, nicht überschreiben. Bei revidierter Entscheidung Status auf `revised` setzen.

markdown

Kepner-Tregoe Arbeitsvorlage

Kompakte Arbeitsvorlage für Kepner-Tregoe mit Kontext, Input, Ergebnisartefakten und nächstem Schritt.

# Kepner-Tregoe Arbeitsvorlage

## Ziel

Strukturiert Situation, Problem, Entscheidung und Risikoanalyse in getrennte Denkprozesse.

## Kontext

Wann und wofür nutzen wir diese Methode?

## Input

Welche Daten, Beobachtungen, Entscheidungen oder Materialien liegen vor?

## Durchführung

Kurze Notizen entlang des Run Sheets.

## Ergebnisartefakte
- Problem Analysis:
- Decision Analysis:
- Risk Plan:

## Annahmen und offene Fragen

- ...

## Entscheidung / Nächster Schritt

Owner, Datum und Erfolgssignal.
06

Beispielausgabe

Konkret gefülltes Szenario

kepner-tregoe-beispiel.md
markdown
## KT-Analyse — Performance-Regression in Order-API (12.05.2026)

**Situation Appraisal**: Drei Themen identifiziert. Priorität 1: P95-Latenz ist seit 10.05. von 240 ms auf 1.8 s gestiegen.

**Problem Analysis**:
| | Ist | Ist-nicht |
|---|---|---|
| Was | Order-Endpoint /v2/orders | Read-Endpoints, Auth-Endpoint |
| Wo | EU-West Cluster | US-East Cluster |
| Wann | seit 10.05. 09:00 UTC | vor 10.05. |
| Wie viel | P95 1.8 s, P50 stabil bei 80 ms | — |

**Hypothese**: Änderung im EU-West-Cluster am 09.-10.05. relevant. Deploy-Log zeigt DB-Pool-Konfig-Änderung. Test bestätigt: Pool-Reduktion von 40 auf 20 verursacht Wartezeiten unter Last.

**Decision Analysis**: Pool zurück auf 40 (Must: keine API-Downtime; Want: Speicher unter 4 GB, Recovery in 5 min). Gewählt. Score 8.4/10.

**PPA**: Risiko OOM bei Pool 40 plus Spike. Trigger: Memory über 3.5 GB für 10 min. Kontingenz: Pool 30. Owner: @lisa, Monitoring-Alert bis 15.05.
07

Stolperfallen

Symptome erkennen, gegensteuern

Falle

Ist/Ist-nicht-Spalte halbleer

Symptom

Teilnehmer füllen nur die Ist-Spalte, Hypothesen bleiben breit.

Was tun

Facilitator stellt für jede Zeile beide Fragen explizit. Wer „Ist-nicht“ nicht beantworten kann, dokumentiert das als offene Wissenslücke und plant einen Spike.

Falle

Musts und Wants verschwimmen

Symptom

Liste enthält 12 Wants, davon mehrere de facto K.-o.-Kriterien.

Was tun

Musts strikt als binär (ja/nein) trennen. Wer ein „muss aber wirklich“ als Want führt, lügt sich an. Maximal drei bis fünf Wants.

Falle

Daten- statt Datentest

Symptom

Hypothesen werden diskutiert, aber nicht gegen vorhandene Logs oder Metriken getestet.

Was tun

Pro Hypothese einen konkreten Datenpunkt verlangen. Wenn nicht verfügbar, als Spike notieren, nicht als Tatsache.

Falle

PPA wird übersprungen

Symptom

Entscheidung getroffen, aber keine Risiken oder Trigger benannt.

Was tun

Sektion 4 als Pflichtschritt. Mindestens drei Risiken pro Top-Option mit messbarem Trigger.

Falle

Workshop ohne Decider

Symptom

DA endet mit Score-Liste, aber niemand trifft die Entscheidung.

Was tun

KT-DA nur ansetzen, wenn Entscheider zugesagt hat. Ersatz mit Autorität vorab benennen.

Falle

Zu viele Probleme parallel

Symptom

Situation Appraisal listet 15 Themen, alle werden angepackt, keines abgeschlossen.

Was tun

Top 3 priorisieren, Rest in zweite Session. KT erfordert Tiefe pro Thema, nicht Breite.

08

Abbruchkriterien

Done-Signale, in unter einer Minute prüfbar

Keine Daten oder Logs verfügbar, jede Ist/Ist-nicht-Zeile bleibt spekulativ.
Symptom ist nicht reproduzierbar oder einmalig, Hypothesen lassen sich nicht testen.
Kein Decider für DA verfügbar, Entscheidung versandet.
Workshop unter 90 min angesetzt, vier Sektionen nicht durchführbar.
Mehr als zehn Themen parallel, keine Priorisierung möglich.
Teilnehmer haben keinen Systemzugang oder Domänenwissen, Antworten sind Hörensagen.
Methode wird für freie Ideation eingesetzt, Lösungsraum ist offen statt analyseraum-strukturiert.

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