Eine grundlegende Wettbewerbs- und Marktanalyse liegt vor, sodass relevante Wettbewerbsfaktoren der Branche bekannt sind.
Blue Ocean Strategy Canvas
Vorbedingung
Was vorher fertig sein muss
Ein klares Verständnis der Kunden-Jobs, -Pains und -Gains liegt vor, sodass Faktoren am Kundennutzen ausgerichtet werden können.
Vorbereitung
Was vor Start vorliegen muss
Strategy-Canvas-Template als Liniendiagramm (X-Achse: Faktoren, Y-Achse: Investitionsniveau hoch/niedrig); Marktrecherche zu Top-3-Wettbewerbern; Eraser-Reduce-Raise-Create-Grid (ERRC).
Ein Moderator mit Strategieerfahrung; drei bis sechs Teilnehmende aus Strategie, Product, Marketing und idealerweise einer Person mit direktem Kundenkontakt; ein Scribe.
Branchendefinition und Käufergruppe; bekannte Wettbewerbsfaktoren der Branche (Standard-Features, Preisniveau, Service-Aspekte); aktuelle Strategie und Investitionsschwerpunkte; identifizierte Nichtkunden und deren Begründung.
3-5 h Workshop, eventuell auf zwei Sessions verteilt
X-Achse mit 8-12 Wettbewerbsfaktoren beschriften (Reihenfolge: links Standard, rechts Differenzierung). Y-Achse Skala 1-5. Drei farbliche Wertkurven vorbereiten (wir, Top-Wettbewerber A, Top-Wettbewerber B). ERRC-Grid daneben.
Kernfrage
Die eine Frage, die diese Methode beantwortet
Welche Wettbewerbsfaktoren können wir reduzieren oder eliminieren, welche steigern oder neu schaffen, um eine eigenständige Wertkurve zu erzeugen?
Ablauf
Marker: Phase
| Schritt | Dauer | Aktion | Hinweis |
|---|---|---|---|
1Phase 1: As-is Strategy Canvas | 45 min | Wettbewerbsfaktoren der Branche listen (typisch 8-12). Pro Wettbewerber und für die eigene aktuelle Position einen Wert 1-5 vergeben und als Linie verbinden. Datenquelle pro Punkt angeben. | Wenn alle Linien fast deckungsgleich verlaufen, befindet sich die Branche in roter Ozean-Konkurrenz. Genau das ist der Ausgangspunkt für Veränderung. |
2Phase 2: Nichtkunden identifizieren | 30 min | Drei Tiers von Nichtkunden definieren: bald wechselnde, bewusst ablehnende, unerreichte. Pro Tier konkrete Beispielsegmente nennen und deren Gründe für Nicht-Nutzung sammeln. | Blue Ocean entsteht meist bei Nichtkunden, nicht bei besseren Konkurrenzangeboten. Wer nur bestehende Kunden befragt, optimiert den roten Ozean. |
3Phase 3: ERRC-Grid füllen | 60 min | Pro Faktor entscheiden: Eliminate (komplett weg), Reduce (deutlich darunter), Raise (deutlich darüber), Create (neuer Faktor, keiner hat ihn). Jede Entscheidung mit erwartetem Kundeneffekt und Kostenwirkung begründen. | Wenn das Grid nur Raise- und Create-Einträge hat, steigt die Kostenstruktur ohne Differenzierung. Reduce und Eliminate sind genauso wichtig wie Raise und Create. |
4Phase 4: To-be Wertkurve | 45 min | Neue Wertkurve auf dem Canvas zeichnen, basierend auf ERRC. Drei Tests anwenden: Focus (klar erkennbarer Schwerpunkt?), Divergence (deutlich anders als Wettbewerb?), Compelling Tagline (in einem Satz formulierbar?). | Wenn die Tagline drei Halbsätze braucht, fehlt Focus. Wenn die Linie aussieht wie Wettbewerber-Kurve plus 10%, fehlt Divergence. |
5Phase 5: Konsequenzen und Kostenstruktur | 30 min | Pro ERRC-Entscheidung Auswirkung auf Kostenstruktur abschätzen (Daumenwert). Realisierungspfad in drei Schritten skizzieren. Risiken benennen, besonders bei Eliminate-Entscheidungen. | Eliminate-Entscheidungen kosten Politikkapital, weil bestehende Kunden oder interne Stakeholder verteidigen, was wegfallen soll. Risiken konkret benennen, nicht abstrakt. |
Artefakt
Was am Ende rauskommt
Strategy-Canvas-Diagramm mit As-is- und To-be-Wertkurven plus 2-3 Wettbewerber-Kurven, ERRC-Grid-Tabelle, Tagline, drei Nichtkunden-Tiers mit Beispielsegmenten und Realisierungspfad mit Kostenwirkung.
- Miro oder Mural mit Strategy-Canvas-Template
- Google Sheets mit Liniendiagramm aus Tabelle
- Strategiedokument als PDF mit eingebetteten Charts
- Notion-Seite mit eingebettetem Figma-Diagramm
Pro strategische Entscheidung Datum und Version. As-is-Snapshot archivieren, jede Aktualisierung der To-be-Kurve als neue Version. Bei Strategiewechsel alte Tagline mit Begründung des Wandels behalten.
Blue Ocean Strategy Canvas Arbeitsvorlage
Kompakte Arbeitsvorlage für Blue Ocean Strategy Canvas mit Kontext, Input, Ergebnisartefakten und nächstem Schritt.
# Blue Ocean Strategy Canvas Canvas
## Kontext
Wofür wird die Methode eingesetzt?
## Kernfrage
Welche Frage soll am Ende beantwortet sein?
## Input
Welche Daten, Beobachtungen oder Materialien liegen vor?
## Arbeitsfläche
- Bereich 1:
- Bereich 2:
- Bereich 3:
- Beziehungen / Muster:
## Ergebnisartefakte
- Strategy Canvas:
- Value Curve:
- ERRC Actions:
## Offene Fragen
- ...
## Nächster Schritt
Owner, Datum, Erfolgssignal.Beispielausgabe
Konkret gefülltes Szenario
## Strategy Canvas: Online-Fitness-Plattform DACH (Stand 11.05.2026)
**Wettbewerbsfaktoren (X-Achse)**: Preis, Trainerauswahl, Kursvielfalt, Live-Sessions, Geräteausstattung, Community, App-UX, Personal Coaching.
**As-is Kurven**:
- Peloton: hoch bei Geräte, Trainer, Live; mittel bei Preis (teuer).
- Freeletics: niedrig bei Geräte und Live; hoch bei App-UX und Preis (günstig).
- Wir (heute): mittel überall, keine klare Form.
**ERRC**:
- Eliminate: physische Geräteanbindung (Hardware-Lock-in).
- Reduce: Trainerauswahl von 80 auf 12 Profile mit deutlicher Persönlichkeit.
- Raise: Live-Coaching-Häufigkeit 3x wöchentlich pro Nutzer.
- Create: Wochenplan-KI, die Trainings an Schlaf- und Stressdaten anpasst.
**To-be Wertkurve**: Schwerpunkt bei Live-Coaching und KI-Wochenplan, deutlich niedriger bei Hardware und Trainerzahl.
**Tagline**: „Wöchentliches Live-Coaching mit KI-Plan, ohne Geräte und ohne Abo-Lock-in.“
**Nichtkunden Tier 1**: Sportstudio-Mitglieder, die wegen Pendelweg kündigen wollen (Beispielsegment Berlin/München, 35-45 Jahre).
**Realisierungspfad**: Q3 KI-Wochenplan-Beta, Q4 Live-Coaching-Pool aufbauen, Q1/2027 Hardware-Sortiment einstellen.Stolperfallen
Symptome erkennen, gegensteuern
Faktoren-Liste vom Wettbewerb übernommen
X-Achse enthält nur die Standardfaktoren der Branche, neue Faktoren („Create“) tauchen nie auf.
Pro Nichtkunden-Tier mindestens einen potenziellen neuen Faktor brainstormen. Faktoren, die kein Wettbewerber misst, sind Kandidaten für Create.
Kostenstruktur ignoriert
To-be-Kurve liegt überall höher als As-is, alle Faktoren werden „raise“ ohne „reduce“ oder „eliminate“.
Strikte Regel: pro Raise muss mindestens ein Reduce oder Eliminate gegenüberstehen. Sonst entsteht teurer roter Ozean, kein blauer.
Nichtkunden nicht erforscht
Nichtkunden-Tiers werden vermutet, ohne dass mit echten Nichtkunden gesprochen wurde.
Vor finaler Wertkurve mindestens fünf Nichtkunden-Interviews führen. Hypothesen über Nichtkunden ohne Daten produzieren Strategie auf Sand.
Tagline ist Featureliste
Tagline lautet „A, B, C, D und E“ statt einer fokussierten Aussage.
Tagline auf maximal 12 Wörter und eine zentrale Differenzierungsidee zwingen. Wenn das nicht geht, fehlt Focus in der Wertkurve.
Politische Sperre für Eliminate
Eliminate-Vorschläge werden in Diskussion sofort aufgeweicht, weil interne Verteidiger anwesend sind.
Eliminate-Entscheidungen separat mit Decider final klären, nicht im Konsens. Decider muss Politikkonflikte austragen, nicht Workshop-Gruppe.
Statische Sicht ohne Wettbewerbsreaktion
To-be-Kurve geht davon aus, dass Wettbewerber nicht reagieren, kein Imitations-Risiko diskutiert.
Pro Differenzierung Imitationsbarriere benennen (Netzwerkeffekt, IP, Markenvertrauen, Skalenvorteil). Wenn keine Barriere existiert, Wettbewerber kopieren in 6-12 Monaten.
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