Eine bis drei generative Fragen sind formuliert, die jeweils zu 20-30 min Tischgespräch einladen und auf unterschiedliche Aspekte des Themas zielen.
World Café
Vorbedingung
Was vorher fertig sein muss
Falls World Café im Anschluss eines Open Space stattfindet, sind die priorisierten Themen aus dem Open Space als Fragenpool nutzbar.
Vorbereitung
Was vor Start vorliegen muss
Runde Tische für 4-5 Personen mit Papier-Tischdecken oder großen A2-Bögen; Stifte in mehreren Farben pro Tisch; zentrales Whiteboard für Ernte; Café-Atmosphäre (Kaffee, Tee, ruhige Musik möglich); Frage-Karten pro Tisch.
Ein Host pro Tisch, der zwischen den Runden bleibt und bisherige Gespräche eröffnet; Reisende, die zwischen den Tischen wechseln; ein zentraler Facilitator, der Runden und Ernte führt; optional ein Visualizer für Live-Sketchnotes.
Leitthema und Fragen vorab kommunizieren; Hinweis, dass auf Tischdecken geschrieben und gezeichnet werden darf; Erläuterung der Host-Rolle für freiwillige Hosts.
90-150 min für drei Runden plus Ernte
Tische so platzieren, dass Gespräche möglich sind ohne Störung. Pro Tisch eine Frage-Karte und beschreibbare Decke. Sitzplätze für 4-5 Personen. Ernte-Wand zentral sichtbar. Einführung mit drei Café-Etiketten: aktiv zuhören, eigene Perspektive einbringen, malen und schreiben statt sich erinnern müssen.
Kernfrage
Die eine Frage, die diese Methode beantwortet
Welche kollektiven Einsichten und neuen Verbindungen entstehen, wenn dieselben Fragen über mehrere Runden in wechselnden Konstellationen diskutiert werden?
Ablauf
Marker: Phase
| Schritt | Dauer | Aktion | Hinweis |
|---|---|---|---|
1Phase 1: Einführung und Café-Etikette | 15 min | Facilitator stellt Thema, Fragen und Mechanik vor. Hosts identifizieren sich pro Tisch (freiwillig). Etikette erklären: schreiben und malen auf der Tischdecke, Verbindungen herstellen, aktiv zuhören. | Ohne Einführung in die Etikette bleiben die Tischdecken leer. Visualisierung ist Teil der Methode, nicht Dekoration. Erste 2 min am Tisch sollten schon Notizen produzieren. |
2Phase 2: Runde 1 | 20-25 min | Erste Frage am Tisch diskutieren. Teilnehmende notieren Stichworte, Skizzen, Querverweise direkt auf der Decke. Host strukturiert nicht, sondern hält Raum. | Wenn ein Tisch verstummt, prüft Host, ob die Frage am Tisch eindeutig liegt. Falls nicht, kurze gemeinsame Klärung, dann weiter. |
3Phase 3: Runde 2 mit Reise | 20-25 min | Hosts bleiben am Tisch, Reisende wechseln zu neuen Tischen. Host fasst die wichtigsten Punkte der vorherigen Runde in 90 s zusammen. Dann zweite Frage oder Vertiefung der ersten. | Hosts neigen dazu, Runde 1 zu wiederholen statt darauf aufzubauen. Briefing für Hosts vorab: „Worauf bauen wir auf?“, nicht „Was haben wir besprochen?“ |
4Phase 4: Runde 3 mit Synthese-Frage | 20-25 min | Erneuter Wechsel oder Rückkehr zur Ausgangsgruppe (je nach Design). Synthese-Frage am Tisch: was sind die zwei bis drei wichtigsten Einsichten, was würden wir der Gesamtgruppe zurückgeben. | Synthese-Runde ohne explizite Frage produziert nur Wiederholung. Synthese-Prompt vorbereiten und sichtbar machen. |
5Phase 5: Ernte | 20-30 min | Pro Tisch 90 s Bericht ans Plenum: zwei bis drei Kernpunkte. Facilitator clustert sichtbar an der Ernte-Wand. Anschließend offene Reflexion: welche Muster zeigen sich quer über die Tische. | Wenn jeder Tisch eine 5-min-Präsentation hält, kippt die Ernte in Reporting. Strikt 90 s, Kernpunkte. Vertiefung passiert im Cluster-Schritt durch Facilitator. |
Artefakt
Was am Ende rauskommt
Fotografierte Tischdecken jedes Tisches mit Skizzen und Notizen, dazu Ernte-Wand mit geclusterten Kernpunkten und priorisierten Mustern. Optional zusammenfassendes Café-Protokoll mit Frage, Tischen, Cluster und nächsten Schritten.
- Miro- oder Mural-Boards pro virtuellem Tisch, plus Ernte-Frame
- Notion-Seite mit Galerie der Tischdecken-Fotos und Cluster-Liste
- Confluence-Protokoll mit eingebetteten Bildern und Followup-Liste
- FigJam-Boards für hybride Cafés mit synchroner Remote-Beteiligung
Datum, Leitthema und Teilnehmerzahl im Header. Pro Café neue Sammlung. Wenn Café Teil einer Reihe ist, Querverweis auf vorherige Iteration und welche Fragen aus dem letzten Café aufgegriffen wurden.
World Café Arbeitsvorlage
Kompakte Arbeitsvorlage für World Café mit Kontext, Input, Ergebnisartefakten und nächstem Schritt.
# World Café Arbeitsvorlage
## Ziel
Dialogformat mit wechselnden Kleingruppen, um Wissen und Perspektiven über mehrere Runden zu vernetzen.
## Kontext
Wann und wofür nutzen wir diese Methode?
## Input
Welche Daten, Beobachtungen, Entscheidungen oder Materialien liegen vor?
## Durchführung
Kurze Notizen entlang des Run Sheets.
## Ergebnisartefakte
- Table Notes:
- Emergent Themes:
- Shared Questions:
## Annahmen und offene Fragen
- ...
## Entscheidung / Nächster Schritt
Owner, Datum und Erfolgssignal.Beispielausgabe
Konkret gefülltes Szenario
## World Café — „Wie verbinden wir Discovery und Delivery?“, 11.07.2026
**Teilnehmende**: 32 Personen aus Product, Design, Engineering. 7 Tische.
### Tischfragen
- T1-T3: Welche Übergaben kosten uns am meisten Energie?
- T4-T5: Welche Artefakte stiften echten Nutzen, welche sind Theater?
- T6-T7: Wie sieht ein gemeinsamer Discovery-Delivery-Rhythmus konkret aus?
### Cluster aus der Ernte
- **Übergabetheater** (5/7 Tische): Discovery-Doku wird in Delivery nicht gelesen, Rückfragen statt Vorbereitung.
- **Acceptance Criteria als Brücke** (4/7): Wenn Discovery Akzeptanzkriterien mitliefert, sinkt Rückfragenrate spürbar.
- **Synchrone Übergabesessions** (3/7): 30-min-Walkthrough vor Sprintbeginn statt asynchrone Doku.
- **Trio-Format Product-Design-Engineering** (2/7): Etabliert bei Tribe Falcon, dort als Pilot ausweitbar.
### Nächster Schritt
Pilot in Tribe Aurora ab 18.07., Trio-Format mit Acceptance-Criteria-Workshop, Owner: @lisa. Review nach 4 Wochen.Stolperfallen
Symptome erkennen, gegensteuern
Tische präsentieren statt diskutieren
Reihum Statements am Tisch, ein Sprecher pro Person, keine echten Anschlüsse oder Aufeinanderbeziehen.
Etikette wiederholen: aufeinander aufbauen, nachfragen, gemeinsam zeichnen. Host moderiert mit Folgefragen statt mit Rederunden.
Tischdecken bleiben leer
Tische haben gute Gespräche, aber keine sichtbare Spur, Ernte fällt mager aus.
Aufgabe explizit machen: ein Wort pro Beitrag auf die Decke, Verbindungslinien zwischen Beiträgen. Host beginnt selbst zu schreiben, andere ziehen nach.
Hosts werden zu Lehrern
Host hält Mini-Vortrag zu Beginn jeder Runde, neue Personen werden zu Zuhörern statt Mitdenker.
Briefing für Hosts: maximal 90 s Zusammenfassung, dann offene Frage. Host ist Brücke zwischen Runden, kein Experte. Bei Wiederholung Facilitator interveniert direkt am Tisch.
Fragen sind nicht generativ
Fragen wie „Sind wir gut aufgestellt?“ erzeugen Ja/Nein-Antworten und schnellen Stillstand am Tisch.
Fragen mit „Wie...“, „Was würde sich ändern, wenn...“ oder „Welche Verbindung...“ formulieren. Vor Café Fragen mit 3-5 Personen pretesten.
Ernte ohne Synthese
Jeder Tisch berichtet 5 min, am Ende stehen 21 unverbundene Punkte ohne Priorisierung.
Facilitator clustert sichtbar während der Ernte, fasst Muster zusammen, fragt nach Querverbindungen. Dot Voting oder Punkte-Vergabe für Priorisierung anschließen.
Abbruchkriterien
Done-Signale, in unter einer Minute prüfbar
Run Sheet durchgearbeitet?
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