methodatlas
Run SheetDecision MakingEstimation

Three-Point Estimation

KomplexitätMedium
Zeit10-30 min je Item
Teilnehmende1-8
FormatBoth
MaturityCanonical
01

Vorbedingung

Was vorher fertig sein muss

Vorher abschließenScope Definitionnicht im Katalog

Das Schätzobjekt ist schriftlich abgegrenzt mit Annahmen, Out-of-Scope-Liste und gewählter Einheit (Stunden, Tage, Euro).

Ohne: Ohne Abgrenzung beziehen sich O/M/P auf unterschiedliche Scopes, Werte sind nicht vergleichbar.
02

Vorbereitung

Was vor Start vorliegen muss

Materialien

Schätz-Sheet mit Spalten Item, Annahmen, O, M, P, Range, Erwartungswert; Schätzobjekt-Dokument; Liste bekannter Risiken; Tool für Berechnung (Sheet, Excel).

Personen / Rollen

Ein Moderator, der Items vorstellt und Annahmen festhält; eine bis acht Personen mit Kontext zum Schätzobjekt; ein Scribe für Annahmen und Risiken.

Vorabinfos

Schätzobjekt-Beschreibung; Annahmen-Liste; vergleichbare Vorhaben mit Realdaten falls verfügbar; bekannte Constraints und Abhängigkeiten.

Zeitbedarf

10-30 min je Item

Setup

Sheet mit Spalten für O (optimistisch), M (most likely), P (pessimistisch), Range (P-O) und Erwartungswert (O+M+P)/3 oder PERT (O+4M+P)/6. Definition pro Wert sichtbar anschreiben.

03

Kernfrage

Die eine Frage, die diese Methode beantwortet

Welche realistische Bandbreite (von optimistisch bis pessimistisch) beschreibt das Schätzobjekt, und welche Risiken treiben die Differenz zwischen den drei Werten?

04

Ablauf

Marker: Minute

SchrittDauerAktionHinweis
10-3 min: Schätzobjekt klären
3 minModerator liest Schätzobjekt-Beschreibung vor, listet Annahmen. Klärende Fragen, dann Scope-Konsens festhalten. Einheit bestätigen.Wenn nach 3 min Scope unklar, Item parken und vorher schärfen. Schätzung ohne Scope-Konsens ist Spekulation.
23-8 min: Optimistischen Wert (O)
5 minBest-Case-Szenario beschreiben: was muss zutreffen, damit es schneller geht. Wert eintragen. Annahmen für O dokumentieren (z. B. keine Abhängigkeiten, alle Tools verfügbar).O ist nicht das Wunder-Szenario. „Alles läuft glatt“ ist realistisch, „Magie passiert“ nicht. Wenn O unter 10% von M liegt, ist Annahme unrealistisch.
38-15 min: Wahrscheinlichsten Wert (M)
7 minRealistisches Mittelszenario: was passiert wahrscheinlich. Annahmen über Team, Tools, Abhängigkeiten festhalten. Wert eintragen.M ist nicht der Mittelwert von O und P, sondern die häufigste Erwartung. M kann näher an O oder P liegen, je nach Verteilung.
415-22 min: Pessimistischen Wert (P)
7 minWorst-Case-Szenario mit benennbaren Risiken: was kann schiefgehen. Wert eintragen. Risiken explizit auflisten (z. B. Schlüsselperson fehlt, externer Service down).P ist nicht Weltuntergang, sondern realistisches Worst-Case. „Server brennt komplett ab“ ist unrealistisch, „Schlüssel-Engineer kündigt mitten im Projekt“ ist möglich.
522-30 min: Range und Erwartungswert
8 minRange (P-O) berechnen, Erwartungswert mit gewählter Formel (Mittel oder PERT). Wenn Range mehr als 4x O beträgt, Item splitten oder Spike vorschalten.Große Range ist Signal, kein Fehler. Schätzung mit Range 5-30 Tage ist ehrlicher als Schätzung 15 Tage. Letztere ist Schein-Präzision.
05

Artefakt

Was am Ende rauskommt

Form

Schätz-Tabelle mit Spalten Item, Annahmen, O, M, P, Range, Erwartungswert, Risiken. Gespeichert im Projekt-Repo oder Wiki. Verlinkt mit Schätzobjekt-Dokument und Annahmen-Log.

Tool-Alternativen
  • Google Sheet mit Formeln für Range und Erwartungswert
  • Excel mit PERT-Berechnung
  • Notion-Datenbank mit Berechnungs-Property
  • Jira mit Custom-Fields O/M/P
  • Confluence-Seite mit Tabelle
Versionierung / Ownership

Pro Schätz-Runde Snapshot mit Datum. Bei Scope-Änderung neue Schätzung als neue Zeile, alte Werte mit Status erhalten. Annahmen-Log chronologisch ergänzen.

markdown

Three-Point Estimation Arbeitsvorlage

Kompakte Arbeitsvorlage für Three-Point Estimation mit Kontext, Input, Ergebnisartefakten und nächstem Schritt.

# Three-Point Estimation Arbeitsvorlage

## Ziel

Schätzt optimistischen, wahrscheinlichsten und pessimistischen Wert, um Unsicherheit explizit zu machen.

## Kontext

Wann und wofür nutzen wir diese Methode?

## Input

Welche Daten, Beobachtungen, Entscheidungen oder Materialien liegen vor?

## Durchführung

Kurze Notizen entlang des Run Sheets.

## Ergebnisartefakte
- Three-Point Estimate:
- Risk Range:
- Assumption Notes:

## Annahmen und offene Fragen

- ...

## Entscheidung / Nächster Schritt

Owner, Datum und Erfolgssignal.
06

Beispielausgabe

Konkret gefülltes Szenario

three-point-estimation-beispiel.md
markdown
## Three-Point Estimation - Mandanten-Import-Refactor, 2026-05-18

**Schätzobjekt**: Refactor des Mandanten-Import-Moduls, sodass DATEV-Format fehlerfrei verarbeitet wird. Einheit: Personentage.

**Annahmen**: Bestehende Parser-Library wiederverwendbar. Testdaten von 5 Beispielmandanten verfügbar. Anna ist 60% verfügbar.

**Schätzungen**
- O (3 Tage): Library passt, Beispieldaten decken alle Sonderfälle ab, keine Schema-Migration nötig.
- M (7 Tage): Library braucht zwei Anpassungen, eine Edge-Case-Story kommt nach.
- P (15 Tage): Library passt nicht, Custom-Parser nötig, Edge-Cases erfordern weitere Discovery.

**Range**: 12 Tage, **Erwartungswert (PERT)**: (3 + 4*7 + 15) / 6 = 7,7 Tage

**Risiken**
- DATEV-Format hat undokumentierte Sonderzeichen-Behandlung (treibt P).
- Schlüssel-Engineer @anna im Q3 in Elternzeit (treibt P bei Verzögerung).

**Empfehlung**: Plan mit 8 Tagen, Spike-Ticket für Library-Validierung vor Sprint-Start.
07

Stolperfallen

Symptome erkennen, gegensteuern

Falle

O und P liegen zu nah beieinander

Symptom

Range ist weniger als 50% von M, Schätzer hat Unsicherheit unterschätzt.

Was tun

Risikoliste durchgehen: welche externen Faktoren wurden ignoriert. P realistisch hochziehen, Annahme dokumentieren. Schein-Sicherheit ist gefährlicher als ehrliche Streuung.

Falle

Erwartungswert wird Punktwert

Symptom

In der Kommunikation taucht nur „7,7 Tage“ auf, Range fehlt.

Was tun

Konsequent Range plus Erwartungswert berichten: „7,7 Tage, Range 3-15“. Wer nur Erwartungswert nimmt, verliert die zentrale Information der Methode.

Falle

Fantasie-Werte

Symptom

O ist „2 Stunden“, P ist „1 Jahr“, M passt nirgends dazu.

Was tun

Realismus-Anker: O ist nicht Wunder, P ist nicht Apokalypse. Wenn Range mehr als 10x ist, Item splitten oder als unschätzbar markieren.

Falle

Annahmen werden nicht dokumentiert

Symptom

Tabelle hat Zahlen, aber niemand weiß, warum O so optimistisch ist.

Was tun

Pflichtfeld Annahmen pro Wert. Ohne Annahme keine Zahl. Annahmen sind Basis für spätere Re-Estimation und Risiko-Review.

Falle

Schätzung ohne Risiko-Bezug

Symptom

P ist hoch, aber Risikoliste ist leer. Niemand kann sagen, was P treibt.

Was tun

Pro Item Risiko-Pflicht: was muss schiefgehen, damit P eintritt. Wenn keine Risiken benennbar, P zu hoch geschätzt.

08

Abbruchkriterien

Done-Signale, in unter einer Minute prüfbar

Schätzobjekt ist nicht abgegrenzt, Scope-Konsens fehlt.
Schätzer hat keinen Kontext zum Schätzobjekt, Werte werden geraten.
Range übersteigt 10x den optimistischen Wert, Item ist nicht schätzbar ohne Discovery.
Keine Risikoperspektive verfügbar, P-Wert ist nicht belastbar.
Stakeholder erwartet Punktwert, Bandbreite würde nicht akzeptiert, Methode wird missverstanden.
Item ist so klein und standardisiert (<1 Tag), Three-Point ist Overhead.

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