Eine formulierte Unternehmens- oder Bereichsstrategie mit Mittel- und Langfristhorizont liegt vor, gegen die Initiativen eingeordnet werden können.
Three Horizons
Vorbedingung
Was vorher fertig sein muss
Vorbereitung
Was vor Start vorliegen muss
Workshop-Raum oder Board mit drei Horizont-Bahnen (H1, H2, H3); Initiativen-Karten (eine pro laufender oder geplanter Initiative); Bewertungsraster (Erlös, Ressourcen, Zeithorizont); Strategie-Dokument als Referenz; Portfolio-Übersicht aktueller Initiativen.
Ein Facilitator (Strategie- oder Innovations-Verantwortlicher); Sponsor mit Portfolio-Mandat (CEO, CSO, Bereichsleitung); Vertreter aus Operations (für H1), Wachstum (für H2), Innovation/F&E (für H3); Finanzcontroller für Ressourcen-Sicht.
Strategie-Dokument oder Vision; aktuelle Initiativen-Liste mit Status, Erlös, Aufwand; Markttrends und Disruptions-Signale; Ressourcen-Lage (Personal, Budget); historische Innovations-Pipeline.
Halbtags-Workshop (4 h), dann Quartals-Reviews
Drei Bahnen am Board: H1 (Kerngeschäft, 70% Ressourcen), H2 (Wachstum, 20%), H3 (Zukunft/Disruption, 10%). Initiativen-Karten vorbereitet. Bewertungskriterien sichtbar.
Kernfrage
Die eine Frage, die diese Methode beantwortet
Wie verteilt sich das aktuelle Initiativen-Portfolio über die drei Horizonte, welche Ungleichgewichte zeigen sich, und welche Umschichtung sichert sowohl Heute als auch Morgen?
Ablauf
Marker: Phase
| Schritt | Dauer | Aktion | Hinweis |
|---|---|---|---|
1Phase 1: Horizont-Definitionen schärfen | 30 min | Pro Horizont konkrete Definition fürs Unternehmen: H1 (heute reife, Cashflow-tragende Geschäftsfelder, 0-18 Monate), H2 (Wachstumsfelder, 18-36 Monate), H3 (Optionen mit Reife > 36 Monate). Schwellen und Metriken pro Horizont. | Generische McKinsey-Definitionen passen oft nicht. Wer „H1 = Kern“ stehen lässt, kann später nicht abgrenzen. Konkrete Cashflow-, Reife- oder Markt-Schwellen sind Pflicht. |
2Phase 2: Initiativen zuordnen | 45-60 min | Jede laufende und geplante Initiative auf einer Karte. Karten den Horizonten zuordnen, anhand Reife, Erlös und Zeithorizont. Streit-Fälle markieren und Sponsor entscheidet. | Versuchung ist groß, ambitionierte Initiativen in H1 zu drücken (wirkt sicherer). Wenn eine Initiative kein heutiges Geld bringt, gehört sie nicht in H1. |
3Phase 3: Ressourcen-Verteilung sichtbar machen | 30-45 min | Pro Horizont aktuelle Ressourcen (FTE, Budget, Management-Zeit) zusammenrechnen. Vergleich mit Soll-Verteilung (z. B. 70/20/10). Ungleichgewichte benennen. | Häufig zeigt sich: H1 frisst 95%, H3 hat 0%. Das ist kein Versagen, sondern Befund. Frage ist, ob das absichtlich oder nur Trägheit ist. |
4Phase 4: Übergänge und Pipeline | 30 min | Pro Horizont identifizieren: welche Initiative ist auf dem Weg in den nächsten Horizont (H3 -> H2 -> H1)? Pipeline visualisieren. Lücken in der Pipeline benennen. | Wenn niemand auf dem Weg von H3 nach H2 ist, hat das Unternehmen in 3 Jahren keine neuen Wachstumsfelder. Das ist eine strategische Warnung. |
5Phase 5: Entscheidungen und Umschichtung | 45-60 min | Konkrete Umschichtungs-Entscheidungen: welche Initiative wird beendet (H1-Sunset), welche wird verstärkt (H2-Skalierung), welche Option wird neu eingeführt (H3-Seed). Pro Entscheidung Owner und Quartals-Review. | Three Horizons ohne Konsequenz ist Beratungs-Folie. Mindestens drei Entscheidungen mit Ressourcen-Bewegung. Sponsor signiert. |
Artefakt
Was am Ende rauskommt
Portfolio-Übersicht mit Horizont-Zuordnung, Ressourcen-Heatmap (Soll vs. Ist pro Horizont), Pipeline-Diagramm mit Übergängen, Entscheidungsliste mit Owner und Review-Datum, plus Definitionen der Horizonte für das Unternehmen.
- Miro oder Mural mit Three-Horizons-Template
- Notion- oder Confluence-Strategy-Space
- Tableau- oder PowerBI-Dashboard für Ressourcen-Heatmap
- Excel-Sheet mit Pivot-Tabellen für Portfolio-Sicht
Pro Quartals-Review neuer Snapshot mit Datum. Entscheidungen versioniert getrackt. Vorquartal nicht überschreiben, sondern Delta dokumentieren. Pipeline-Bewegungen als sichtbarer Verlauf.
Three Horizons Arbeitsvorlage
Kompakte Arbeitsvorlage für Three Horizons mit Kontext, Input, Ergebnisartefakten und nächstem Schritt.
# Three Horizons Canvas
## Kontext
Wofür wird die Methode eingesetzt?
## Kernfrage
Welche Frage soll am Ende beantwortet sein?
## Input
Welche Daten, Beobachtungen oder Materialien liegen vor?
## Arbeitsfläche
- Bereich 1:
- Bereich 2:
- Bereich 3:
- Beziehungen / Muster:
## Ergebnisartefakte
- Horizon-Map:
- Portfolio-Sicht:
- Initiativen je Horizont:
- Ressourcenplan:
## Offene Fragen
- ...
## Nächster Schritt
Owner, Datum, Erfolgssignal.Beispielausgabe
Konkret gefülltes Szenario
## Three Horizons — Portfolio Q2-2026, Industrieunternehmen Süd (18.05.2026)
**Horizont-Definitionen (Unternehmens-spezifisch)**:
- H1: Geschäftsfelder mit EBIT-Marge > 8%, etablierte Märkte, Reife > 5 Jahre.
- H2: Wachstumsfelder, EBIT-Marge negativ bis 5%, Skalierungspfad in 18-36 Monaten.
- H3: Optionen mit Marktstart > 36 Monate, Reife < 18 Monate, Discovery-Phase.
**Zuordnung 38 Initiativen**:
- H1 (29 Initiativen, 82% Ressourcen): Standardprodukte A-E, Service-Geschäft, Wartungsverträge.
- H2 (7 Initiativen, 15% Ressourcen): Subscription-Modell Produkt B, Märkte Osteuropa, IoT-Add-on.
- H3 (2 Initiativen, 3% Ressourcen): Material-Recycling-Pilotanlage, Wasserstoff-Vorhaben.
**Soll-Verteilung**: 65/25/10. Ist: 82/15/3. Ungleichgewicht: H2 und H3 unterressourciert.
**Pipeline-Bewegungen**:
- Auf dem Weg H3 -> H2: keine. Warnung.
- Auf dem Weg H2 -> H1: Subscription-Modell Produkt B (Übergang 2027).
**Entscheidungen (Sponsor @sabine, CEO)**:
1. Sunset Produkt D (H1) bis 2027-Q4, Ressourcen frei für H2. Owner @marcus.
2. H2-Initiative „IoT-Add-on“ verdoppeln: 2 auf 4 Teams. Owner @lisa.
3. Neuer H3-Seed „Kreislauf-Plattform“ starten, 1 FTE plus 200k EUR Budget. Owner @anna.
4. Quartals-Review Q3 am 15.09.2026.Stolperfallen
Symptome erkennen, gegensteuern
Horizonte generisch übernommen
Definitionen aus Lehrbuch („H1 = Kern“) reichen nicht zur Initiative-Zuordnung.
Unternehmens-spezifische Schwellen (Cashflow, Marge, Reife). Vor Phase 2 prüfen: kann jede Initiative eindeutig zugeordnet werden?
H1 frisst H3
Alle ambitionierten Initiativen werden in H1 reingedrückt, weil sie schnell Erlös versprechen.
Strenge Cashflow-Definition für H1. Wenn Initiative kein heutiges Geld bringt, gehört sie in H2 oder H3, egal wie viel sie verspricht.
H3 ohne Ressourcen
H3 hat 0% Ressourcen, niemand arbeitet an Zukunft, Pipeline trocknet aus.
Mindest-Ressourcen-Floor für H3 vereinbaren (z. B. 5%). Floor durch Quartals-Review schützen. Wenn Floor regelmäßig verletzt, eskaliert Owner an Sponsor.
Workshop ohne Konsequenz
Schöne Heatmap entsteht, drei Wochen später ist Portfolio unverändert.
Pflicht: mindestens 3 Umschichtungs-Entscheidungen mit Owner und Ressourcen-Bewegung. Quartals-Review prüft Umsetzung. Ohne Quartals-Review keine Three-Horizons-Praxis.
Falsche Personen am Tisch
Nur Operations-Vertreter, kein Innovations- oder F&E-Stimme, H3 wird unterbewertet.
Pflicht-Besetzung: H1-Stimme (Operations), H2-Stimme (Wachstum), H3-Stimme (Innovation/F&E), Finanzcontroller. Wer fehlt, blockiert seine Horizont-Sicht.
Pipeline unbeachtet
Workshop fokussiert nur auf aktuelle Zuordnung, Übergänge zwischen Horizonten werden nicht modelliert.
Phase 4 strikt einhalten. Pipeline-Visualisierung als zweites Artefakt. Lücken in der Pipeline sind die wertvollsten Befunde.
Abbruchkriterien
Done-Signale, in unter einer Minute prüfbar
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