Eine zentrale Konzept-Idee oder ein Nutzungsszenario ist ausgewählt, das visualisiert werden soll (z. B. „Bestellung mit Apple Pay in 30 Sekunden“).
Storyboarding
Vorbedingung
Was vorher fertig sein muss
Eine konkrete Persona oder ein Nutzer-Profil ist definiert, sodass Storyboard-Szenen aus deren Perspektive entstehen.
Vorbereitung
Was vor Start vorliegen muss
Storyboard-Vorlage mit 6-12 Frames (A4 oder digital); Marker, Stifte, Stickies für Annotationen; bei digitalem Setup Tool wie Miro, FigJam, Sketchbook oder PowerPoint mit Frame-Layout.
Ein Storyteller, der das Szenario vorgibt (oft Product oder Service Designer); 1-7 Sketcher (alle Skill-Levels); ein Note-Taker für Annahmen pro Frame.
Szenario-Beschreibung; Persona-Profil; bestehende Wireframes oder Prototypen (falls vorhanden); identifizierte Testbare Annahmen; Zweck (Konzept-Pitch, User-Test-Vorbereitung, Service-Design).
30-90 min
Vorlage mit 8-12 Feldern. Persona-Karte oben, Szenario-Satz unten. Stift-Konvention vereinbaren (Strichmännchen für Aktoren, Sprechblasen für Dialog, Pfeile für Bewegung). Skizzen, keine Fertig-Designs.
Kernfrage
Die eine Frage, die diese Methode beantwortet
Wie erlebt die Persona das Szenario Frame für Frame, und welche Annahmen über Kontext, Verhalten und Erwartungen werden dabei sichtbar?
Ablauf
Marker: Phase
| Schritt | Dauer | Aktion | Hinweis |
|---|---|---|---|
1Phase 1: Szenario und Persona aufrufen | 5-10 min | Szenario in einem Satz formulieren („Lisa, Solo-Steuerberaterin, will am Quartalsende per App eine USt-Voranmeldung absenden“). Persona-Profil kurz rekapitulieren. | Wenn Szenario abstrakt bleibt („Nutzer macht Aufgabe X“), Storyboard wird beliebig. Konkrete Situation mit Zeit, Ort, Trigger. |
2Phase 2: Key Scenes identifizieren | 10-15 min | Welche 6-10 Schlüsselmomente strukturieren das Szenario? Pro Scene ein Frame-Platzhalter: Trigger, Kontext, Aktion, Reaktion, Übergang. Reihenfolge fixieren. | Nicht jeder UI-Click ist ein Frame. Frames sind Wendepunkte oder neue Kontexte. 6-12 Frames reichen für Erzählbogen. |
3Phase 3: Frames skizzieren | 20-40 min | Pro Frame: Persona im Kontext (Ort, Gerät, Situation), Aktion oder Reaktion. Strichmännchen, einfache Shapes, Sprechblasen. Keine Fertig-UI, nur visuelle Skizze. | Wer Detail-UI zeichnet, verlangsamt sich und verliert Erzählbogen. Storyboard ist Geschichte, kein Pixel-Design. |
4Phase 4: Annotationen ergänzen | 10-15 min | Pro Frame Kurztext: was passiert, was Persona denkt/fühlt. Annahmen explizit benennen („Annahme: Lisa hat Internet am Quartalsende-Stress“). Übergänge zwischen Frames als kleine Pfeile mit Trigger. | Annahmen-Liste wird das wichtigste Folge-Artefakt. Pro Frame mindestens eine geprüfte Annahme oder klar als zu validieren markiert. |
5Phase 5: Flow-Check und Iteration | 10-15 min | Storyboard als Ganzes durchlesen lassen. Stockt der Flow? Fehlen Frames? Sind Übergänge plausibel? Bei Lücken: ergänzen oder zwei Frames zusammenführen. | Ein Outsider, der das Storyboard nicht kennt, sollte die Geschichte verstehen. Wenn dafür viel Erklärung nötig, ist Storyboard nicht selbsterklärend. |
Artefakt
Was am Ende rauskommt
Storyboard als Bild oder Scan mit 6-12 Frames, jedem mit Annotation (was passiert, was Persona denkt/fühlt), Persona-Karte, Szenario-Satz und Liste der identifizierten Testbaren Annahmen mit Owner und Validierungs-Plan.
- A4-Papier mit Frame-Raster
- Miro oder FigJam mit Storyboard-Template
- Sketchbook oder Procreate auf Tablet
- PowerPoint oder Keynote mit Frame-Layout
- Specialized Tools wie Boords, Storyboarder
Pro Konzept eigene Storyboard-Datei mit Datum und Szenario-Titel. Bei Iterationen nach User-Test oder Stakeholder-Feedback neue Version, alte als Referenz behalten. Annahmen-Validierungsstatus über Versionen tracken.
Workshop Agenda
Kompakte Agenda-Vorlage für Methodenketten mit Timebox, Zweck und Output.
# Workshop Agenda
**Ziel:** ...
**Teilnehmende:** ...
**Dauer:** ...
| Zeit | Methode | Zweck | Output |
|---|---|---|---|
| 00:00 | Check-in | Fokus setzen | Gemeinsamer Start |
| 00:10 | How Might We | Ideationsfragen | HMW-Liste |
| 00:35 | Brainwriting | Ideen erzeugen | Idea Pool |
| 01:10 | Dot Voting | Auswahl vorbereiten | Priorisierte Ideen |
| 01:30 | Storyboarding | Konzept greifbar machen | Storyboard |
## Abschluss
Entscheidung, Owner, nächster Test.Beispielausgabe
Konkret gefülltes Szenario
## Storyboard — „Lisa macht USt-Voranmeldung in 5 Min“ (v1, 2026-05-18)
**Persona**: Lisa, Solo-Steuerberaterin, 65 Mandanten, am Quartalsende unter Zeitdruck
**Szenario**: „Quartalsende-Sonntag, 22 Uhr. Lisa hat 3 USt-Voranmeldungen vor sich. Will mit unserer App in 5 Min pro Mandant fertig sein.“
### Frames
**Frame 1**: Lisa am Schreibtisch, Laptop offen, Kaffee, Wand-Uhr zeigt 22:05
- Annotation: Lisa öffnet App, denkt „Hoffentlich klappt das schneller als letztes Quartal“
- Annahme: Lisa nutzt Desktop, nicht Mobile (zu validieren)
**Frame 2**: App-Startbildschirm mit „3 ausstehende USt-Voranmeldungen“ als Notification
- Annotation: System hat fällige Voranmeldungen automatisch erkannt
- Annahme: System weiß über Fälligkeit, nicht Nutzer (zu validieren)
**Frame 3**: Klick auf erste Voranmeldung, geht zu Mandanten-Übersicht
- Annotation: Belege schon eingebucht, USt-Codes erkannt, „Bereit zur Voranmeldung“
- Annahme: Belege wurden vorher eingebucht (Voraussetzung)
**Frame 4**: Prüfungs-Screen: 23 Belege, Summen, Hinweise auf 2 Auffälligkeiten
- Annotation: Lisa scannt Auffälligkeiten, korrigiert eine, akzeptiert andere
- Annahme: Auffälligkeiten-Erkennung funktioniert für 90% der Fälle
**Frame 5**: One-Click „An ELSTER senden“ mit Bestätigungs-Dialog
- Annotation: Lisa bestätigt mit 2FA
- Annahme: 2FA-Setup ist vorhanden
**Frame 6**: Erfolgs-Screen mit ELSTER-Bestätigungs-Nummer, „Voranmeldung 1 von 3 erledigt“
- Annotation: Lisa fühlt sich erleichtert, denkt „2 mehr in 10 Min, dann ist es geschafft“
- Annahme: ELSTER-Integration ist live (großer Brocken, zu klären)
**Frame 7**: Lisa wiederholt für Mandant 2 und 3, jeweils in 4-5 Min
- Annotation: Erfahrung wiederholbar, Workflow-Vertrauen wächst
**Frame 8**: Wand-Uhr zeigt 22:23, alle 3 Voranmeldungen erledigt, Lisa schließt Laptop
- Annotation: 18 Min für alle 3 - vorher 90+ Min
- Outcome: Time saved, mehr Selbstvertrauen ins Tool
### Testbare Annahmen (Prioritäts-Backlog)
1. ELSTER-Integration in 3 Monaten (Owner: @ben, Discovery-Spike KW 22) - KRITISCH
2. Auffälligkeiten-Erkennung 90% (Owner: @anna, Daten-Spike KW 23)
3. Lisa nutzt Desktop am Quartalsende (Owner: @lisa, Survey KW 22)Stolperfallen
Symptome erkennen, gegensteuern
UI-Detail statt Erzählung
Frames sind Wireframes mit Buttons und Texten, Erzählbogen geht verloren.
Wireframe-Detail bewusst weglassen. Skizzen reichen. Fokus auf Persona, Kontext, Aktion, nicht UI-Komponenten.
Zu viele Frames
20+ Frames für ein Szenario, Erzählung verliert Tempo.
Auf 6-12 Frames verdichten. Pro Frame ein Wendepunkt oder Kontextwechsel. UI-Detail kommt später, nicht hier.
Keine Annotationen
Skizzen ohne Text, ohne Annahmen-Markierung. Geschichte unklar, Lerneffekt fehlt.
Pro Frame Kurztext zwingend. Annahmen explizit. Storyboard ohne Annotation ist Comic, nicht Discovery-Werkzeug.
Persona-frei
Frames zeigen generischen User ohne Kontext, Erzählung ist abstrakt.
Persona-Karte sichtbar. Erste Frame zeigt Persona im Kontext (Ort, Situation, Trigger). Persona-Name in Annotationen.
Konzept als Validierung verkauft
Storyboard wird als Beleg interpretiert („so wird es funktionieren“), obwohl Annahmen unbestätigt.
Annahmen explizit benennen und als „zu validieren“ markieren. Storyboard ist Hypothese, nicht Wahrheit. Test-Backlog zwingend.
Abbruchkriterien
Done-Signale, in unter einer Minute prüfbar
Run Sheet durchgearbeitet?
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