methodatlas
Run SheetAgileEstimation

Planning Poker

KomplexitätLow
Zeit2-5 min je Item
Teilnehmende3-9
FormatBoth
MaturityCanonical
01

Vorbedingung

Was vorher fertig sein muss

Vorher abschließenAcceptance Criteria Workshop

Für jedes zu schätzende Item liegen Akzeptanzkriterien in Bullet-Form vor, die ein anderes Teammitglied ohne Rückfrage versteht.

Ohne: Ohne Akzeptanzkriterien schätzt die Gruppe unterschiedliche Items unter gleichem Titel und produziert künstliche Streuung.
Vorher abschließenStory Points

Eine gemeinsame Schätzskala (Fibonacci-Werte) mit zwei bis drei kalibrierten Referenzstories ist im Team etabliert.

Ohne: Ohne Skala und Referenzen entstehen Werte, die zwischen Personen unterschiedliche Bedeutungen haben, Vergleich ist nicht möglich.
02

Vorbereitung

Was vor Start vorliegen muss

Materialien

Planning-Poker-Karten (physisch oder Tool wie PlanningPokerOnline, Scrum Poker, Miro-Plugin); Backlog im Ticket-System geöffnet; Timer; Liste der Referenzstories sichtbar; Geräuscharme Umgebung oder ruhiger Call-Channel.

Personen / Rollen

Ein Moderator (Scrum Master oder PO-Stellvertreter); ein Product Owner als Item-Vorsteller; das umsetzende Entwicklungsteam (3-9 Personen); optional ein QA- oder Design-Beteiligter, der mitschätzt.

Vorabinfos

Backlog-Items sortiert nach Priorität; Akzeptanzkriterien pro Item; Definition of Done; Referenzstories mit gesetzten Punktwerten; bekannte Abhängigkeiten oder Risiken.

Zeitbedarf

2-5 min je Item

Setup

Maximale Item-Zahl pro Session festlegen (Erfahrungswert: 6-12 in 60 min). Timeboxen ankündigen: 2 min Klärung, 1 min Schätzung, 3 min Diskussion bei Abweichung. Karten oder Tool für alle bereitstellen.

03

Kernfrage

Die eine Frage, die diese Methode beantwortet

Wie groß ist dieses Item relativ zu unseren Referenzstories, und welche Annahmen oder Risiken treiben Abweichungen in der Gruppe?

04

Ablauf

Marker: Minute

SchrittDauerAktionHinweis
10-2 min: Item vorstellen
2 minPO liest Titel, Beschreibung und Akzeptanzkriterien vor. Team stellt klärende Fragen. Keine Lösungsdiskussion, keine Aufgabenzerlegung in dieser Phase.Wenn nach 2 min noch grundlegende Fragen offen sind, Item zurück ins Refinement. Schätzung ohne geklärten Scope produziert Müll.
22-3 min: Verdeckt schätzen
1 minJede Person wählt eine Karte verdeckt aus der Fibonacci-Skala. Tools setzen Werte gleichzeitig. Niemand spricht aus, was er schätzt.Wenn jemand seine Karte vorher zeigt oder kommentiert, Runde verwerfen und neu starten. Anker zerstören die Methode.
33-4 min: Aufdecken und Spread prüfen
1 minKarten gleichzeitig aufdecken. Wenn Spread kleiner als zwei Fibonacci-Stufen (z. B. 3-5): höheren Wert nehmen. Sonst weiter zu Diskussion.Konsens ist nicht das Ziel, ausreichend Übereinstimmung reicht. Wer auf einem Wert beharrt, blockiert das Refinement.
44-7 min: Diskussion bei Abweichung
3 minHöchster und niedrigster Schätzer erklären ihre Annahmen, ohne Rechtfertigung. Andere ergänzen Risiken oder Annahmen. Danach erneut verdeckt schätzen.Diskussion strikt timeboxen. Nach maximal zwei Runden parken oder splitten. Endlose Schätzdebatten sind Symptom für unklare Anforderung.
05

Artefakt

Was am Ende rauskommt

Form

Aktualisierte Backlog-Items im Ticket-System (Jira, Linear, Azure DevOps) mit Story-Point-Wert, Annahmen im Kommentar, markierten Split-Kandidaten und expliziter Risiko-Notiz bei großen Items.

Tool-Alternativen
  • Jira mit Story-Point-Feld
  • Linear mit Estimate-Feld
  • Azure DevOps mit Story Points
  • PlanningPokerOnline oder Scrum Poker als Schätz-Tool
  • Miro-Plugin für hybride Teams
Versionierung / Ownership

Schätzwerte werden im Item gehalten. Re-Estimation bei Scope-Änderung im Kommentar-Verlauf dokumentieren, nicht ohne Notiz überschreiben. Annahmen und Risiken bleiben als Item-Kommentar erhalten.

markdown

Planning Poker Arbeitsvorlage

Kompakte Arbeitsvorlage für Planning Poker mit Kontext, Input, Ergebnisartefakten und nächstem Schritt.

# Planning Poker Arbeitsvorlage

## Ziel

Kollaborative Schätzmethode, bei der Teammitglieder verdeckt Karten wählen und Unterschiede diskutieren.

## Kontext

Wann und wofür nutzen wir diese Methode?

## Input

Welche Daten, Beobachtungen, Entscheidungen oder Materialien liegen vor?

## Durchführung

Kurze Notizen entlang des Run Sheets.

## Ergebnisartefakte
- Relative Estimates:
- Assumption Notes:
- Split Candidates:

## Annahmen und offene Fragen

- ...

## Entscheidung / Nächster Schritt

Owner, Datum und Erfolgssignal.
06

Beispielausgabe

Konkret gefülltes Szenario

planning-poker-beispiel.md
markdown
## Refinement — 2026-05-18

**Item: API-Endpoint für Mandanten-Export**
- Akzeptanzkriterien: GET-Endpoint, JSON und CSV, Pagination, Auth via JWT.
- Runde 1: 3, 5, 5, 8, 13. Spread zu groß.
- Diskussion: @anna (3) ging von bestehendem Generator aus. @ben (13) sah Auth-Refactor und neue Pagination-Logik. Annahme geklärt: kein Auth-Refactor nötig, Pagination-Helper existiert.
- Runde 2: 5, 5, 5, 8, 5. Konsens auf 5.
- Annahmen im Item: bestehende Export-Generator-Klasse wiederverwendbar; Pagination-Helper aus Mandanten-Liste übernehmbar.

**Item: Multi-Tenant-Mandantenverwaltung**
- Runde 1: 8, 13, 21, 21, 13. Konsens-Vorschlag 21.
- Markiert für Split: zu groß für einen Sprint. PO schneidet bis Donnerstag in 3 Teilstories.
07

Stolperfallen

Symptome erkennen, gegensteuern

Falle

Ankereffekt durch frühe Stimme

Symptom

Eine erfahrene Person nennt eine Zahl vor der Schätzrunde („das ist eine 5“), alle Karten zeigen denselben Wert.

Was tun

Strikt verdeckt schätzen. Wer vorab eine Zahl nennt, wird höflich unterbrochen. Bei Toolnutzung Funktion zum gleichzeitigen Aufdecken aktivieren.

Falle

Diskussion wird Designsession

Symptom

Statt Annahmen zu klären, beginnt die Gruppe, Implementierung zu skizzieren oder Tasks zu zerlegen.

Was tun

Moderator unterbricht: „Wir schätzen, wir designen nicht.“ Designfragen ins Refinement oder in Spike-Tickets parken. Schätzung läuft weiter mit aktuellen Annahmen.

Falle

Items zu groß

Symptom

Spread liegt bei 8 vs. 21+, auch nach zweiter Runde keine Konvergenz.

Was tun

Item splitten oder als Spike umwidmen. Keine Schätzung über 13 ohne Split-Versuch. Sehr große Items sind Discovery-Aufgabe, keine Refinement-Aufgabe.

Falle

PO schätzt mit

Symptom

Product Owner gibt eigene Karte ab, oft niedrig („das ist doch einfach“).

Was tun

Nur das umsetzende Team schätzt. PO klärt Scope und Akzeptanzkriterien. Wenn PO seine Sicht zur Komplexität teilen will, als Annahme dokumentieren, nicht als Schätzwert.

Falle

Schätzung wird Lieferversprechen

Symptom

Stakeholder fragt nach Schätzwert und liest ihn als Zusage in Tagen oder Wochen.

Was tun

Story Points sind relative Komplexität, keine Zeit. Velocity-Daten getrennt halten und für Forecasts mit Range kommunizieren. Schätzwert ohne Kontext nicht herausgeben.

Falle

Endlose Schätzrunden

Symptom

Gruppe schätzt dasselbe Item drei- oder viermal ohne Konvergenz.

Was tun

Nach maximal zwei Runden Entscheidung erzwingen: höheren Wert nehmen, Item splitten, oder Spike vorschalten. Drei Runden ohne Konvergenz ist Methodenmissbrauch.

08

Abbruchkriterien

Done-Signale, in unter einer Minute prüfbar

Keine Akzeptanzkriterien für die zu schätzenden Items vorhanden, Scope ist unklar.
Mehr als die Hälfte der Items braucht zuerst Spike oder Discovery, Schätzung wäre Spekulation.
Team kennt die Domäne oder den Code nicht ausreichend, Werte sind reine Vermutungen.
Keine etablierten Referenzstories, Skala ist nicht kalibriert.
Sessionzeit kürzer als 30 min bei mehr als 6 Items, Items kommen unter Druck durch.
Schätzung wird von außen als Liefer-Commitment behandelt, psychologische Sicherheit für ehrliche Schätzung fehlt.

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