Frage-Pool als Markdown- oder Notion-Datenbank mit Lernziel, Frage, Optionen, richtiger Antwort, Distraktoren-Logik plus Vote-Statistik pro Frage (vor und nach Peer-Diskussion) und Notizen zu wiederkehrenden Missverständnissen.
Peer Instruction
Vorbereitung
Was vor Start vorliegen muss
Concept Questions (Multiple-Choice mit konzeptionellen Distraktoren); Voting-System (Karten, Slido, Mentimeter, Klicker); Whiteboard für Antwortverteilung; Timer; Skript mit Lernzielen.
Ein Lehrender oder Workshop-Leiter, der Fragen stellt und Diskussion moderiert; sechs bis fünfzig Lernende; ein Assistent für Voting-Setup bei großen Gruppen.
Lernziele und Zielgruppe; Concept Questions vorab konstruiert (mindestens drei pro Lernziel, jede mit konzeptioneller Distraktoren statt Detailfehler); erwartete Verteilung pro Frage; Zeitbudget pro Frage.
10-20 min je Frage
Voting-Tool getestet. Concept Question und Antwortoptionen sichtbar machbar. Sitzordnung so, dass Peer-Diskussion in Paaren oder Trios möglich. Regel: erst Solo, dann Peer, dann nochmal Solo.
Kernfrage
Die eine Frage, die diese Methode beantwortet
Verstehen die Lernenden das Konzept tief genug, um eine gut konstruierte Concept Question richtig zu beantworten, oder gibt es Verständnislücken, die Peer-Diskussion auflösen kann?
Ablauf
Marker: Phase
| Schritt | Dauer | Aktion | Hinweis |
|---|---|---|---|
1Phase 1: Concept Question stellen | 2-3 min je Frage | Frage und Optionen vorstellen. Verständnis der Frage sichern (nicht der Antwort). Klar, dass mehrere Optionen plausibel klingen, nur eine ist richtig. | Wenn Lernende nachfragen müssen, was die Frage meint, ist die Frage schlecht formuliert. Vor dem Workshop pilotieren. |
2Phase 2: Individuell abstimmen | 1-2 min je Frage | Solo-Abstimmung ohne Gespräch. Voting-Tool oder Karten. Stille zwingt zu eigenem Denken statt zu Sozial-Anpassung. | Wenn Lernende sich umsehen, was andere wählen, ist Anonymität des Voting-Tools wichtig oder Karten verdeckt. |
3Phase 3: Antwortverteilung zeigen | 1-2 min je Frage | Verteilung anonym visualisieren. Bei klarem Konsens (über 80% richtig) kurzes Resümee und nächste Frage. Bei breiter Streuung Peer-Phase aktivieren. | Verteilung 60-80% richtig ist Idealfall für Peer-Instruction. Bei unter 30% richtig ist Konzept noch nicht ausreichend gelehrt, Mini-Lektion einschieben. |
4Phase 4: Peer-Diskussion | 3-5 min je Frage | Lernende diskutieren in Paaren oder Trios, idealerweise mit unterschiedlichen Antworten. Sie sollen sich gegenseitig erklären und zu einer gemeinsamen Antwort kommen. | Peer-Erklärung wirkt oft besser als Lehrer-Erklärung, weil Peers den Missverständnis-Pfad selbst gegangen sind. Lehrender geht herum und hört zu, korrigiert nur bei massiven Fehlern. |
5Phase 5: Erneut abstimmen und erklären | 3-5 min je Frage | Zweite Abstimmung. Verteilung zeigen, in der Regel steigt der Anteil richtiger Antworten deutlich. Lehrender erklärt anschließend die richtige Antwort und typische Distraktoren-Logik. | Wenn nach Peer-Phase die richtige Quote nicht steigt, war die Frage entweder zu schwer oder die Mehrheit teilt ein Missverständnis. Lehrender liefert klare Erklärung, lernt aus dem Pattern. |
Artefakt
Was am Ende rauskommt
- Mentimeter oder Slido für Voting
- iClicker oder Plickers für Hörsäle
- Google Forms mit Live-Sheets
- Karten in Klassenzimmer für analoge Settings
Pro Workshop oder Kurs ein Eintrag mit Datum und Lerngruppe. Frage-Pool wird über Zeit verfeinert; Distraktoren, die nie funktionieren, ersetzen oder umformulieren.
Peer Instruction Arbeitsvorlage
Kompakte Arbeitsvorlage für Peer Instruction mit Kontext, Input, Ergebnisartefakten und nächstem Schritt.
# Peer Instruction Arbeitsvorlage
## Ziel
Lernende beantworten Konzeptfragen, diskutieren mit Peers und stimmen erneut ab.
## Kontext
Wann und wofür nutzen wir diese Methode?
## Input
Welche Daten, Beobachtungen, Entscheidungen oder Materialien liegen vor?
## Durchführung
Kurze Notizen entlang des Run Sheets.
## Ergebnisartefakte
- Concept Questions:
- Vote Results:
- Learning Notes:
## Annahmen und offene Fragen
- ...
## Entscheidung / Nächster Schritt
Owner, Datum und Erfolgssignal.Beispielausgabe
Konkret gefülltes Szenario
## Peer Instruction — Workshop Datenbank-Indizes (20.05.2026)
**Lernziel**: Lernende erkennen, wann ein Index eine Query beschleunigt und wann nicht.
**Frage 3**: Eine Tabelle `orders` hat 10 Mio Zeilen und einen Index auf `customer_id`. Welche Query profitiert am wenigsten vom Index?
A) SELECT * FROM orders WHERE customer_id = 42
B) SELECT * FROM orders WHERE customer_id IN (1,2,3,4,5)
C) SELECT * FROM orders WHERE customer_id != 42
D) SELECT * FROM orders WHERE customer_id BETWEEN 100 AND 200
**Verteilung (Vote 1, n=24)**: A 17%, B 12%, C 50%, D 21%. Richtige Antwort: C.
**Peer-Diskussion 4 min** in Paaren.
**Verteilung (Vote 2, n=24)**: A 4%, B 8%, C 79%, D 9%.
**Erklärung**: Bei != muss der Optimizer fast alle Zeilen lesen, der Index hilft nicht. Bei =, IN mit kleiner Liste und BETWEEN auf einen kleinen Range funktioniert der Index. Typischer Distraktor war D (BETWEEN), weil viele BETWEEN intuitiv als „großer Range“ lesen.
**Lernpattern**: 5 Teilnehmer hatten bei BETWEEN ein Missverständnis zu Selektivität. In Folge-Workshop separate Frage zu Range-Selektivität.Stolperfallen
Symptome erkennen, gegensteuern
Distraktoren zu offensichtlich
Erste Abstimmung über 90% richtig, Peer-Phase überflüssig.
Distraktoren mit echten Missverständnissen aus früheren Workshops. Pro Distraktor ein plausibles Falschverständnis.
Distraktoren auf Detailebene
Frage prüft Auswendiglernen statt Konzept (z. B. genaue Syntax).
Concept Questions zielen auf Verständnis, nicht auf Faktenwissen. „Was tut der Code“ statt „Welcher Befehl ist syntaktisch korrekt“.
Peer-Phase ohne unterschiedliche Antworten
Peers haben gleiche Antwort, Diskussion ist Echo-Kammer.
Bei breiter Streuung Paare bewusst gemischt zuteilen, oder Trios mit drei verschiedenen Antworten.
Voting nicht anonym
Lernende stimmen mit dem Lautesten ab, Verteilung verzerrt.
Voting-Tool oder Karten verdeckt. Verteilung erst nach Solo-Phase zeigen, nicht live.
Lehrender greift in Peer-Phase ein
Lehrender gibt während Peer-Diskussion Hinweise, Peers werden passiv.
Lehrender geht herum, hört zu, fragt nach. Eingreifen nur bei klar falscher Information, nicht bei Unsicherheit.
Abbruchkriterien
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