Ein klar formuliertes Leitthema mit Spannung oder Dringlichkeit liegt vor, das Teilnehmende motiviert, eigene Sessions anzubieten.
Open Space Technology
Vorbedingung
Was vorher fertig sein muss
Die einzuladenden Gruppen sind identifiziert, Diversität (Rollen, Hierarchie, Bereiche) ist sichergestellt.
Vorbereitung
Was vor Start vorliegen muss
Großer Raum mit Bestuhlung im Kreis; mindestens drei Breakout-Räume oder -Flächen; Marktplatz-Wand mit Zeit-Raum-Raster; A4-Papier und Marker für Session-Vorschläge; Pinnwände in den Breakouts; Dokumentationsvorlage je Session.
Ein Sponsor, der das Leitthema einführt und Energie hält; ein Facilitator mit Open-Space-Erfahrung; Teilnehmende (mindestens 15, ideal 30-100); freiwillige Session-Hosts; eine Dokumentations-Person pro Session.
Leitthema und Einladungstext mindestens 2 Wochen vorab; Tagesablauf mit Marktplatz-Zeiten; die vier Prinzipien und das Gesetz der zwei Füße als Einleitung; Dokumentationsanforderung pro Session.
1-3 Tage, mindestens 4 h für eine kompakte Variante
Stuhlkreis ohne Tische in der Mitte. Marktplatz-Wand mit Slots (Zeit x Raum) sichtbar. Materialien für Vorschläge am Eingang. Prinzipien als Plakat: Wer auch immer kommt; Was auch immer geschieht; Wann immer es beginnt; Wenn es vorbei ist, ist es vorbei. Plus Gesetz der zwei Füße.
Kernfrage
Die eine Frage, die diese Methode beantwortet
Welche Themen unter dem Leitthema sind den Anwesenden so wichtig, dass sie selbst eine Session leiten, und welche Ergebnisse entstehen aus selbstorganisierten Gesprächen?
Ablauf
Marker: Phase
| Schritt | Dauer | Aktion | Hinweis |
|---|---|---|---|
1Phase 1: Einführung und Eröffnung | 30-45 min | Sponsor erklärt das Leitthema und die Dringlichkeit. Facilitator stellt Prinzipien, Gesetz der zwei Füße, Marktplatz-Mechanik und Dokumentationsanforderung vor. Stuhlkreis hält die Aufmerksamkeit zentriert. | Wenn die Einführung länger als 45 min dauert, sinkt Energie für den Marktplatz. Kurze, klare Sätze. Sponsor zeigt sich danach im Plenum, nicht als Beobachter im Rücken. |
2Phase 2: Marktplatz | 30-45 min | Teilnehmende, die eine Session leiten wollen, treten in den Kreis, schreiben Thema, Name und Wunschort auf ein Blatt, pitchen in 30 s und hängen das Blatt in einen Zeit-Raum-Slot. Mehrfache Vorschläge zulässig. | Wenn nach 15 min noch keine Vorschläge da sind, Facilitator wartet ruhig. Drängen ruiniert Energie. Erste Person ist immer die schwierigste, danach öffnet sich der Marktplatz. |
3Phase 3: Session-Runden | 60-90 min pro Runde, 2-4 Runden | Teilnehmende wählen Sessions nach Interesse, wechseln frei (Gesetz der zwei Füße). Hosts moderieren, alle dokumentieren parallel mit der Vorlage. Nach jeder Runde 15 min Pause am Marktplatz. | Wenn eine Session leer bleibt, ist das ein Signal über Themenrelevanz, kein Problem. Host darf sich anderer Session anschließen. Niemand wird zu einer Session verpflichtet. |
4Phase 4: News Wall und Konvergenz | 30-45 min | Alle Session-Dokumentationen werden an der News Wall sichtbar. Teilnehmende lesen quer, markieren Themen mit Energie (Punkte). Optional Priorisierung mit Dot Voting. | Wenn Doku aussteht oder nur Stichworte enthält, ist die Phase wertlos. Vorlage muss vorab klar sein (Thema, Diskussion, nächste Schritte). |
5Phase 5: Closing Circle | 20-30 min | Stuhlkreis wieder zentral. Reihum 30 s pro Person: was nehme ich mit, was committe ich. Sponsor schließt mit Dank und nächstem Schritt für die Ergebnisse. | Closing nicht ausfallen lassen. Wenn Sponsor offen lässt, was mit den Ergebnissen passiert, war Open Space ein Termin ohne Konsequenz. |
Artefakt
Was am Ende rauskommt
News Wall als fotografierte Übersicht aller Session-Outputs, dazu pro Session eine Dokumentationsseite mit Thema, Host, Teilnehmenden, Diskussionspunkten, Entscheidungen und nächsten Schritten. Zusätzlich Closing-Notiz mit Sponsor-Commitment.
- Confluence-Space mit einer Seite pro Session
- Miro- oder Mural-Board mit Frames pro Session
- Notion-Datenbank mit Session-Einträgen und Tags
- Physische Plakate, fotografiert und in einem PDF zusammengefasst
Datum und Leitthema als Header. Pro Open Space neue Sammlung, ältere Open Spaces als Archiv-Querverweis. Followup-Sessions an die ursprünglichen Session-Notizen anhängen, damit Entwicklung sichtbar bleibt.
Open Space Technology Arbeitsvorlage
Kompakte Arbeitsvorlage für Open Space Technology mit Kontext, Input, Ergebnisartefakten und nächstem Schritt.
# Open Space Technology Arbeitsvorlage
## Ziel
Selbstorganisiertes Großgruppenformat, bei dem Teilnehmende Agenda und Sessions selbst gestalten.
## Kontext
Wann und wofür nutzen wir diese Methode?
## Input
Welche Daten, Beobachtungen, Entscheidungen oder Materialien liegen vor?
## Durchführung
Kurze Notizen entlang des Run Sheets.
## Ergebnisartefakte
- Session Marketplace:
- Proceedings:
- Action Topics:
## Annahmen und offene Fragen
- ...
## Entscheidung / Nächster Schritt
Owner, Datum und Erfolgssignal.Beispielausgabe
Konkret gefülltes Szenario
## Open Space — „Wie skalieren wir Engineering ohne Bürokratie?“, 22.05.2026
**Sponsor**: Sabine Hauser (CTO). **Teilnehmende**: 47 aus 6 Tribes. **Sessions**: 18.
### News-Wall Highlights
- **Session „Platform vs. Stream-aligned Teams“** (Host: Marlene): 12 Teilnehmende. Diskussion über Friction zwischen Plattform-Roadmap und Stream-Bedarfen. Nächster Schritt: monatliches Platform-Demo, Owner @marlene, ab 01.06.
- **Session „Wer entscheidet über Library-Versionen?“** (Host: Tobias): 8 Teilnehmende. Konflikt zwischen Sicherheit und Tempo. Entscheidung: ADR-Vorlage, Owner @tobias, bis 15.06.
- **Session „Code Review SLA“** (Host: Önder): 14 Teilnehmende. Konsens auf 24h-Response-SLA mit Eskalationspfad. Owner @oender, bis 08.06.
### Closing Commitments
Sponsor: Drei Top-Themen werden im nächsten Engineering-Allhands aufgegriffen, Ergebnisse im Tribe-Channel bis 30.06.Stolperfallen
Symptome erkennen, gegensteuern
Leitthema zu vage
Marktplatz bleibt 20 min leer, Vorschläge sind allgemein („Kommunikation verbessern“).
Vor Beginn Thema schärfen mit Spannungsfrage: was bewegt uns, was geht nicht weiter. Sponsor formuliert Dringlichkeit konkret, sonst entstehen keine Hosts.
Hierarchie blockiert Marktplatz
Nur Senior-Personen schlagen Sessions vor; Junior-Personen warten ab oder lehnen sich an.
Facilitator bittet explizit nach „Themen, die normalerweise nicht auf der Agenda landen“. Sponsor verlässt nach Eröffnung den Raum kurz, damit Hierarchie sich entspannt.
Gesetz der zwei Füße ignoriert
Teilnehmende bleiben aus Höflichkeit in unergiebigen Sessions; Hosts dehnen langweilige Diskussionen.
Gesetz vor jeder Runde wiederholen. Facilitator verlässt selbst sichtbar eine Session als Modellverhalten. „Schmetterlinge“ (zwischen Sessions) und „Hummeln“ (wechseln häufig) explizit erlauben.
Dokumentation fehlt oder fragmentiert
News Wall ist halb leer, vorhandene Seiten sind unleserlich oder nur Stichworte.
Dokumentationsvorlage als Pflicht pro Host, am Start jeder Session ausgeben. Vor Closing Circle 15 min für Doku-Fertigstellung explizit einplanen.
Sponsor verschwindet nach Eröffnung
Sponsor erscheint nur zu Beginn, kommt nicht zu Sessions, Closing wirkt zeremoniell.
Vorab mit Sponsor klären: Präsenz mindestens in zwei Sessions als Teilnehmer, nicht als Beobachter. Closing-Commitment muss inhaltlich, nicht prozedural sein.
Keine Nachverfolgung
News Wall wird fotografiert und vergessen, drei Wochen später erinnert sich niemand an Entscheidungen.
Vor Open Space klären, wer Followup verantwortet, in welchem Kanal Ergebnisse sichtbar bleiben, und wann Status-Update kommt. Sonst sinkt Teilnahme bei nächster Iteration.
Abbruchkriterien
Done-Signale, in unter einer Minute prüfbar
Run Sheet durchgearbeitet?
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