Retro-Eintrag mit Zeitraum, Teilnehmer-Namen oder Anzahl (bei Anonymität), Stickies pro Bereich (anonymisiert oder zitiert), Top-Cluster, beschlossenen Aktionen mit Owner und Datum sowie Status-Check vorheriger Aktionen.
Mad Sad Glad
Vorbereitung
Was vor Start vorliegen muss
Whiteboard oder Miro mit drei Bereichen (Mad, Sad, Glad); Stickies in drei Farben (rot, blau, gelb empfohlen); Timer; geteilte Notizfläche für Actions; ggf. Anonymitäts-Option im Online-Tool.
Ein Facilitator mit Erfahrung in emotionalen Retros; 3-10 Teammitglieder; optional externer Coach bei angespannter Lage; ein Scribe.
Zeitraum klar; Hinweis an Team, dass Format emotional ist und auf psychologische Sicherheit angewiesen; bekannte Krisen oder Veränderungen, die das Team betroffen haben; vorherige Aktionen.
30-60 min
Drei Bereiche an die Wand. Norm ansagen: Beiträge sind valide, keine Bewertung der Emotion. Online: Anonymitäts-Option erlauben, falls vom Team gewünscht. Timer auf erste Phase.
Kernfrage
Die eine Frage, die diese Methode beantwortet
Welche emotionalen Signale aus dem letzten Zeitraum verraten Lern- oder Veränderungsbedarf, und welche Aktionen folgen daraus?
Ablauf
Marker: Minute
| Schritt | Dauer | Aktion | Hinweis |
|---|---|---|---|
10-5 min | 5 min | Zeitraum nennen, Norm der Sicherheit wiederholen. Regel: jede Person 2-4 Stickies pro Bereich, ehrlich, ohne Filterung. | Diese Eröffnung ist entscheidend. Wer hastig startet, signalisiert dem Team, dass Emotionen nicht wirklich willkommen sind. |
25-20 min | 15 min | Stillarbeit: Stickies in Mad (ärgert), Sad (enttäuscht/traurig), Glad (energetisiert/dankbar). Konkrete Vorfälle, keine Allgemeinheiten. | Bei online-Retros Anonymität anbieten; bei Vor-Ort-Retros Disziplin, ohne Vorab-Erklärung zu kleben. Konkret heißt: Datum oder Vorfall, nicht „Stimmung“. |
320-35 min | 15 min | Reihum vorstellen, clustern. Bei Mad/Sad-Beiträgen Facilitator klärt mit „was steckt dahinter“, nicht „warum“. Glad-Beiträge laut benennen. | „Warum“ provoziert Verteidigung. „Was steckt dahinter“ öffnet. Glad bewusst Raum geben, sonst kippt Stimmung. |
435-50 min | 15 min | Cluster priorisieren (2 Dots pro Person). Pro Top-Cluster eine konkrete Aktion oder Erkenntnis. Maximal 3-4 Aktionen. | Nicht jeder Cluster braucht Aktion; manche brauchen Anerkennung. Glad-Cluster brauchen oft „bewusst fortsetzen“, nicht „verbessern“. |
550-60 min | 10 min | Aktionen mit Owner und Datum. Vorherige Aktionen kurz reviewen. Schluss-Runde: pro Person 1 Wort zur aktuellen Stimmung. | Schluss-Runde ist Pflicht. Wer eine Retro öffnet, sollte sie auch schließen. Ein-Wort-Check schließt den emotionalen Raum. |
Artefakt
Was am Ende rauskommt
- Miro oder FigJam mit Mad-Sad-Glad-Template
- Retrium oder TeamRetro mit Anonymitäts-Modus
- Notion-Page mit drei Sektionen
- Whiteboard-Foto plus Notes (nur bei voller Vertrauensbasis)
Pro Retro ein Eintrag in Serie. Sensible Inhalte mit Bedacht teilen, ggf. nur intern; Aktionen in geteiltes Trackingsystem überführen. Muster über mehrere Retros sichtbar machen.
Mad Sad Glad Arbeitsvorlage
Kompakte Arbeitsvorlage für Mad Sad Glad mit Kontext, Input, Ergebnisartefakten und nächstem Schritt.
# Mad Sad Glad Canvas
## Kontext
Wofür wird die Methode eingesetzt?
## Kernfrage
Welche Frage soll am Ende beantwortet sein?
## Input
Welche Daten, Beobachtungen oder Materialien liegen vor?
## Arbeitsfläche
- Bereich 1:
- Bereich 2:
- Bereich 3:
- Beziehungen / Muster:
## Ergebnisartefakte
- Emotion Board:
- Themes:
- Action Items:
## Offene Fragen
- ...
## Nächster Schritt
Owner, Datum, Erfolgssignal.Beispielausgabe
Konkret gefülltes Szenario
## Mad-Sad-Glad — Team Discovery, nach Reorg (18.05.2026, 55 min, 8 Personen)
**Mad (Top-Cluster)**:
- Neue Reporting-Struktur ohne Vorab-Konsultation (5 Stickies, anonym).
- 3 wechselnde PMs in 4 Monaten (4 Stickies).
**Sad**:
- Verlust von @julia, die das Team durch Q1 trug (5 Stickies).
- Verlust des Mittwochs-Lunch-Rituals (3 Stickies).
**Glad**:
- @anna übernimmt PM-Rolle und zeigt sofort Klarheit (6 Stickies).
- Discovery-Doppel-Sprint hat trotz Reorg gehalten (4 Stickies).
- Neue Beziehung zum Plattform-Team (3 Stickies).
**Aktionen**:
1. Wir schreiben Lessons-Learned-Memo zur Reorg-Kommunikation und teilen mit Leadership (Owner: @ben, bis 25.05., Erfolg: schriftliche Antwort von @marcus).
2. Mittwochs-Lunch-Ritual wiederbeleben (Owner: @lisa, ab 22.05.).
3. Onboarding für @anna fixieren mit klaren Erwartungen (Owner: @ben + @anna, bis 22.05.).
**Stimmung Schluss**: erschöpft, hoffnungsvoll, neugierig, müde, dankbar, gelassen, nachdenklich, fokussiert.Stolperfallen
Symptome erkennen, gegensteuern
Sicherheit nicht hergestellt
Beiträge bleiben in Glad gefällig, Mad und Sad sind leer.
Anonymitäts-Option anbieten. Facilitator startet selbst mit ehrlichem Beitrag. Wenn Team grundsätzlich nicht öffnet, kleineres Format zuerst (1:1-Gespräche).
Emotionen werden gemanagt
Facilitator versucht negative Beiträge weg-zu-reframen oder zu lösen.
Erst zuhören, dann clustern, dann Aktionen. Manche Beiträge brauchen nur Anerkennung. Nicht alles muss „gelöst“ werden.
Mad ohne Mechanismus
Wut richtet sich auf Personen oder ist diffus, ohne erkennbare Hebel.
Frage „was steckt dahinter“ statt „wer ist schuld“. Person-Themen separat behandeln, nicht in Retro.
Glad ignoriert
Mad und Sad bekommen die Zeit, Glad wird durchgehetzt.
Mindestens 30% der Diskussionszeit für Glad. Was funktioniert, ist wichtiger zu bewahren als zu reparieren.
Keine Schluss-Runde
Termin endet abrupt nach harten Themen, Team geht emotional offen raus.
Schluss-Runde ist nicht verhandelbar. Ein Wort pro Person. Wenn Zeit fehlt, lieber Aktion kürzer, Schluss-Runde voll.
Abbruchkriterien
Done-Signale, in unter einer Minute prüfbar
Run Sheet durchgearbeitet?
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