methodatlas
Run SheetProduct DiscoveryCustomer Needs

Jobs to Be Done

KomplexitätMedium
Zeit1-3 Wochen
Teilnehmende5-12 Interviews
FormatBoth
MaturityCanonical
01

Vorbedingung

Was vorher fertig sein muss

Vorher abschließenRecruiting-Plannicht im Katalog

Eine Liste von mindestens 8 Personen, die einen Wechsel oder Kauf in den letzten 90 Tagen vollzogen haben, mit Termin und Vergütung.

Ohne: Ohne frische Wechsler bleiben die Interviews bei rationalisierten Erinnerungen, die Switching Forces sind nicht rekonstruierbar.
Vorher abschließenProblem Framing Workshop

Ein klar abgegrenzter Untersuchungsbereich (Produktkategorie oder Job-Hypothese) liegt schriftlich vor.

Ohne: Ohne Fokus driftet das Sample in unverbundene Use Cases und die Synthese liefert keine vergleichbaren Jobs.
02

Vorbereitung

Was vor Start vorliegen muss

Materialien

Interview-Leitfaden mit Forces-of-Progress-Linse; Aufnahmegerät (mit Einwilligung); Transkriptions-Tool (Otter, Whisper); Synthese-Board (Miro mit Timeline und Forces-Achsen); Interview-Slots im Kalender.

Personen / Rollen

Ein Interviewer mit Erfahrung in offenen Interviews; ein Notetaker pro Session; ein Synthese-Lead für die spätere Auswertung; mindestens zwei weitere Stakeholder als Beobachter über das Sample verteilt.

Vorabinfos

Hypothesen über den Job; Konkurrenz-Produkte und mögliche Alternativen (auch nicht-digitale); Switch-Trigger aus früheren Daten (Support, Surveys); Einwilligungsformulare.

Zeitbedarf

60 min pro Interview, 8-12 Interviews insgesamt, 1-2 Tage Synthese

Setup

Pro Interview Slot mit Notetaker. Aufnahme-Setup vorher testen. Leitfaden chronologisch entlang First Thought -> Passive Looking -> Active Looking -> Decision -> First Use -> Habit. Synthese-Termin direkt nach letztem Interview blocken.

03

Kernfrage

Die eine Frage, die diese Methode beantwortet

Welcher konkrete Job haben Wechsler eingestellt, um Fortschritt zu machen, und welche vier Kräfte haben sie zum aktuellen Produkt geführt?

04

Ablauf

Marker: Phase

SchrittDauerAktionHinweis
1Phase 1: Sample sichern
1 Woche vorab8-12 Wechsler rekrutieren, die in den letzten 90 Tagen eine Entscheidung getroffen haben. Sample über zwei oder drei Segmente streuen, nicht nur Power-User.Ohne frische Entscheidung verfälschen sich Erinnerungen. Wer länger als 90 Tage zurück gewechselt hat, rationalisiert nachträglich.
2Phase 2: Timeline-Interviews
60 min pro PersonChronologisch durch die Wechselgeschichte gehen: erster Gedanke, passives Schauen, aktives Suchen, Entscheidung, erste Nutzung, Gewohnheit. Konkrete Daten, Orte und Trigger einfordern.Wer mit „warum hast du gekauft“ einsteigt, bekommt Marketing-Antworten. Erster Gedanke gehört ans Ende der Timeline, nicht an den Anfang.
3Phase 3: Forces of Progress
20 min pro Interview, danach im WorkshopPro Interview die vier Kräfte rekonstruieren: Push (Frust mit Status quo), Pull (Anziehung neues Produkt), Anxiety (Sorgen), Habit (Beharrung). Mit Zitat-Belegen.Wenn nur Push und Pull stark sind, fehlt Tiefe. Anxiety und Habit machen den Unterschied zwischen wechselwilligem Interessenten und tatsächlichem Wechsler.
4Phase 4: Job-Synthese
4-6 h WorkshopQuer über alle Interviews Muster suchen. Job-Statement formulieren: „Wenn [Situation], möchte ich [Motivation], damit [erwartetes Ergebnis]“. Pro Job die typischen Forces zusammenfassen.Drei bis fünf Jobs sind realistisch. Wenn ein Workshop 15 Jobs identifiziert, sind viele davon Tasks, keine Jobs. Aggregieren auf höheren Outcome.
5Phase 5: Implikationen
1-2 hPro priorisiertem Job konkrete Implikationen: Positionierung, Messaging, Feature-Hypothesen, neue Hire-Trigger im Marketing. Mit Owner und Folge-Schritt.Wenn keine konkreten Implikationen rauskommen, war Interview zu oberflächlich oder Synthese zu generisch. Lieber nachschärfen statt vage abschließen.
05

Artefakt

Was am Ende rauskommt

Form

JTBD-Studie mit Methodik, Sample-Beschreibung, Job-Statements, Forces-Diagrammen pro Job, Schlüsselzitaten, Implikationen für Produkt, Marketing und Sales sowie offenen Fragen für Folge-Discovery.

Tool-Alternativen
  • Miro mit Timeline und Forces-Templates
  • Dovetail oder EnjoyHQ für Transkript-Tagging und Synthese
  • Notion- oder Confluence-Studienseite mit Audio-Links
  • Airtable für Sample-Tracking und Zitat-Datenbank
Versionierung / Ownership

Studie als eigenständiges Dokument mit Datum und Sample-Größe. Job-Statements bekommen IDs (JOB-01, JOB-02), die in Roadmap und Backlog referenziert werden. Folge-Studien als neue Version, alte nicht überschreiben.

markdown

Jobs to Be Done Arbeitsvorlage

Kompakte Arbeitsvorlage für Jobs to Be Done mit Kontext, Input, Ergebnisartefakten und nächstem Schritt.

# Jobs to Be Done Arbeitsvorlage

## Ziel

Rahmt Nachfrage über den Fortschritt, den Kundinnen und Kunden erreichen wollen.

## Kontext

Wann und wofür nutzen wir diese Methode?

## Input

Welche Daten, Beobachtungen, Entscheidungen oder Materialien liegen vor?

## Durchführung

Kurze Notizen entlang des Run Sheets.

## Ergebnisartefakte
- Job Stories:
- Outcome Statements:
- Opportunity List:

## Annahmen und offene Fragen

- ...

## Entscheidung / Nächster Schritt

Owner, Datum und Erfolgssignal.
06

Beispielausgabe

Konkret gefülltes Szenario

jtbd-beispiel.md
markdown
## JTBD-Studie — Wechsler zu „Rechnungstool X“ (Mai 2026)

**Sample**: 11 Solo-Selbstständige, in den letzten 60 Tagen von Excel oder Konkurrent gewechselt.

**Job 01**: Wenn ich am Monatsende mehrere Rechnungen gleichzeitig versenden muss, möchte ich wiederkehrende Kunden mit korrekten Steuerregeln in einem Durchgang abrechnen, damit ich nicht jede Rechnung einzeln prüfen muss.

**Forces (Job 01)**:
- Push: „Mir ist dreimal in zwei Monaten eine falsche USt rausgegangen“ (P3, P7, P9).
- Pull: „Ich wollte etwas, das die Reverse-Charge selbst erkennt“ (P3, P5).
- Anxiety: „Was, wenn das Tool meine Daten ans Finanzamt schickt“ (P2, P11).
- Habit: „Excel ist offen, ich kenne jede Zelle“ (P4, P9).

**Implikationen**:
- Onboarding muss in den ersten 5 min die Steuerautomatik zeigen (Owner: @lisa).
- Datenschutz-Modul prominent auf Landing Page (Owner: @marcus).
- Excel-Importer als erster Schritt im Setup (Owner: @ben).

**Offen**: Wechseln Wechsler im Sommer anders als im Januar? Folge-Welle Q4.
07

Stolperfallen

Symptome erkennen, gegensteuern

Falle

Sample ohne Wechsler

Symptom

Interviews mit Bestandsnutzern oder Interessenten, Forces können nicht rekonstruiert werden.

Was tun

Recruiting strikt auf abgeschlossene Wechsel der letzten 90 Tage. Interessenten und Loyalisten in separate Studien, nicht in dieselbe Synthese mischen.

Falle

Frage „Warum?“ statt Rekonstruktion

Symptom

Antworten klingen wie Marketing-Slogans, keine konkreten Trigger, Orte oder Personen.

Was tun

Strikt chronologisch: was passierte, wo warst du, wer war dabei. „Warum“ erst nach der Timeline. Konkretheit erzwingt Erinnerung statt Rationalisierung.

Falle

Job als Feature formuliert

Symptom

Job-Statement enthält Produktname oder Feature („nutze Slack, um zu chatten“).

Was tun

Job ist produktunabhängig. Frage: was würde der Nutzer tun, wenn das Produkt nicht existierte. Diese Alternative offenbart den eigentlichen Job.

Falle

Nur Push und Pull, keine Anxiety

Symptom

Forces-Diagramm ist einseitig, Wechsel wirkt scheinbar einfach, in der Praxis bleibt Conversion niedrig.

Was tun

In jedem Interview explizit nach Bedenken, Verzögerungen, Beinahe-Abbrüchen fragen. Ohne Anxiety- und Habit-Daten ist die Synthese unvollständig.

Falle

Synthese ohne Beobachter

Symptom

Lead synthetisiert allein, Findings spiegeln eine Sicht, Stakeholder lehnen Ergebnisse als „Bauchgefühl“ ab.

Was tun

Mindestens drei Personen aus Produkt, Marketing und Sales über das Sample verteilt als Beobachter. Synthese im Team mit Zitatbelegen, nicht solo.

Falle

Sample zu klein für Pattern

Symptom

Drei Interviews, drei verschiedene Jobs, keine Bestätigung.

Was tun

Mindestens 8 Interviews pro Segment, sonst wird ein Einzelfall zu einem Job hochstilisiert. Bei klarer Sättigung früher stoppen, bei Streuung weiter sampeln.

08

Abbruchkriterien

Done-Signale, in unter einer Minute prüfbar

Kein Sample mit Wechselentscheidung in den letzten 90 Tagen erreichbar.
Interview-Slots nicht für mindestens 60 min planbar, Timeline ist nicht durchführbar.
Keine Einwilligung für Aufnahme oder Transkription, Synthese ist nicht belegbar.
Untersuchungsbereich umfasst mehrere disjunkte Kategorien, Jobs sind nicht vergleichbar.
Kein Synthese-Lead mit JTBD-Erfahrung verfügbar, Auswertung wird zur Feature-Diskussion.
Stakeholder akzeptieren nur quantitative Evidenz, qualitative Findings werden ignoriert.

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