Eine endliche Menge an Optionen (Ideen, Themen, Initiativen) ist gut sichtbar an einer Wand oder einem Board, jede Option als Stickie oder Karte verständlich beschriftet.
Dot Voting
Vorbedingung
Was vorher fertig sein muss
Die Voting-Frage ist eindeutig formuliert („Welche 3 Ideen sollten wir als nächstes prototypen?“), nicht „welche Idee gefällt euch?“.
Vorbereitung
Was vor Start vorliegen muss
Klebepunkte (3-7 pro Person, je nach Optionen-Menge), bei digital Tool mit Voting-Funktion (Miro, FigJam, Mural); Whiteboard mit Optionen sichtbar; Timer.
Ein Facilitator zum Erklären der Regeln und Counting; alle Workshop-Teilnehmer als Voter; optional Note-Taker für Diskussion nach Voting.
Anzahl der Optionen; geplante Voting-Frage; Stimmen-Anzahl (Faustregel: ~1/3 der Optionen, max 5-7 Stimmen pro Person); ob Multi-Voting auf einer Option erlaubt ist.
5-15 min
Optionen gut sichtbar. Voting-Frage groß über den Optionen. Stimmen-Anzahl ansagen. Regel: alle Stimmen verbrauchen, Stille während Voting, kein Lobbying. Timer auf 3-5 min Voting-Zeit.
Kernfrage
Die eine Frage, die diese Methode beantwortet
Welche Optionen erhalten die meiste Unterstützung der Gruppe, und wo zeigt sich Konsens oder Polarisierung?
Ablauf
Marker: Phase
| Schritt | Dauer | Aktion | Hinweis |
|---|---|---|---|
1Phase 1: Voting-Frage und Regeln | 2-3 min | Voting-Frage laut wiederholen und groß sichtbar machen. Stimmen-Anzahl pro Person ansagen. Erklären: Multi-Voting auf einer Option möglich oder nicht (je nach Setup). | Wenn Voting-Frage unklar, klären bevor Voting startet. Sonst votet jeder nach anderen Kriterien und Ergebnis ist Müll. |
2Phase 2: Sichten der Optionen | 2-3 min | Alle lesen die Optionen still durch. Bei Unklarheit zu einer Option kurze Klärung durch Verfasser, keine Diskussion über Bewertung. | Ohne Sichten votet man nach Aufmerksamkeit (was zuerst gesehen wurde). Lesen-Phase ist Pflicht für faire Bewertung. |
3Phase 3: Stilles Voten | 3-5 min | Jeder verteilt Punkte still. Kein Reden, kein Beobachten anderer (Anchoring vermeiden). Bei digital: gleichzeitig voten oder Stimmen erst am Ende sichtbar machen. | Reden während Voting beeinflusst andere. Wer als erster auf Idee X klebt, zieht andere Stimmen an. Stille ist nicht-verhandelbar. |
4Phase 4: Ergebnis sichten | 3-5 min | Stimmen sichtbar machen. Top-Optionen identifizieren. Konsens (viele Stimmen, viele Voter) vs. Polarisierung (viele Stimmen, wenige Voter mit vielen Punkten) markieren. | Eine Option mit 10 Stimmen von einer Person ist nicht Konsens. Voter-Anzahl pro Option ist wichtiger als Stimmen-Summe. |
5Phase 5: Diskussion und Folgeaktion | 5-10 min | Top-Optionen besprechen: warum diese, welche überrascht? Über Ausreißer reden (Optionen mit nur einer Stimme von einer wichtigen Stimme können relevant sein). Owner für Top-3 benennen. | Dot Voting ist nicht Entscheidung, sondern Vorauswahl für Decider oder weiteres Verfahren. Kommunizieren, dass Voting Signal liefert, nicht Befehl. |
Artefakt
Was am Ende rauskommt
Optionen-Liste mit Stimmen-Anzahl pro Option und Voter-Anzahl, daraus abgeleitete Shortlist mit Top-3-5 Optionen und Folge-Aktion mit Owner; optional Diskussions-Notizen zu Konsens vs. Polarisierung.
- Physische Klebepunkte in 1-2 Farben
- Miro oder FigJam mit Voting-Plugin
- Mural mit Voting-Session
- Slido oder Mentimeter für asynchrone Versionen
- Trello mit Voting-Power-Up
Bei wiederholtem Voting auf gleichen Optionen (z. B. nach Diskussion oder neuen Daten) eigene Voting-Runde mit Zeitstempel. Vergleich zwischen Runden zeigt Meinungsverschiebung.
Workshop Agenda
Kompakte Agenda-Vorlage für Methodenketten mit Timebox, Zweck und Output.
# Workshop Agenda
**Ziel:** ...
**Teilnehmende:** ...
**Dauer:** ...
| Zeit | Methode | Zweck | Output |
|---|---|---|---|
| 00:00 | Check-in | Fokus setzen | Gemeinsamer Start |
| 00:10 | How Might We | Ideationsfragen | HMW-Liste |
| 00:35 | Brainwriting | Ideen erzeugen | Idea Pool |
| 01:10 | Dot Voting | Auswahl vorbereiten | Priorisierte Ideen |
| 01:30 | Storyboarding | Konzept greifbar machen | Storyboard |
## Abschluss
Entscheidung, Owner, nächster Test.Beispielausgabe
Konkret gefülltes Szenario
## Dot Voting — Brainstorming-Shortlist Onboarding (KW 19/2026)
**Voting-Frage**: „Welche 3 Ideen sollten wir als nächstes prototypen?“
**Optionen**: 8 Cluster aus Brainstorming
**Voter**: 7 Personen × 3 Stimmen = 21 Punkte
### Ergebnis
| Option | Stimmen | Voter-Anzahl | Bemerkung |
|---|---|---|---|
| Vorausgefüllte Demo-Daten | 8 | 6 | Klarer Konsens |
| DATEV-Export prominenter | 5 | 4 | Solide Unterstützung |
| Migrations-Magic | 4 | 3 | Polarisiert (1 Person 3 Stimmen) |
| Erste-Schritte-Wizard | 2 | 2 | Schwächer |
| Personalisiertes Onboarding | 1 | 1 | Outlier |
| Live-Coach | 1 | 1 | Outlier |
| Tutorial vor Ort | 0 | 0 | Niemand |
| Aha-Trailer-Video | 0 | 0 | Niemand |
### Interpretation
- **Konsens**: Vorausgefüllte Demo-Daten und DATEV-Export prominent (4+ Voter)
- **Polarisierung**: Migrations-Magic - wertvoll oder Niche? Diskussion verraten Annahmen-Konflikt über Aufwand
- **Outlier**: Personalisiertes Onboarding hatte nur 1 Stimme, aber von Marcus (Sales-Lead). Sein Argument: B2B-Kunden erwarten das. Folge: separater Discovery-Pfad statt Top-3
### Top-3 für Prototyping (Owner)
1. Vorausgefüllte Demo-Daten (Owner: @lisa, Prototyp KW 22)
2. DATEV-Export prominenter (Owner: @anna, Solution-Sprint KW 21)
3. Migrations-Magic (Owner: @ben, Discovery-Spike KW 22 - zuerst Aufwand klären)Stolperfallen
Symptome erkennen, gegensteuern
Voting-Frage unklar
Jeder votet nach anderen Kriterien (Lieblings-Idee vs. machbarste vs. wichtigste).
Frage explizit und einzelne Dimension („als nächstes prototypen“, „mit höchstem Impact“, „mit niedrigstem Aufwand“). Nicht mehrere Dimensionen in einem Voting.
Anchoring durch erste Stimmen
Erste Stimme auf Option X zieht weitere Stimmen an, Bandwagon-Effekt.
Gleichzeitig voten (digital: Stimmen erst am Ende sichtbar). Physisch: Stille und Schnelligkeit fördern, kein Beobachten anderer.
Lautstärke vor Punkten
Lobbying vor Voting verzerrt Stimmen. Wer lauter argumentiert, gewinnt.
Sichtungs-Phase still halten. Diskussion vor Voting nur zur Klärung, nicht zur Überzeugung. Voting ist Bauchgefühl-Snapshot.
Voting als Entscheidung
Top-Voted-Option wird sofort implementiert, ohne Sanity-Check.
Klar kommunizieren: Voting ist Signal für Decider, nicht Demokratie. Top-Optionen werden vom Decider mit zusätzlichen Kriterien bewertet.
Zu viele Stimmen pro Person
Bei 10 Optionen vergibt jeder 7 Stimmen, alle Optionen bekommen Punkte, keine Schärfe.
Faustregel: 1/3 der Optionen, max 5-7 Stimmen. Bei 10 Optionen 3 Stimmen, bei 20 Optionen 5-6 Stimmen. Knappheit erzwingt Priorisierung.
Abbruchkriterien
Done-Signale, in unter einer Minute prüfbar
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