Concept Map als Bild oder digitale Map plus Markdown mit Fokusfrage, Konzeptliste, Verbindungen mit Beschriftung, Cluster-Notizen, Lücken-Liste und offenen Folgefragen mit Owner.
Concept Mapping
Vorbereitung
Was vor Start vorliegen muss
Whiteboard oder Miro-Board mit großer freier Fläche; Haftnotizen für Konzepte; Marker für gerichtete Beschriftungen auf Verbindungen; geteilte Fokusfrage oben; Timer.
Ein Facilitator, der Konzeptkern und Verbindungen führt; ein bis acht Teilnehmer mit Fach- oder Lernhintergrund; ein Scribe für Lücken-Liste und Folgefragen.
Fokusfrage als ein Satz; bestehende Glossare, Modelle oder Forschungsnotizen; Definition, was als Konzept zählt (Substantiv oder Substantiv-Phrase, kein Verb); Zielgruppe der Map (intern, didaktisch, etc.).
1-2 h
Fokusfrage oben am Board. Beispielkonzept und Beispielverbindung („Konzept A — beeinflusst — Konzept B“) sichtbar. Regel: jede Verbindung trägt ein Verb oder eine Beziehungsbezeichnung.
Kernfrage
Die eine Frage, die diese Methode beantwortet
Welche Konzepte gehören zur Fokusfrage, wie hängen sie semantisch zusammen, und wo zeigen sich Wissenslücken oder Widersprüche?
Ablauf
Marker: Phase
| Schritt | Dauer | Aktion | Hinweis |
|---|---|---|---|
1Phase 1: Fokusfrage und Kernkonzept | 10-15 min | Fokusfrage laut lesen. Kernkonzept (zentraler Begriff) in die Mitte des Boards. Bei Bedarf zwei oder drei zentrale Konzepte, wenn die Fokusfrage mehrere Achsen hat. | Wenn Kernkonzept unklar bleibt, hat die Fokusfrage mehrere Subfragen. Erst eingrenzen, dann mappen. |
2Phase 2: Konzepte sammeln | 15-25 min | Brainwriting-Solo 5 min: jede Person schreibt mindestens 10 Konzepte zur Fokusfrage. Anschließend Kleben rund um Kernkonzept. Duplikate konsolidieren. | Konzepte sind Substantive oder Substantiv-Phrasen, keine Verben oder ganzen Sätze. Wer „verbessern“ schreibt, formuliert um zu „Verbesserungsschleife“. |
3Phase 3: Beziehungen benennen | 30-45 min | Verbindungslinien ziehen, jede mit Beschriftung als Verb oder Beziehungsphrase („beeinflusst“, „besteht aus“, „verursacht“, „ist Voraussetzung für“). Pro Verbindung Richtung als Pfeil. | Verbindungen ohne Beschriftung sind wertlos. Die Beschriftung trägt die eigentliche Semantik der Map. |
4Phase 4: Struktur und Lücken prüfen | 15-20 min | Map gemeinsam durchgehen. Cluster bilden, Hierarchie sichtbar machen (übergeordnete Konzepte oben). Lücken oder Widersprüche markieren. | Eine Konzept-Map mit nur wenigen Querverbindungen ist meist eine Hierarchie, kein Netz. Querverbindungen sind die wertvolle Erkenntnis. |
5Phase 5: Folgefragen und Owner | 10-15 min | Pro Lücke oder Widerspruch eine Folgefrage formulieren. Owner und Frist festhalten. Map exportieren und im Wissensspeicher ablegen. | Lücken sind oft die Themen, an denen das Team gerade lernt. Festhalten lohnt sich auch ohne sofortige Auflösung. |
Artefakt
Was am Ende rauskommt
- Miro oder FigJam mit freier Concept-Map-Fläche
- CmapTools für klassische Concept Maps
- draw.io mit Graph-Layout
- Obsidian Graph View für Notizen-basierte Maps
Pro Fokusfrage eigene Map mit Datum. Wachsende Map regelmäßig versionieren (z. B. quartalsweise) und Delta dokumentieren. Bei größeren Umbauten neue Version, alte als Snapshot behalten.
Concept Mapping Arbeitsvorlage
Kompakte Arbeitsvorlage für Concept Mapping mit Kontext, Input, Ergebnisartefakten und nächstem Schritt.
# Concept Mapping Canvas
## Kontext
Wofür wird die Methode eingesetzt?
## Kernfrage
Welche Frage soll am Ende beantwortet sein?
## Input
Welche Daten, Beobachtungen oder Materialien liegen vor?
## Arbeitsfläche
- Bereich 1:
- Bereich 2:
- Bereich 3:
- Beziehungen / Muster:
## Ergebnisartefakte
- Concept Map:
- Relationship Labels:
- Knowledge Gaps:
## Offene Fragen
- ...
## Nächster Schritt
Owner, Datum, Erfolgssignal.Beispielausgabe
Konkret gefülltes Szenario
## Concept Map — Customer Activation bei B2B-SaaS (17.05.2026)
**Fokusfrage**: Was beeinflusst die Activation Rate neuer B2B-SaaS-Kunden in den ersten 30 Tagen?
**Kernkonzept**: Activation Rate
**Konzepte (Auszug, 28 insgesamt)**: Onboarding-Flow, Aha-Moment, Time-to-First-Value, Decision Maker, End User, Setup-Hilfe, Integrationen, Datenmigration, Champion, Sales-CS-Handoff.
**Verbindungen (Auszug)**:
- Onboarding-Flow → beeinflusst → Time-to-First-Value
- Time-to-First-Value → korreliert mit → Activation Rate
- Champion → ist Voraussetzung für → erfolgreiche Datenmigration
- Sales-CS-Handoff → beeinflusst → Erwartungen → beeinflusst → Onboarding-Erleben
**Lücken**: Zusammenhang Datenmigration ↔ Aha-Moment nicht klar. Folgefrage: Welche Daten löst den Aha-Moment aus? Owner: @lisa, Spike bis 30.05.
**Widerspruch**: Champion-Konzept passt nicht zu Self-Service-Segment. Folgefrage: Existiert Activation überhaupt im Self-Service-Pfad gleich, oder anders? Owner: @anna.Stolperfallen
Symptome erkennen, gegensteuern
Konzepte sind Verben oder Sätze
Sticker enthalten „Kunden aktivieren“ oder „besser onboarden“, Map verliert semantische Klarheit.
Konzept-Definition vor Phase 2 wiederholen: Substantiv oder Substantiv-Phrase. Bei Falschnotation sofort umformulieren.
Unbeschriftete Verbindungen
Linien zwischen Konzepten ohne Beschriftung, Map wird Mindmap.
Strikte Regel: keine Linie ohne Verb oder Beziehung. Facilitator pausiert die Phase, wenn unbeschriftete Linien auftauchen.
Map als Inventarliste
Viele Konzepte, kaum Verbindungen, Map dokumentiert nur Begriffe statt Zusammenhänge.
Phase 3 deutlich länger als Phase 2 ansetzen. Querverbindungen explizit verlangen (mindestens drei pro zentrales Konzept).
Zu großer Scope
Fokusfrage deckt mehrere Domänen ab, Map wird unleserlich groß.
Fokusfrage in 2-3 Sub-Fragen splitten, pro Sub-Frage eigene Map. Hauptmap zeigt Beziehungen zwischen Sub-Maps.
Lücken werden nicht als Lernchancen genutzt
Map wird abgeschlossen, ohne Folgefragen oder Owner für Wissenslücken.
Phase 5 erzwingen. Mindestens drei Folgefragen mit Owner und Datum, bevor die Session endet.
Abbruchkriterien
Done-Signale, in unter einer Minute prüfbar
Run Sheet durchgearbeitet?
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