methodatlas
Run SheetSystems ThinkingFeedback Mapping

Causal Loop Diagram

KomplexitätMedium
Zeit1-3 h
Teilnehmende2-8
FormatWorkshop
MaturityEstablished
01

Vorbedingung

Was vorher fertig sein muss

Vorher abschließenIceberg Model

Es liegen Hinweise auf wiederkehrende Patterns oder Strukturen vor, die ueber einzelne Events hinausgehen.

Ohne: Ohne Hinweise auf strukturelle Muster bleibt das CLD eine Kausalkette ohne Feedback und damit redundant zur 5-Whys.
Vorher abschließenVariable-Listenicht im Katalog

Eine erste Liste relevanter Variablen mit klarer Richtung (mehr oder weniger) ist vorbereitet, sodass das Modell mit Substanz startet.

Ohne: Ohne Variablen muss der Workshop Definitionsarbeit leisten, die Diagrammqualitaet bleibt niedrig.
02

Vorbereitung

Was vor Start vorliegen muss

Materialien

Whiteboard oder Miro-Board; Pfeile mit Vorzeichen (+/-) und Loop-Labels (R fuer reinforcing, B fuer balancing); Notation-Cheatsheet sichtbar; Variablenliste vorbereitet.

Personen / Rollen

Ein Facilitator mit Systemdenken-Hintergrund; 3-6 Teilnehmende mit unterschiedlichem Systemwissen; ein Modell-Schreiber, der Pfeile konsistent setzt; optional Domainexperte.

Vorabinfos

Datenpunkte oder Berichte, die das vermutete Verhalten ueber Zeit zeigen; relevante Hypothesen ueber Ursachen; vorhandene Quick Fixes und ihr (gescheiterter) Erfolg.

Zeitbedarf

2-4 h

Setup

Notation-Legende sichtbar: Pfeil mit + bedeutet gleiche Richtung (mehr A -> mehr B), Pfeil mit - bedeutet entgegengesetzt. R-Loops verstaerken, B-Loops balancieren. Regel: jede Variable ist eine messbare Groesse, kein Adjektiv.

03

Kernfrage

Die eine Frage, die diese Methode beantwortet

Welche Feedback Loops erzeugen das beobachtete Verhalten, und welcher Hebel innerhalb des Systems verschiebt es nachhaltig?

04

Ablauf

Marker: Phase

SchrittDauerAktionHinweis
1Phase 1: Verhalten ueber Zeit
30 minReference Mode skizzieren: Verhalten der Schluesselvariable ueber Zeit als Graph (Vergangenheit plus erwartete Zukunft). Beobachtetes und gewuenschtes Verhalten beide einzeichnen.Wenn niemand das Verhalten ueber Zeit skizzieren kann, fehlen Daten. Modell ohne Reference Mode wird Theorie ohne Bodenhaftung.
2Phase 2: Variablen sammeln
30 minPro Variable eine Karte. Variablen sind messbar (Anzahl, Rate, Anteil), nicht Eigenschaften. „Motivation“ wird zu „Zustimmungsrate pro Umfrage“. Etwa 8-15 Variablen.Wenn Variablen nicht messbar formuliert sind, fuehrt das Modell zu unklaren Pfeilen. Mindeststandard: ich koennte die Variable theoretisch beziffern.
3Phase 3: Kausalpfeile
60 minPfeile zwischen Variablen ziehen, jeder mit Vorzeichen. Testen: wenn A steigt, was passiert mit B, alles andere gleich? Nur direkte Kausalitaeten, keine Mehrfach-Schritte.Wenn Pfeil unsicher ist, Annahme als Fragezeichen markieren. Mehrere Schritte zwischen A und B sind oft versteckte Variablen, die hinzugefuegt werden muessen.
4Phase 4: Loops identifizieren
45 minGeschlossene Schleifen finden. Pro Schleife Vorzeichen multiplizieren: gerade Anzahl Minus = R (reinforcing), ungerade = B (balancing). Loop-Label und Charakter (Wachstum, Stabilisierung, Verzoegerung) notieren.Bei mehreren Loops zentrale identifizieren. Wenn nur Reinforcing-Loops auftauchen, fehlen Balancing-Mechanismen, das System wuerde explodieren oder Kollaps zeigen.
5Phase 5: Hebelpunkte und Interventionen
30 minPro Top-Loop Leverage Points diskutieren (Donella Meadows: Parameter, Loop-Staerken, Loop-Struktur, Ziele, Paradigmen). Pro Hebelpunkt eine konkrete Intervention skizzieren.Parameter-Aenderungen sind die niedrigste Hebelstufe. Wenn alle Interventionen Parameter sind, fragt der Facilitator nach struktur- oder zielbezogenen Hebeln.
05

Artefakt

Was am Ende rauskommt

Form

Causal Loop Diagram als Bild plus Markdown-Begleitdokument mit Reference Mode, Variablenliste, Pfeilliste mit Vorzeichen, Loop-Beschreibung (R/B, Effekt), identifizierten Hebelpunkten und Interventionsskizzen.

Tool-Alternativen
  • Miro oder FigJam mit eigener Notation
  • Kumu fuer interaktive Loop-Visualisierung
  • Vensim oder Stella fuer formale Simulation
  • Loopy (ncase.me/loopy) fuer animierte Modelle
  • draw.io oder Lucidchart mit System-Dynamics-Library
Versionierung / Ownership

Pro Iteration eigene Version mit Datum. Modell-Aenderungen mit Begruendung dokumentieren. Hypothesen-Pfeile separat von belegten Pfeilen kennzeichnen, sodass Modellqualitaet sichtbar bleibt.

canvas

Causal Loop Diagram Arbeitsvorlage

Kompakte Arbeitsvorlage für Causal Loop Diagram mit Kontext, Input, Ergebnisartefakten und nächstem Schritt.

# Causal Loop Diagram Canvas

## Kontext

Wofür wird die Methode eingesetzt?

## Kernfrage

Welche Frage soll am Ende beantwortet sein?

## Input

Welche Daten, Beobachtungen oder Materialien liegen vor?

## Arbeitsfläche

- Bereich 1:
- Bereich 2:
- Bereich 3:
- Beziehungen / Muster:

## Ergebnisartefakte
- Causal Loop Diagram:
- Feedback Notes:
- Leverage Points:

## Offene Fragen

- ...

## Nächster Schritt

Owner, Datum, Erfolgssignal.
06

Beispielausgabe

Konkret gefülltes Szenario

causal-loop-diagram-beispiel.md
markdown
## Causal Loop Diagram - Stockphaenomen Onboarding Workspot, Mai 2026

**Beobachtetes Verhalten**: Activation-Rate steigt nach Marketingschub kurz, faellt dann unter Vorperiode. Reference Mode zeigt Sageblattmuster (Spike, Drop, Spike, Drop).

**Variablen (Auszug)**
- A: Neu-Anmeldungen pro Woche
- B: Onboarding-Wartezeit auf Customer Success (Stunden)
- C: Activation-Rate (Wert pro Anmeldung)
- D: Churn-Rate Monat 1
- E: Customer-Success-Kapazitaet
- F: Marketingbudget pro Quartal

**Kausalpfeile**
- F -> A (+): Mehr Budget mehr Anmeldungen.
- A -> B (+): Mehr Anmeldungen verlaengern Wartezeit (CS-Kapazitaet fix).
- B -> C (-): Lange Wartezeit senkt Activation.
- C -> D (-): Niedrige Activation erhoeht Monat-1-Churn.
- D -> F (+): Hoher Churn erzeugt Druck, Marketing fuer Ersatznutzer hochzuschrauben.

**Loops**
- R1: F -> A -> B -> C -> D -> F. Reinforcing-Loop „Churn-Spirale“: Mehr Marketing erzeugt mehr Churn, das mehr Marketing rechtfertigt. Hauptursache des Sageblatts.
- B1: E -> B (-). Balancing, aber E aendert sich nicht.

**Hebelpunkte**
- Loop-Staerke schwaechen: CS-Kapazitaet (E) atmend an A koppeln.
- Ziel veraendern: nicht „mehr Anmeldungen“ sondern „mehr Activations“.
- Struktur: Onboarding self-serve, sodass B nicht an E haengt.

**Interventionen**
- CLD-01: CS-Slots dynamisch an Anmeldungen koppeln. Owner: @lisa.
- CLD-02: Self-serve-Onboarding bauen. Owner: @ben, Spike bis 30.06.
- CLD-03: North Star auf Activation umstellen statt Anmeldungen. Owner: @julia (Head of Growth).
07

Stolperfallen

Symptome erkennen, gegensteuern

Falle

Adjektive statt Variablen

Symptom

Karten enthalten „gute Stimmung“ oder „komplexe Architektur“ ohne Massnahme.

Was tun

Pro Variable einen Messpfad nennen, auch grob. Wenn unmessbar, Variable zerlegen. „Architektur-Komplexitaet“ wird zu „Anzahl Module“ oder „Cycle-Time pro Deploy“.

Falle

Pfeile ohne Vorzeichen

Symptom

Verbindungen wirken plausibel, aber Schleifenanalyse ist unmoeglich.

Was tun

Notation strikt. Pfeil ohne + oder - wird nicht akzeptiert. Bei unklarer Richtung Doppelpfeil mit Hinweis auf Verzoegerung.

Falle

Modell ohne Verzoegerungen

Symptom

Modell suggeriert sofortige Wirkung, reale Dynamik mit Verzug verschwindet.

Was tun

Verzoegerungs-Notation (||) auf Pfeilen mit signifikantem Zeitversatz. Reference Mode zeigt Verzoegerungen oft als Wellenmuster, das motiviert die Notation.

Falle

Zu viele Variablen

Symptom

Modell hat 40 Variablen und 80 Pfeile, niemand findet die Loops.

Was tun

Auf 10-15 zentrale Variablen reduzieren. Detail-Variablen in Sub-Modelle oder Notiz-Anhang. Modellqualitaet schlaegt Vollstaendigkeit.

Falle

Hebel auf Parameter-Ebene

Symptom

Alle Interventionen aendern nur Werte (mehr Budget, mehr Personal), nicht Struktur oder Ziele.

Was tun

Donella Meadows Leverage Points durchgehen. Mindestens eine Intervention auf Struktur- oder Zielebene anstossen.

08

Abbruchkriterien

Done-Signale, in unter einer Minute prüfbar

Problem ist linear und einmalig, kein Feedback erkennbar.
Variablen sind nicht messbar formulierbar, Modell bleibt Wortwolke.
Reference Mode kann nicht skizziert werden, Verhalten ueber Zeit unbekannt.
Workshop hat weniger als 90 min, Loops werden nicht sauber identifiziert.
Teilnehmende bestehen auf Loesungen, Modell wird zur Rechtfertigung statt Diagnose.
Keine bereitschaft, strukturelle Hebel zu adressieren, nur Parameter-Optimierung gewollt.

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