Ein klar definiertes Übergreifendes Thema (z. B. „Platform Engineering 2026“) und Code of Conduct sind formuliert, an den sich Pitches und Sessions halten.
Barcamp
Vorbedingung
Was vorher fertig sein muss
Bei Gruppen über 80 Personen wurde geprüft, ob Open Space Technology mit längeren Sessions und stärkerem Energie-Prinzip besser passt.
Vorbereitung
Was vor Start vorliegen muss
Großer Raum plus 3-8 Sessionräume (oder digitale Breakouts); Sessionplan-Wand (Raster: Räume x Slots); Pitch-Karten; Stifte; Stickies; Voting-Material (z. B. Klebepunkte); Verpflegung; Aufzeichnungs-Setup falls gewünscht.
Ein bis zwei Hosts für Eröffnung, Sessionplanung und Energy Check; pro Session ein Session-Owner (entsteht ad hoc beim Pitch); ein Doku-Team (3-5 Personen) für Session-Notes; ein Logistik-Team für Raumwechsel.
Datum, Ort, Übergreifendes Thema, Slot-Plan mit Slot-Längen (typisch 45 min plus 15 min Pause) und Teilnehmerzahl im Voraus an alle. Code of Conduct mit Anmeldung verschicken. Regel der zwei Füße kommunizieren.
Halber Tag bis 2 Tage
Sessionplan-Wand mit Raum-Spalten und Slot-Zeilen leer aufhängen. Pitch-Karten vorbereiten. Hosts proben Eröffnung und Sessionplanung. Bei mehr als 60 Personen Doku-Tool (z. B. shared Notion) vorab anlegen.
Kernfrage
Die eine Frage, die diese Methode beantwortet
Welche Themen sind heute in dieser Gruppe so lebendig, dass sie eine Session verdienen, und was nimmt jeder Teilnehmer am Ende mit?
Ablauf
Marker: Phase
| Schritt | Dauer | Aktion | Hinweis |
|---|---|---|---|
1Phase 1: Eröffnung und Format | 20-30 min | Host erklärt Format, Regel der zwei Füße (jeder darf jederzeit Raum wechseln), Code of Conduct, Slot-Struktur und Doku-Erwartung. Vorstellungsrunde mit Namen und einem Stichwort. | Eröffnung entscheidet über Energie. Wer hier zu lang ist, verliert die Gruppe. Maximal 30 min, auch bei großen Camps. Klarheit über die Regel der zwei Füße verhindert späteres Schuldgefühl beim Raumwechsel. |
2Phase 2: Pitches und Sessionplan | 30-60 min | Reihum 30-60 s Pitch pro Vorschlag (Name, Thema, was passiert in der Session). Karten landen an der Wand. Bei Überangebot Voting (Dots). Hosts mappen Karten auf Räume und Slots. | Pitches sind keine Vorträge. Wer 2 min pitcht, signalisiert Vortragsabsicht; sanft kürzen. Mehr Pitches als Slots ist normal; Voting hilft, aber harte Hosts-Entscheidung am Schluss verhindert Stillstand. |
3Phase 3: Sessions | 3-8 h (mehrere Slots) | Parallele 45-min-Sessions. Session-Owner moderiert, oft mit Frage-Format („Wer hat Erfahrung mit X?“). Doku-Team verteilt sich. Nach jedem Slot 15 min Pause für Raumwechsel und Energie. | Sessions ohne Owner sind oft die besten (gemeinsame Suche), aber riskanter. Mindestens eine Person pro Session sollte sich verantwortlich fühlen. Bei leerem Raum die Session canceln, nicht durchziehen. |
4Phase 4: Marketplace und Highlights | 30-60 min | Nach allen Slots sammelt jede Session 3 Highlights als kurzes Sticky an einer zentralen Wand. Marketplace-Walk: Teilnehmende gehen umher und lesen. Optional Mikrofon-Runde mit je 60 s pro Session-Owner. | Highlights sind kein Sessionprotokoll. Drei konkrete Take-aways reichen. Bei mehr als 12 Sessions Mikrofon-Runde stattdessen visuell als Foto-Galerie. |
5Phase 5: Abschluss und Followup | 15-30 min | Hosts fragen kurz nach Stimmung (1 Wort pro Person, schnell). Doku-Team kündigt Verteilung der Notizen an (Datum). Follow-up-Aktionen oder Community-Termine ankündigen. | Ohne klare Folge-Kommunikation versiegt die Energie binnen 2 Wochen. Termin für Notizenversand verbindlich nennen (z. B. 7 Tage), sonst entstehen erfahrungsgemäß keine. |
Artefakt
Was am Ende rauskommt
Veröffentlichter Veranstaltungsbericht in Notion, Wiki oder Github mit Sessionplan (Foto oder Reinzeichnung), Notizen pro Session, Highlight-Wand, Teilnehmerstatistik, Feedback-Stichproben und Liste der Follow-up-Termine oder Community-Aktionen.
- Notion- oder Confluence-Space mit einer Seite pro Session
- Sessionize oder Open Space Online für digitale Camps
- GitHub Repo mit Markdown-Notizen pro Session
- Miro-Board mit Sessionplan und Highlight-Wand
Pro Camp ein eigener Bereich oder Repo-Branch mit Datum und Thema im Titel. Notizen nicht überschreiben. Folge-Camps verlinken vorherige Editionen, um Themenwiederkehr sichtbar zu machen.
Barcamp Arbeitsvorlage
Kompakte Arbeitsvorlage für Barcamp mit Kontext, Input, Ergebnisartefakten und nächstem Schritt.
# Barcamp Canvas
## Kontext
Wofür wird die Methode eingesetzt?
## Kernfrage
Welche Frage soll am Ende beantwortet sein?
## Input
Welche Daten, Beobachtungen oder Materialien liegen vor?
## Arbeitsfläche
- Bereich 1:
- Bereich 2:
- Bereich 3:
- Beziehungen / Muster:
## Ergebnisartefakte
- Session Board:
- Session Notes:
- Community Learnings:
## Offene Fragen
- ...
## Nächster Schritt
Owner, Datum, Erfolgssignal.Beispielausgabe
Konkret gefülltes Szenario
## Barcamp Platform Engineering Berlin — 17.-18.05.2026 (62 Teilnehmer)
**Übergreifendes Thema**: Platform-Teams zwischen Self-Service und Standardisierung.
**Slot-Struktur**: 6 Slots à 45 min über zwei Halbtage, 4 parallele Räume.
**Pitches**: 31 Vorschläge, 24 Sessions stattgefunden, 5 wegen leerer Räume gecancelt.
**Highlights (Auszug)**:
- Session „Wer ownt das Developer Portal?“ (@anna): Konsens, dass Portal-Inhalte föderiert (Team-eigen) sein müssen, Plattform-Team stellt Templates und CI bereit. Folge-Slack-Channel #portal-owners gegründet.
- Session „Golden Path vs. Goldener Käfig“ (@ben): Diskussion über Opt-out-Mechanismen. Take-away: jede Golden Path Doku muss Sektion „wenn du abweichst, mache X“ enthalten.
- Session „SLOs für interne Tools“ (@lisa): Drei Teams berichteten, dass interne Tools ohne SLOs zu unklarer Priorisierung führen. Aktion: SLO-Template als Open-Source-Repo, Owner @lisa.
**Followup**: Notizen-Versand bis 25.05.2026. Nächstes Camp 09.-10.11.2026 in München. Slack-Workspace bleibt aktiv.Stolperfallen
Symptome erkennen, gegensteuern
Programm wird durch die Hintertür gemacht
Hosts oder Sponsoren reservieren vorab Slots für eigene Vorträge, freier Sessionplan schrumpft.
Keine reservierten Slots. Wer pitchen will, pitcht in Phase 2 wie alle. Wenn Sponsoren-Pflicht-Sessions nötig sind, klar als „nicht Teil des Barcamps“ ausweisen, vor Phase 1.
Pitches werden Vorträge
Einzelne Pitches dauern 3-5 min mit Folien, alle anderen kommen nicht dran.
Strikte 60 s pro Pitch, Timer sichtbar. Wer abschweift, wird höflich unterbrochen. Vorab-Mail kommuniziert die Regel.
Regel der zwei Füße ungenutzt
Teilnehmende bleiben aus Höflichkeit in einer Session, obwohl sie wenig profitieren, andere Räume bleiben leer.
Host wiederholt die Regel zu Beginn jedes Slots. Beispielhaft selbst Raum wechseln. Kultur des bewussten Gehens, nicht des Sitzenbleibens.
Keine Doku
Nach dem Camp existieren keine Notizen, Teilnehmer können nicht teilen, was sie gelernt haben.
Doku-Team explizit benennen, Tool vorab eingerichtet. Eine Person pro Session schreibt mindestens 3 Highlights. Versand-Termin als Verpflichtung nennen.
Energie kippt nach Mittag
Slot 3 und 4 nach dem Mittagessen wirken müde, Sessions sind schlechter besucht.
Energiephasen einplanen: kurze Mikrobreaks zwischen Slots, Bewegung beim Marketplace, Verpflegung statt schweres Buffet. Bei Mehrtages-Camp Energetic Openings am zweiten Tag.
Abbruchkriterien
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