methodatlas
Run SheetFacilitationOpen Space Format

Barcamp

KomplexitätMedium
ZeitHalber Tag bis 2 Tage
Teilnehmende15-200
FormatWorkshop
MaturityEstablished
01

Vorbedingung

Was vorher fertig sein muss

Vorher abschließenCommunity Charternicht im Katalog

Ein klar definiertes Übergreifendes Thema (z. B. „Platform Engineering 2026“) und Code of Conduct sind formuliert, an den sich Pitches und Sessions halten.

Ohne: Ohne Klammer driften Sessions auseinander, Teilnehmende empfinden das Format als Zeitverschwendung.
Vorher abschließenOpen Space Technologynicht im Katalog

Bei Gruppen über 80 Personen wurde geprüft, ob Open Space Technology mit längeren Sessions und stärkerem Energie-Prinzip besser passt.

Ohne: Ohne Prüfung wird Barcamp zur überfüllten Konferenz mit zu vielen kurzen Sessions ohne Tiefe.
02

Vorbereitung

Was vor Start vorliegen muss

Materialien

Großer Raum plus 3-8 Sessionräume (oder digitale Breakouts); Sessionplan-Wand (Raster: Räume x Slots); Pitch-Karten; Stifte; Stickies; Voting-Material (z. B. Klebepunkte); Verpflegung; Aufzeichnungs-Setup falls gewünscht.

Personen / Rollen

Ein bis zwei Hosts für Eröffnung, Sessionplanung und Energy Check; pro Session ein Session-Owner (entsteht ad hoc beim Pitch); ein Doku-Team (3-5 Personen) für Session-Notes; ein Logistik-Team für Raumwechsel.

Vorabinfos

Datum, Ort, Übergreifendes Thema, Slot-Plan mit Slot-Längen (typisch 45 min plus 15 min Pause) und Teilnehmerzahl im Voraus an alle. Code of Conduct mit Anmeldung verschicken. Regel der zwei Füße kommunizieren.

Zeitbedarf

Halber Tag bis 2 Tage

Setup

Sessionplan-Wand mit Raum-Spalten und Slot-Zeilen leer aufhängen. Pitch-Karten vorbereiten. Hosts proben Eröffnung und Sessionplanung. Bei mehr als 60 Personen Doku-Tool (z. B. shared Notion) vorab anlegen.

03

Kernfrage

Die eine Frage, die diese Methode beantwortet

Welche Themen sind heute in dieser Gruppe so lebendig, dass sie eine Session verdienen, und was nimmt jeder Teilnehmer am Ende mit?

04

Ablauf

Marker: Phase

SchrittDauerAktionHinweis
1Phase 1: Eröffnung und Format
20-30 minHost erklärt Format, Regel der zwei Füße (jeder darf jederzeit Raum wechseln), Code of Conduct, Slot-Struktur und Doku-Erwartung. Vorstellungsrunde mit Namen und einem Stichwort.Eröffnung entscheidet über Energie. Wer hier zu lang ist, verliert die Gruppe. Maximal 30 min, auch bei großen Camps. Klarheit über die Regel der zwei Füße verhindert späteres Schuldgefühl beim Raumwechsel.
2Phase 2: Pitches und Sessionplan
30-60 minReihum 30-60 s Pitch pro Vorschlag (Name, Thema, was passiert in der Session). Karten landen an der Wand. Bei Überangebot Voting (Dots). Hosts mappen Karten auf Räume und Slots.Pitches sind keine Vorträge. Wer 2 min pitcht, signalisiert Vortragsabsicht; sanft kürzen. Mehr Pitches als Slots ist normal; Voting hilft, aber harte Hosts-Entscheidung am Schluss verhindert Stillstand.
3Phase 3: Sessions
3-8 h (mehrere Slots)Parallele 45-min-Sessions. Session-Owner moderiert, oft mit Frage-Format („Wer hat Erfahrung mit X?“). Doku-Team verteilt sich. Nach jedem Slot 15 min Pause für Raumwechsel und Energie.Sessions ohne Owner sind oft die besten (gemeinsame Suche), aber riskanter. Mindestens eine Person pro Session sollte sich verantwortlich fühlen. Bei leerem Raum die Session canceln, nicht durchziehen.
4Phase 4: Marketplace und Highlights
30-60 minNach allen Slots sammelt jede Session 3 Highlights als kurzes Sticky an einer zentralen Wand. Marketplace-Walk: Teilnehmende gehen umher und lesen. Optional Mikrofon-Runde mit je 60 s pro Session-Owner.Highlights sind kein Sessionprotokoll. Drei konkrete Take-aways reichen. Bei mehr als 12 Sessions Mikrofon-Runde stattdessen visuell als Foto-Galerie.
5Phase 5: Abschluss und Followup
15-30 minHosts fragen kurz nach Stimmung (1 Wort pro Person, schnell). Doku-Team kündigt Verteilung der Notizen an (Datum). Follow-up-Aktionen oder Community-Termine ankündigen.Ohne klare Folge-Kommunikation versiegt die Energie binnen 2 Wochen. Termin für Notizenversand verbindlich nennen (z. B. 7 Tage), sonst entstehen erfahrungsgemäß keine.
05

Artefakt

Was am Ende rauskommt

Form

Veröffentlichter Veranstaltungsbericht in Notion, Wiki oder Github mit Sessionplan (Foto oder Reinzeichnung), Notizen pro Session, Highlight-Wand, Teilnehmerstatistik, Feedback-Stichproben und Liste der Follow-up-Termine oder Community-Aktionen.

Tool-Alternativen
  • Notion- oder Confluence-Space mit einer Seite pro Session
  • Sessionize oder Open Space Online für digitale Camps
  • GitHub Repo mit Markdown-Notizen pro Session
  • Miro-Board mit Sessionplan und Highlight-Wand
Versionierung / Ownership

Pro Camp ein eigener Bereich oder Repo-Branch mit Datum und Thema im Titel. Notizen nicht überschreiben. Folge-Camps verlinken vorherige Editionen, um Themenwiederkehr sichtbar zu machen.

canvas

Barcamp Arbeitsvorlage

Kompakte Arbeitsvorlage für Barcamp mit Kontext, Input, Ergebnisartefakten und nächstem Schritt.

# Barcamp Canvas

## Kontext

Wofür wird die Methode eingesetzt?

## Kernfrage

Welche Frage soll am Ende beantwortet sein?

## Input

Welche Daten, Beobachtungen oder Materialien liegen vor?

## Arbeitsfläche

- Bereich 1:
- Bereich 2:
- Bereich 3:
- Beziehungen / Muster:

## Ergebnisartefakte
- Session Board:
- Session Notes:
- Community Learnings:

## Offene Fragen

- ...

## Nächster Schritt

Owner, Datum, Erfolgssignal.
06

Beispielausgabe

Konkret gefülltes Szenario

barcamp-beispiel.md
markdown
## Barcamp Platform Engineering Berlin — 17.-18.05.2026 (62 Teilnehmer)

**Übergreifendes Thema**: Platform-Teams zwischen Self-Service und Standardisierung.

**Slot-Struktur**: 6 Slots à 45 min über zwei Halbtage, 4 parallele Räume.

**Pitches**: 31 Vorschläge, 24 Sessions stattgefunden, 5 wegen leerer Räume gecancelt.

**Highlights (Auszug)**:
- Session „Wer ownt das Developer Portal?“ (@anna): Konsens, dass Portal-Inhalte föderiert (Team-eigen) sein müssen, Plattform-Team stellt Templates und CI bereit. Folge-Slack-Channel #portal-owners gegründet.
- Session „Golden Path vs. Goldener Käfig“ (@ben): Diskussion über Opt-out-Mechanismen. Take-away: jede Golden Path Doku muss Sektion „wenn du abweichst, mache X“ enthalten.
- Session „SLOs für interne Tools“ (@lisa): Drei Teams berichteten, dass interne Tools ohne SLOs zu unklarer Priorisierung führen. Aktion: SLO-Template als Open-Source-Repo, Owner @lisa.

**Followup**: Notizen-Versand bis 25.05.2026. Nächstes Camp 09.-10.11.2026 in München. Slack-Workspace bleibt aktiv.
07

Stolperfallen

Symptome erkennen, gegensteuern

Falle

Programm wird durch die Hintertür gemacht

Symptom

Hosts oder Sponsoren reservieren vorab Slots für eigene Vorträge, freier Sessionplan schrumpft.

Was tun

Keine reservierten Slots. Wer pitchen will, pitcht in Phase 2 wie alle. Wenn Sponsoren-Pflicht-Sessions nötig sind, klar als „nicht Teil des Barcamps“ ausweisen, vor Phase 1.

Falle

Pitches werden Vorträge

Symptom

Einzelne Pitches dauern 3-5 min mit Folien, alle anderen kommen nicht dran.

Was tun

Strikte 60 s pro Pitch, Timer sichtbar. Wer abschweift, wird höflich unterbrochen. Vorab-Mail kommuniziert die Regel.

Falle

Regel der zwei Füße ungenutzt

Symptom

Teilnehmende bleiben aus Höflichkeit in einer Session, obwohl sie wenig profitieren, andere Räume bleiben leer.

Was tun

Host wiederholt die Regel zu Beginn jedes Slots. Beispielhaft selbst Raum wechseln. Kultur des bewussten Gehens, nicht des Sitzenbleibens.

Falle

Keine Doku

Symptom

Nach dem Camp existieren keine Notizen, Teilnehmer können nicht teilen, was sie gelernt haben.

Was tun

Doku-Team explizit benennen, Tool vorab eingerichtet. Eine Person pro Session schreibt mindestens 3 Highlights. Versand-Termin als Verpflichtung nennen.

Falle

Energie kippt nach Mittag

Symptom

Slot 3 und 4 nach dem Mittagessen wirken müde, Sessions sind schlechter besucht.

Was tun

Energiephasen einplanen: kurze Mikrobreaks zwischen Slots, Bewegung beim Marketplace, Verpflegung statt schweres Buffet. Bei Mehrtages-Camp Energetic Openings am zweiten Tag.

08

Abbruchkriterien

Done-Signale, in unter einer Minute prüfbar

Übergreifendes Thema fehlt, Pitches werden beliebig.
Teilnehmerzahl unter 15, dann reicht ein moderierter Workshop oder Lean Coffee.
Sponsoren oder Veranstalter verlangen vorab fixierte Agenda, Barcamp-Charakter ist nicht herstellbar.
Keine Sessionräume oder Breakouts verfügbar, parallele Sessions sind unmöglich.
Hosts haben keine Barcamp-Erfahrung, Phasen werden nicht eingehalten, Format kippt in Plenums-Diskussion.
Format wird für klassisches Reporting oder Statusrunden missbraucht, Mehrwert geht verloren.

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