Mindestens eine Vor-Ort-Beobachtung des betroffenen Prozesses ist erfolgt, sodass das Problem auf realer Beobachtung statt auf Hörensagen basiert.
A3 Problem Solving
Vorbedingung
Was vorher fertig sein muss
Eine erste Ursachenkette oder ein vergleichbares strukturiertes Hypothesenset liegt vor, damit der Analyseteil des A3 mit Daten und nicht mit Annahmen startet.
Vorbereitung
Was vor Start vorliegen muss
A3-Papier oder digitale Vorlage in DIN A3 mit acht Sektionen (Hintergrund, Current State, Goal, Root Cause, Countermeasures, Plan, Follow-up, Sign-off); Bleistift; Daten-Ausdrucke der letzten 30 Tage; Skizzen der Ist-Situation aus dem Gemba Walk.
Ein Owner als A3-Lerner, der das Blatt selbst hält und schreibt; ein Coach oder Mentor, der durch Fragen führt und nicht löst; zwei bis drei Beteiligte aus dem betroffenen Prozess als Faktenlieferanten.
Problemkontext mit Zeitraum und Auswirkung in Zahlen; Gemba-Notizen; bestehende Metriken oder Run-Charts; bekannte Quick Fixes und ihre Wirkung; Stakeholder, deren Sign-off am Ende benötigt wird.
90-120 min für ersten Entwurf, 2-3 Coaching-Iterationen über 1-2 Wochen
A3-Vorlage ausdrucken oder in Miro anlegen. Sektionen oben links Hintergrund, rechts Goal. Mitte links Current State und Root Cause, rechts Countermeasures und Plan. Unten Follow-up. Sign-off-Feld unten rechts. Owner schreibt mit Bleistift, Coach stellt nur Fragen.
Kernfrage
Die eine Frage, die diese Methode beantwortet
Welche Root Cause hinter dem Problem lässt sich mit einer testbaren Gegenmassnahme so verschieben, dass der Zielzustand belegbar erreicht wird?
Ablauf
Marker: Sektion
| Schritt | Dauer | Aktion | Hinweis |
|---|---|---|---|
1Sektion 1: Hintergrund und Goal | 15 min | Problem in maximal vier Sätzen mit Datum, Häufigkeit und Wirkung. Goal mit messbarer Ziel-Kennzahl und Frist. Hintergrund liefert den geschäftlichen Anlass, nicht die Vorgeschichte des Teams. | Wenn der Hintergrund länger als ein Absatz wird, ist das Problem nicht geschnitten. Owner muss den Zielwert vor der Analyse setzen, sonst wird das Goal später passend zum Vorschlag verbogen. |
2Sektion 2: Current State | 20 min | Ist-Zustand mit konkreten Daten und einer Skizze des Prozesses zeichnen. Zeiten, Mengen, Fehlerquoten in Zahlen. Hot Spots markieren, an denen das Problem auftritt. | Skizze schlägt Text. Wenn der Current State nur aus Bullet-Listen besteht, fehlt der Prozessblick. Mindestens ein Run-Chart oder Pareto pro Hot Spot. |
3Sektion 3: Root Cause | 20 min | Why-Kette oder Fishbone aus den Hot Spots ableiten. Eine bis drei Haupt-Root-Causes auswählen, die durch Daten belegbar sind. Andere Pfade dokumentieren und als verworfen markieren. | Pro Root Cause ein Datenbeleg, nicht eine Vermutung. Wenn alle Causes nur Verhaltensbeschreibungen sind, fehlt der Prozessblick aus Gemba. |
4Sektion 4: Countermeasures | 20 min | Pro Root Cause eine oder zwei Gegenmassnahmen mit Owner, Frist und erwartetem Effekt. Quick Fix und nachhaltige Massnahme klar trennen. Effekt als hypothetische Zahl belegen. | Wenn alle Countermeasures Training oder Awareness sind, ist die Analyse zu flach. Mindestens eine Massnahme muss am Prozess oder System selbst greifen. |
5Sektion 5: Plan und Follow-up | 15 min | Umsetzungsplan mit Meilensteinen und Verantwortlichen. Follow-up-Termin und Mess-Setup definieren (Welche Metrik wann gegen welchen Sollwert). Sign-off mit Coach und Sponsor einholen. | Ohne Follow-up-Termin im Kalender bleibt das A3 Theorie. Owner sollte den Termin sofort setzen und die Mess-Quelle vor dem Sign-off testen. |
Artefakt
Was am Ende rauskommt
Einseitiges A3-Dokument (Papier oder PDF) mit den acht Sektionen Hintergrund, Current State, Goal, Root Cause, Countermeasures, Plan, Follow-up, Sign-off, jeweils mit Skizzen oder Run-Charts und namentlichen Ownern pro Massnahme.
- Papier A3 mit Bleistift und Foto-Archiv
- Miro- oder FigJam-Template im A3-Format
- Confluence-Seite mit A3-Layout
- Google Slides im A3-Querformat als PDF-Export
Dateiname mit Datum, Problemtitel und Versionsnummer (v0.1 Entwurf, v1.0 Sign-off, v1.1 nach Follow-up). Iterationen werden parallel abgelegt, nicht überschrieben. Follow-up-Ergebnis wird im Sign-off-Bereich datiert ergänzt.
A3 Problem Solving Arbeitsvorlage
Kompakte Arbeitsvorlage für A3 Problem Solving mit Kontext, Input, Ergebnisartefakten und nächstem Schritt.
# A3 Problem Solving Arbeitsvorlage
## Ziel
Einseitige strukturierte Methode für Problem, Analyse, Gegenmaßnahmen und Follow-up.
## Kontext
Wann und wofür nutzen wir diese Methode?
## Input
Welche Daten, Beobachtungen, Entscheidungen oder Materialien liegen vor?
## Durchführung
Kurze Notizen entlang des Run Sheets.
## Ergebnisartefakte
- A3 Report:
- Action Plan:
- Root Cause Analysis:
## Annahmen und offene Fragen
- ...
## Entscheidung / Nächster Schritt
Owner, Datum und Erfolgssignal.Beispielausgabe
Konkret gefülltes Szenario
## A3 — Ausschussquote Linie 3 reduzieren (Stand 18.05.2026, v1.0)
**Hintergrund**: Ausschussquote auf Montagelinie 3 stieg im April 2026 von 2,1% auf 4,7%, Mehrkosten 18.400 EUR/Monat.
**Goal**: Quote bis 30.06.2026 zurück unter 2,5% bei stabiler Taktzeit.
**Current State** (Gemba 02.05.): 73% der Defekte an Station 4 (Verschraubung), Pareto in Anlage 1. Run-Chart zeigt Anstieg ab Schichtwechsel 18.04.
**Root Cause**: Drehmoment-Schrauber wurde am 17.04. ausgetauscht, neuer Schrauber kalibriert auf 4,2 Nm statt 4,8 Nm. Wartungstickets ohne Kalibrier-Check abgeschlossen.
**Countermeasures**:
1. Kalibrierung auf 4,8 Nm zurücksetzen (Owner: @markus, bis 19.05.).
2. Wartungs-Checkliste um Kalibrier-Schritt erweitern (Owner: @sandra, bis 26.05.).
**Follow-up**: Mess-Review am 02.06.2026, Ziel-Wert <2,5%. Sign-off: @sponsor.Stolperfallen
Symptome erkennen, gegensteuern
Lösung in Sektion 1
Owner schreibt im Hintergrund schon die Massnahme, Goal und Current State werden nachträglich passend gemacht.
Coach lässt Hintergrund und Goal vor jeder Lösungsdiskussion fertigstellen. Bei Lösungs-Sätzen Bleistift nehmen und neu schreiben.
Datenlose Analyse
Current State und Root Cause bestehen aus Bullet-Texten ohne Zahlen, Skizzen oder Charts.
Eine Datenquelle pro Sektion erzwingen. Wenn keine Daten existieren, ist Datenerhebung die erste Countermeasure.
A3 als Statusreport
Blatt wird einmal befüllt, präsentiert und abgelegt. Kein Follow-up, keine Iterationen.
Coaching-Cadence vereinbaren (mindestens drei Coaching-Sessions). Follow-up-Termin im Sign-off-Bereich vor Abgabe fixieren.
Zu breiter Scope
Hintergrund nennt drei verschiedene Probleme, Current State wirkt unscharf.
Pro A3 ein Problem, ein Goal. Bei mehreren Themen separate A3s parallel führen oder Scope vor Sektion 2 schneiden.
Coach gibt Lösungen
Mentor diktiert Massnahmen, Owner schreibt nur mit.
Coaching-Regel: nur Fragen, keine Aussagen. Owner muss jede Massnahme selbst formulieren können, sonst trägt er sie später nicht.
Quick Fix verdrängt Ursache
Countermeasures bestehen ausschliesslich aus Workarounds oder Mehrkontrollen.
Mindestens eine Massnahme pro Root Cause muss am System oder Standard ansetzen. Quick Fix wird parallel notiert, ersetzt aber nichts.
Abbruchkriterien
Done-Signale, in unter einer Minute prüfbar
Run Sheet durchgearbeitet?
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