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Run SheetArchitectureArchitectural Risk Identification

Risk Storming

KomplexitätLow
Zeit60-90 min
Teilnehmende4-12
FormatWorkshop
MaturityEstablished
01

Vorbedingung

Was vorher fertig sein muss

Vorher abschließenC4 Model

Ein Architekturdiagramm (z. B. C4 Container- oder Component-Ebene) oder eine vergleichbare visuelle Karte liegt vor und ist allen Teilnehmern verständlich.

Ohne: Ohne klare Karte kleben Teilnehmer Risiken auf abstrakte Stellen, Risiken werden nicht an konkrete Architekturkomponenten gebunden.
02

Vorbereitung

Was vor Start vorliegen muss

Materialien

Großformatiger Druck oder digitales Board mit Architekturdiagramm in mindestens A1-Größe; rote, gelbe, blaue Haftnotizen für Risikokategorien (technisch, organisatorisch, extern); Marker; Timer; Risiko-Bewertungsraster (Wahrscheinlichkeit/Auswirkung).

Personen / Rollen

Ein Facilitator, der stille Phase schützt und Cluster moderiert; 4-12 Teilnehmer aus gemischten Rollen (Architektur, Engineering, Operations, Security, Product); ein Scribe für Owner-Zuweisung und Aktionen.

Vorabinfos

Architekturdiagramm 1-2 Tage vorher verteilt mit Aufforderung zum Vorlesen; Liste bekannter Vorfälle/Probleme der letzten 6 Monate; Quality Attributes (Sicherheit, Verfügbarkeit, Skalierung); Risiko-Kategorien-Definition.

Zeitbedarf

60-90 min

Setup

Diagramm zentral an Wand. Risikokategorien als Legende sichtbar (rot=technisch, gelb=organisatorisch, blau=extern). Stille-Regel ankündigen. Bewertungsraster (W/A 1-5) als Banner.

03

Kernfrage

Die eine Frage, die diese Methode beantwortet

Welche Risiken stecken in diesem Architektur- oder Plan-Artefakt, und welche davon brauchen Aktion vor der nächsten Iteration?

04

Ablauf

Marker: Phase

SchrittDauerAktionHinweis
1Phase 1: Kontext und Kategorien einführen
10 minFacilitator stellt Diagramm vor (5 min), beantwortet Klärungsfragen. Risikokategorien und Notizfarben erklären. Beispiele pro Kategorie geben.Wenn nach 10 min noch Verständnisfragen zum Diagramm offen sind, Workshop vertagen. Risiko-Identifikation ohne Architektur-Verständnis ist Spekulation.
2Phase 2: Stille Klebphase
20 minJeder Teilnehmer notiert Risiken auf Haftnotizen (eine Notiz, ein Risiko, Farbe nach Kategorie) und klebt sie an die passende Stelle des Diagramms. Keine Diskussion.Stille schützt vor Anker-Effekten. Wer redet, wird einmal erinnert. Bei wiederholtem Verstoß kurze Pause und Reset. Stille-Phase ist Kernschutz der Methode.
3Phase 3: Cluster bilden und priorisieren
20-30 minGemeinsam Cluster und Doppelnennungen identifizieren. Pro Cluster Wahrscheinlichkeit und Auswirkung (1-5) bewerten. Top-Risiken aus rotem Bereich (W*A >=15) extrahieren.Cluster sind wichtiger als Einzelnennungen. Wenn 5 Teilnehmer dasselbe Risiko unabhängig nennen, ist Konsens stark. Einzel-Nennungen können trotzdem valide sein, aber kritischer prüfen.
4Phase 4: Owner und Aktion
15-20 minPro Top-Risiko Owner benennen, nächste Aktion definieren (Spike, Mitigation, ROAM-Eintrag), Frist setzen. Maximal 5-7 Top-Risiken, Rest in Backlog.Ohne Owner verpufft der Workshop. Mindestens fünf Risiken mit Owner und Frist vor Ende. Risiko ohne Aktion sollte explizit „Accepted“ statt „vergessen“ sein.
05

Artefakt

Was am Ende rauskommt

Form

Annotiertes Architekturdiagramm (Foto oder Board-Export) plus Risikoliste in Markdown oder Tabelle mit Kategorie, Beschreibung, W/A-Bewertung, Owner, Aktion, Frist. Verlinkt mit ROAM-Board oder RAID-Log.

Tool-Alternativen
  • Miro oder FigJam mit Risk-Storming-Template
  • Lucidchart mit Sticky-Notes
  • Physisches Plakat plus Foto-Dokumentation
  • Structurizr für C4-Diagramme mit Annotation
  • Confluence-Seite mit eingebettetem Diagramm und Tabelle
Versionierung / Ownership

Pro Workshop Snapshot mit Datum, Teilnehmer-Liste und Risiko-Stand. Wiederholungen alle 3-6 Monate als neuer Eintrag, Delta zur Vorversion separat dokumentiert. Erledigte Risiken als „Resolved“ markieren, nicht löschen.

canvas

Risk Storming Arbeitsvorlage

Kompakte Arbeitsvorlage für Risk Storming mit Kontext, Input, Ergebnisartefakten und nächstem Schritt.

# Risk Storming Canvas

## Kontext

Wofür wird die Methode eingesetzt?

## Kernfrage

Welche Frage soll am Ende beantwortet sein?

## Input

Welche Daten, Beobachtungen oder Materialien liegen vor?

## Arbeitsfläche

- Bereich 1:
- Bereich 2:
- Bereich 3:
- Beziehungen / Muster:

## Ergebnisartefakte
- Annotiertes Diagramm:
- Risikoliste mit Priorisierung:
- Maßnahmen-Backlog:

## Offene Fragen

- ...

## Nächster Schritt

Owner, Datum, Erfolgssignal.
06

Beispielausgabe

Konkret gefülltes Szenario

risk-storming-beispiel.md
markdown
## Risk Storming - Order-Service-Architektur, 2026-05-18

**Diagramm**: C4 Container-Ebene Order-Service v2.

**Teilnehmer**: 7 (Architektur, Backend, SRE, Security, Product, QA, DBA).

**Top-Risiken**
1. **Tech-rot, W4/A5**: Datenbank-Replikation single-leader, kein automatischer Failover. Cluster mit 4 Nennungen. Owner: @ben, Spike „Multi-Leader-Setup“ bis 30.05.
2. **Tech-rot, W3/A5**: Payment-Webhook ohne Retry-Mechanismus bei 5xx-Fehlern. Cluster mit 3 Nennungen. Owner: @anna, Mitigation in Sprint 23.
3. **Org-gelb, W4/A4**: Order-Service-Wissen konzentriert auf einen Engineer. Owner: @lisa, Knowledge-Sharing-Plan bis 15.06.
4. **Extern-blau, W3/A4**: PSP-Provider plant Breaking Change im Q3, keine Test-Sandbox verfügbar. Owner: @marcus, Eskalation an PSP-Account-Manager.
5. **Tech-rot, W3/A4**: Inventory-Service hat keine Idempotenz auf Stock-Reservation-Calls. Owner: @ben, Refactor in Sprint 24.

**Akzeptierte Risiken**: 3 weitere Cluster als „Accepted“ markiert mit Begründung im ROAM-Board.
07

Stolperfallen

Symptome erkennen, gegensteuern

Falle

Stille-Phase wird nicht eingehalten

Symptom

Teilnehmer reden bereits beim Kleben, dominante Stimmen lenken Aufmerksamkeit auf eigene Risiken.

Was tun

Facilitator unterbricht hart bei erstem Verstoß, bei Wiederholung kurze Pause und Reset. Stille ist Kernschutz. Online: Voting-Tool mit verdecktem Modus.

Falle

Risiken werden Lösungsvorschläge

Symptom

Notizen lauten „wir sollten X einbauen“ statt „Risiko: ohne X passiert Y“.

Was tun

Vor Phase 2 Notation klären: Risiken als „Wenn-dann“ oder „Mangel + Konsequenz“. Lösungsideen in separaten Parkplatz. Lösungen kommen nach Bewertung.

Falle

Bewertung wird Bauchgefühl

Symptom

W/A-Werte werden ohne klare Skala vergeben, Konsistenz fehlt.

Was tun

Skala vor Workshop schriftlich definieren (z. B. „A=5: Komplettausfall >1h, A=3: Degradation, A=1: Kosmetisch“). Skala an Wand sichtbar.

Falle

Falsche Teilnehmer-Mischung

Symptom

Nur Engineers anwesend, organisatorische und externe Risiken werden übersehen.

Was tun

Vor Workshop Rollen-Check: Architektur, Backend, Operations, Security, Product. Wenn drei Rollen fehlen, Workshop verschieben oder Risiken aus fehlender Perspektive in Followup.

Falle

Workshop ohne Followup

Symptom

Risiken kleben am Diagramm, niemand übernimmt Aktion, drei Monate später ist Workshop vergessen.

Was tun

Pro Top-Risiko Owner und Frist im ROAM-Board oder RAID-Log eintragen. Wöchentliches Risiko-Review für 4 Wochen nach Workshop. Risiken ohne Aktion entweder als „Accepted“ markieren oder erneut bewerten.

08

Abbruchkriterien

Done-Signale, in unter einer Minute prüfbar

Architekturdiagramm fehlt oder ist nicht aktuell, Risiken hätten keinen klaren Bezug.
Teilnehmer kommen alle aus einer Rolle, Perspektiven-Vielfalt fehlt.
Stille-Phase kann nicht durchgesetzt werden (kein Facilitator, nicht-kompatibles Tool).
Keine Bewertungsskala definierbar, Priorisierung würde Bauchgefühl.
Kein ROAM-Board oder RAID-Log als Followup-Struktur vorgesehen, Workshop endet ohne Owner.
Workshopzeit unter 45 min, Phasen würden gerafft, Stille-Phase zu kurz.

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