Ein Big-Picture-Event-Storming oder vergleichbares Domain-Discovery-Artefakt liegt vor, aus dem Bounded Contexts ableitbar sind.
Domain Context Map
Vorbedingung
Was vorher fertig sein muss
Mindestens eine erzählte Domain-Geschichte mit Akteuren, Arbeitsobjekten und Übergaben existiert, aus der Kontextgrenzen sichtbar werden.
Vorbereitung
Was vor Start vorliegen muss
Whiteboard oder Miro mit Bereich für Boxes (Bounded Contexts), Pfeile (Beziehungen) und Legende für Beziehungstypen (Shared Kernel, Customer/Supplier, Conformist, ACL, OHS, Published Language, Partnership); Liste bekannter Subdomänen; Owner-Liste.
Ein Architect oder Domain Modeler als Facilitator; 3-10 Teilnehmende aus Engineering und Domain (Owner pro Context); ein Scribe für Boundary-Notes; ein Decider bei Streitfällen.
Existierende Service-Landschaft (Dokumentation, Repo-Liste); Subdomänen aus Domain Discovery; Team-Topologie und Ownership-Daten; bekannte Schnittstellen-Probleme aus den letzten Monaten.
1-3 h
Drei Phasen-Bereiche an die Wand: Contexts, Beziehungen, Hot Spots. Legende der DDD-Beziehungstypen sichtbar. Regel: Map zeigt fachliche Grenzen, nicht Repository-Struktur.
Kernfrage
Die eine Frage, die diese Methode beantwortet
Welche Bounded Contexts und welche Beziehungen zwischen ihnen prägen die Domain-Landschaft heute, und wo entstehen die größten Reibungspunkte?
Ablauf
Marker: Phase
| Schritt | Dauer | Aktion | Hinweis |
|---|---|---|---|
1Phase 1: Contexts identifizieren | 30-45 min | Bounded Contexts oder Subdomänen als Boxes an die Wand kleben. Pro Box: Name, Owner-Team, kurzer Zweck. Subdomain-Typ markieren (Core, Supporting, Generic). | Wenn 20+ Contexts entstehen, sind sie zu fein geschnitten oder Subdomänen werden mit Microservices verwechselt. Lieber 6-12 fachliche Contexts. |
2Phase 2: Beziehungen einzeichnen | 30-60 min | Zwischen Context-Paaren Pfeile ziehen, mit Beziehungstyp beschriften (z. B. Customer/Supplier mit Upstream/Downstream, Conformist, ACL, Shared Kernel). Bei Unklarheit Pfeil mit Fragezeichen. | Beziehungstyp ist nicht Datenflussrichtung, sondern Machtverhältnis und Übersetzungsbedarf. Wer das verwechselt, baut falsche Schutzschichten. |
3Phase 3: Hot Spots markieren | 20-30 min | Pink-Notes an Beziehungen mit Reibung: häufige Bugs, unklare Verantwortung, semantische Konflikte. Auch unbenutzte Beziehungen markieren (potenziell tote Integration). | Hot Spots sind wertvoller Output. Mindestens 3-5 erwartbar, sonst war die Diskussion zu höflich. Konkrete Vorfälle nennen, nicht abstrakte Befürchtungen. |
4Phase 4: Implikationen und Aktionen | 20-30 min | Pro Hot Spot Owner und Folgeaktion festlegen (Spike, ADR, Schnittstellen-Review). Mindestens drei Aktionen mit Datum. Map fotografieren und versionieren. | Map ohne Aktionen wird Dekoration. Folge-Termin in 4-6 Wochen, um Aktionen und Veränderungen zu reviewen. |
Artefakt
Was am Ende rauskommt
Reingezeichnete Context Map als SVG oder Diagramm-Datei mit Boxes pro Bounded Context (Name, Owner, Typ), Pfeilen mit Beziehungstypen, markierten Hot Spots, einer Tabelle der Beziehungen mit Beschreibung und Liste der nächsten Aktionen mit Owner und Datum.
- Miro oder FigJam mit DDD-Context-Map-Template
- Structurizr DSL oder C4-Modell-Tools
- draw.io oder Lucidchart mit Versionierung
- Mermaid in Markdown im Architektur-Repo
Pro Edition Datum und Version. Vorherige Map behalten. Veränderungen (neue Contexts, geänderte Beziehungen, gelöste Hot Spots) als Delta markieren. Mindestens halbjährliche Reviews.
Domain Context Map Arbeitsvorlage
Kompakte Arbeitsvorlage für Domain Context Map mit Kontext, Input, Ergebnisartefakten und nächstem Schritt.
# Domain Context Map Canvas
## Kontext
Wofür wird die Methode eingesetzt?
## Kernfrage
Welche Frage soll am Ende beantwortet sein?
## Input
Welche Daten, Beobachtungen oder Materialien liegen vor?
## Arbeitsfläche
- Bereich 1:
- Bereich 2:
- Bereich 3:
- Beziehungen / Muster:
## Ergebnisartefakte
- Domain Context Map:
- Boundary Notes:
- Ownership Map:
## Offene Fragen
- ...
## Nächster Schritt
Owner, Datum, Erfolgssignal.Beispielausgabe
Konkret gefülltes Szenario
## Context Map — Order Fulfillment Domain, 12.05.2026
**Contexts**
- Ordering (Core, Team A): Auftragsentgegennahme, Validierung, Reservierung.
- Payment (Supporting, Team B): Zahlungsautorisierung, Refunds. Externer PSP via Webhook.
- Inventory (Core, Team C): Bestandsführung, Reservierungen, Verfügbarkeit.
- Shipping (Supporting, Team D): Versand-Erstellung, Tracking-Push.
- Returns (Supporting, Team A): Rücksendungs-Workflow.
- Customer (Generic, Team E): Adressen, Stammdaten, Konsentmanagement.
**Beziehungen**
- Ordering -> Payment: Customer/Supplier, Upstream Payment. ACL in Ordering, weil Payment-API instabil.
- Ordering -> Inventory: Partnership. Geteilter Reservierungs-Lifecycle.
- Ordering -> Shipping: Customer/Supplier, Upstream Ordering. Published Language via Kafka-Topic `orders.v3`.
- Returns <-> Ordering: Shared Kernel (Order-Aggregat). Ursprung des Hot Spot #2.
- Customer -> alle: Conformist (Stammdaten unverändert übernommen).
**Hot Spots**
- Pink #1: Ordering<->Payment-ACL ist veraltet, PSP hat neue Felder eingeführt. Owner: @anna, ADR bis 30.05.
- Pink #2: Returns/Ordering Shared Kernel führt regelmäßig zu Merge-Konflikten und Deployment-Koordination. Owner: @lisa, Separations-Spike bis 14.06.
- Pink #3: Inventory-Partnership ohne klares Konfliktlösungs-Protokoll bei Race Conditions. Owner: @ben, RFC bis 21.05.
**Folge-Review**: 30.06.2026.Stolperfallen
Symptome erkennen, gegensteuern
Technische statt fachliche Grenzen
Contexts entsprechen Microservices oder Repositories, nicht fachlichen Bereichen.
Contexts aus Domain Discovery ableiten, nicht aus Code-Struktur. Frage: gibt es hier eine eigene Sprache und ein eigenes Modell? Wenn nein, kein Context.
Datenflussrichtung verwechselt mit Beziehung
Pfeile sind Datenflüsse, Beziehungstypen passen nicht zur Realität.
DDD-Beziehungstypen erklären (Macht, Übersetzungsverantwortung). Frage: wer passt sich wem an? Wer übersetzt? Dann erst Pfeil und Typ.
Shared Kernel als Notlösung
Shared Kernel zwischen vielen Contexts, jeder verändert das geteilte Modell, Koordination wird täglich nötig.
Shared Kernel als seltene Ausnahme behandeln. Bei Konflikten lieber ACL einbauen oder Kernel auflösen.
Map ohne Hot Spots
Saubere, höfliche Map ohne identifizierte Reibungspunkte. Gruppe vermeidet Konflikt.
Facilitator fragt gezielt nach jüngsten Incidents, Bugs an Schnittstellen, Eskalationen. Hot Spots sind das wertvollste Ergebnis.
Keine Folgeaktion
Map wird gezeichnet, fotografiert, archiviert; in 3 Monaten erinnert sich niemand.
Pro Hot Spot eine ADR-, RFC- oder Spike-Aktion mit Owner und Datum. Folge-Review-Termin fest planen, nicht „bei Gelegenheit“.
Abbruchkriterien
Done-Signale, in unter einer Minute prüfbar
Run Sheet durchgearbeitet?
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