Mindestens ein Big-Picture Event Storming hat stattgefunden, sodass Bounded Contexts als Boundaries-Kandidaten existieren.
Context Map
Vorbedingung
Was vorher fertig sein muss
Fuer mindestens drei Bounded Contexts liegen Canvas mit Verantwortlichkeiten und ubiquitous Language vor.
Vorbereitung
Was vor Start vorliegen muss
Whiteboard oder Miro-Board mit Platz fuer 5-15 Contexts; Symbol-Set fuer DDD-Beziehungsmuster (Partnership, Shared Kernel, Customer-Supplier, Conformist, Anti-Corruption Layer, Open Host Service, Published Language, Big Ball of Mud); Beziehungslinien mit Richtung; Notiz-Stickies fuer Pain Points.
Ein DDD-erfahrener Facilitator; Architekt(en) mit Systemueberblick; Tech Lead pro Context; Product Owner pro Context; ein Scribe.
Liste der bekannten Bounded Contexts mit Kurzbeschreibung; bestehende Integrationen (API, Events, Datenbanken); bekannte Schmerzpunkte (Doppelarbeit, Inkonsistenzen, lange Releases); Team-Org pro Context.
3-4 h fuer mittlere Domains, 1 Tag fuer komplexe
Contexts als Kreise auf der Wand. Legende mit Mustern sichtbar. Regel ansagen: Beziehungen sind asymmetrisch, Pfeil zeigt von Downstream zu Upstream (Abhaengigkeit).
Kernfrage
Die eine Frage, die diese Methode beantwortet
Welche Bounded Contexts existieren, wie sind sie integriert, wo entstehen Reibung und Modellverfaelschung, und welche Beziehungsmuster sind angemessen?
Ablauf
Marker: Phase
| Schritt | Dauer | Aktion | Hinweis |
|---|---|---|---|
1Phase 1: Contexts inventarisieren | 30 min | Alle bekannten Bounded Contexts als Kreise auf der Wand. Pro Context Owner-Team und Kurz-Verantwortung. Doppelung oder Ueberlappung explizit kennzeichnen. | Wenn 25 Contexts entstehen, ist die Granularitaet zu fein. Auf strategische Ebene fokussieren, technische Module nicht als eigene Contexts auffuehren. |
2Phase 2: Beziehungen identifizieren | 60 min | Pro Context-Paar fragen: gibt es eine Beziehung (Daten, Events, API). Wenn ja, Pfeil zeichnen (Upstream-Downstream). Beziehungsstaerke und -art notieren. | Wenn alle Contexts mit allen verbunden sind, ist die Modularisierung gescheitert oder die Map zu grob. Beides sichtbar machen und nicht uebermalen. |
3Phase 3: Muster zuordnen | 60 min | Pro Beziehung passendes Muster waehlen: Partnership (gleichberechtigt), Shared Kernel (gemeinsamer Code), Customer-Supplier (Downstream verhandelt), Conformist (Downstream akzeptiert), ACL (Downstream schuetzt sich), Open Host Service, Published Language, Big Ball of Mud (Anti-Pattern). | Muster sind nicht Wunsch, sondern Diagnose. Wenn aktuelle Realitaet Big Ball of Mud ist, das ehrlich kennzeichnen. Zielmuster separat notieren. |
4Phase 4: Pain Points und Zielzustand | 45 min | Pain Points an Beziehungen markieren (lange Releases, Bug-Risiken, Doppel-Modelle). Pro Top-3-Pain einen Ziel-Beziehungstyp definieren und Massnahmen. | Zielzustand ist nicht 100% sauber, sondern eine pragmatische Verbesserung in 6-12 Monaten. ACL einfuehren ist haeufig erster Schritt. |
5Phase 5: Strategy und Followups | 30 min | Strategische Konsequenzen ableiten: welche Teams uebernehmen welche Beziehung, welche Refactorings noetig, welche Plattform-Faehigkeiten fehlen. Top-3-Massnahmen mit Owner und Frist. | Context Map ohne Folgeaktionen ist Diagramm-Tourismus. Mindestens drei Massnahmen mit Erfolgsindikator und 3-Monats-Frist. |
Artefakt
Was am Ende rauskommt
Context Map als Diagramm mit Contexts, Beziehungen und Mustern, plus Tabelle mit Pain Points, Zielmustern und Massnahmen. Ergaenzt um Team-Zuordnung und Hinweise auf ADRs.
- Miro oder Lucidchart mit DDD-Template
- draw.io mit Strategic Design Stencils
- Structurizr mit eingebauten DDD-Notationen
- Markdown plus Mermaid-Diagramm im Architekturordner
- Context Mapper (DSL-basiert, contextmapper.org)
Pro Iteration eine Version mit Datum. Vorgaengerversion archivieren, Aenderungen am Beziehungstyp mit Begruendung dokumentieren. Verknuepfung zu ADRs pflicht.
Context Map Arbeitsvorlage
Kompakte Arbeitsvorlage für Context Map mit Kontext, Input, Ergebnisartefakten und nächstem Schritt.
# Context Map Canvas
## Kontext
Wofür wird die Methode eingesetzt?
## Kernfrage
Welche Frage soll am Ende beantwortet sein?
## Input
Welche Daten, Beobachtungen oder Materialien liegen vor?
## Arbeitsfläche
- Bereich 1:
- Bereich 2:
- Bereich 3:
- Beziehungen / Muster:
## Ergebnisartefakte
- Context Map:
- Integration Patterns:
- Boundary Notes:
## Offene Fragen
- ...
## Nächster Schritt
Owner, Datum, Erfolgssignal.Beispielausgabe
Konkret gefülltes Szenario
## Context Map - Workspot Plattform, Mai 2026
**Contexts (Auszug)**
- Ordering (Team Booking)
- Payment (Team Money)
- Inventory (Team Spaces)
- Identity (Team Platform)
- Customer Communication (Team Growth)
- Billing (Team Money, Conformist auf externes ERP)
**Beziehungen**
- Ordering -> Payment: Customer-Supplier mit Open Host Service (REST). Ordering ist Downstream, Payment definiert API.
- Ordering -> Inventory: Partnership (beide Teams gleichberechtigt, gemeinsame Modellsprache fuer Reservierung).
- Ordering -> Identity: Conformist (Ordering nutzt Identity-User-Model unveraendert).
- Billing -> ERP (extern): ACL eingebaut, schuetzt eigenes Domain-Modell.
- Customer Communication -> Ordering: Published Language (Event-Stream BookingPlaced als Vertrag).
**Pain Points**
- Ordering und Inventory haben divergente Modelle von „Stock“, Inkonsistenzen taeglich. Aktuell Big Ball of Mud, Ziel Partnership mit Shared Kernel fuer Stock-Aggregat.
- Billing-ACL leckt: ERP-spezifische Felder tauchen im eigenen Modell auf.
**Top-Massnahmen**
- CM-01: Stock-Aggregat als Shared Kernel definieren. Owner: @lisa (Spaces) und @ben (Booking), bis 31.07.
- CM-02: Billing-ACL refaktorieren, Modell-Eingang ueber Mapper saeubern. Owner: @anna, bis 30.06.
- CM-03: Customer-Communication-Vertrag (Event-Schema) versionieren. Owner: @marcus, bis 15.06.Stolperfallen
Symptome erkennen, gegensteuern
Technische Module als Contexts
Map zeigt 20 Microservices als Contexts, Domain-Bezug verloren.
Strategic Design, nicht Service-Topologie. Contexts an Geschaeftsfaehigkeiten ausrichten. Mehrere Services koennen einen Context bilden.
Beziehung statt Muster
Pfeile zeigen Verbindungen, aber niemand benennt das Muster.
Muster zwingend pro Pfeil. Wenn nicht zuordenbar, Beziehung ist unsauber. Big Ball of Mud kennzeichnen, nicht weglassen.
Wunschmap statt Realmap
Map zeigt Zielzustand, Realitaet sieht anders aus, Pain Points fehlen.
Zwei Maps: Current und Target. Pain Points an Current. Folge-Massnahmen als Bruecke. Sonst Diskussion verliert Bodenhaftung.
Owner fehlen
Contexts haben keinen Team-Owner, Beziehungen niemanden zur Verhandlung.
Pro Context Owner-Team pflicht. Wenn kein Team zustaendig, Team-Topologie hat Luecke. Context Map deckt das auf.
ACL inflationaer
Jede Beziehung wird mit ACL versehen, ohne dass Bedarf besteht.
ACL nur bei tatsaechlichem Modellschutz noetig. Wenn beide Seiten harmonieren, einfacher Open Host Service oder Partnership.
Abbruchkriterien
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