Eine geschärfte Value Proposition für mindestens ein Customer Segment liegt vor, sodass der Block Value Propositions im BMC fundiert befüllt werden kann.
Business Model Canvas
Vorbedingung
Was vorher fertig sein muss
Ein definierter Scope für das Business-Model-Vorhaben (neues Geschäftsfeld, bestehendes Modell hinterfragen, neuer Markt) ist mit Sponsor abgestimmt.
Vorbereitung
Was vor Start vorliegen muss
Business-Model-Canvas-Vorlage (Strategyzer-Format) als A1-Druck oder digitales Board mit 9 Blöcken (Key Partners, Key Activities, Key Resources, Value Propositions, Customer Relationships, Channels, Customer Segments, Cost Structure, Revenue Streams); Stickies in Farben pro Block; Marker.
Ein Strategie- oder Geschäftsleitungs-Vertreter als Owner; Facilitator; 3-6 Personen aus Strategie, Produkt, Vertrieb, Finanzen, Operations.
Ist-Geschäftsmodell-Beschreibung falls vorhanden; Markt- und Konkurrenzdaten; aktuelle Umsatz- und Kostenstrukturen; bekannte Annahmen und Risiken; Value-Proposition-Canvas falls vorhanden.
1-2 h
Canvas auf gemeinsame Fläche. Reihenfolge zum Befüllen vorgeben (1 Customer Segments, 2 Value Propositions, 3 Channels, 4 Customer Relationships, 5 Revenue Streams, 6 Key Resources, 7 Key Activities, 8 Key Partners, 9 Cost Structure). Timer auf 75 min.
Kernfrage
Die eine Frage, die diese Methode beantwortet
Wie schafft, liefert und vereinnahmt das Geschäftsmodell Wert, und welche Annahmen müssten zuerst geprüft werden?
Ablauf
Marker: Phase
| Schritt | Dauer | Aktion | Hinweis |
|---|---|---|---|
1Phase 1: Scope und Customer Segments | 15 min | Scope klären (welches Geschäftsmodell, welches Jahr). Customer Segments konkret benennen, pro Segment eine Sub-Persona. Mehrere Segmente in unterschiedlichen Farben. | Wenn alle Segmente als „B2B“ oder „Endkunden“ stehen, ist das Canvas zu grob. Lieber 2-3 spezifische als ein generisches Segment. |
2Phase 2: Value Propositions | 15 min | Pro Segment Value Proposition formulieren. Aus VPC ableiten falls vorhanden. Klarer Nutzen, kein Marketing-Sprech. | Mehrere Value Propositions pro Segment bedeuten meist, dass Segmente weiter zu trennen sind. Eine starke VP pro Segment ist Ziel. |
3Phase 3: Channels und Customer Relationships | 15 min | Channels: wie erreichen wir Segment (Akquise) und wie liefern wir Wert (Delivery)? Customer Relationships: wie ist die Beziehung (Self-Service, Account Management, Community)? | Channels werden oft zu generisch („Web“, „Direktvertrieb“). Konkret: welcher Kanal welche Phase abdeckt (Akquise, Auswahl, Kauf, After-Sales). |
4Phase 4: Revenue Streams | 10 min | Pro Segment Revenue-Mechanismus: Pricing-Modell, Preis, Frequenz, Zahlungsbereitschaft. Multiple Streams einzeln auflisten. | Wenn Revenue ohne Beleg aus Markt/Tests geschätzt wird, als Hypothese markieren. „Kunden zahlen 49 EUR/Monat“ ohne Validierung ist Annahme, nicht Fakt. |
5Phase 5: Key Resources, Activities, Partners | 20 min | Resources: was brauchen wir physisch, finanziell, menschlich, IP-mäßig? Activities: was MÜSSEN wir selbst tun? Partners: was machen andere für uns (Lieferanten, Allianzen)? | Key Activities sind die nicht-auslagerbaren Kern-Tätigkeiten. Wenn alles als Key gilt, ist Fokus unklar. Maximal 5 Key Activities. |
6Phase 6: Cost Structure und Stresstest | 15 min | Top 5 Kostentreiber benennen, fix vs. variabel kennzeichnen. Stresstest: kritischste Annahmen rot markieren, Top 3 in Experiment Backlog überführen. | Cost-Block wird gerne übersehen. Ohne Verständnis der Kostenstruktur ist keine Unit Economic ableitbar, und das Modell ist nicht entscheidbar. |
Artefakt
Was am Ende rauskommt
Ausgefüllter Business Model Canvas als Bild oder strukturiertes Dokument mit allen 9 Blöcken, plus Annahmen-Liste mit Risiko-Ranking und Liste der Top-3-Riskiest Assumptions mit Validierungs-Plan und Owner.
- Strategyzer-Web-Tool
- Miro mit Strategyzer-BMC-Template
- Canvanizer-Web-Tool
- Notion mit 9-Spalten-Layout
- A1-Druck mit Stickies und Foto-Export
Pro Modell-Iteration eine eigene Version mit Datum. Bei größeren Schwenks (neues Segment, neuer Revenue Stream) als neue Version anlegen. Alte Versionen behalten für Historie. Annahmen-Status (validiert / widerlegt / offen) im Header.
Business Model Canvas Arbeitsvorlage
Kompakte Arbeitsvorlage für Business Model Canvas mit Kontext, Input, Ergebnisartefakten und nächstem Schritt.
# Business Model Canvas Canvas
## Kontext
Wofür wird die Methode eingesetzt?
## Kernfrage
Welche Frage soll am Ende beantwortet sein?
## Input
Welche Daten, Beobachtungen oder Materialien liegen vor?
## Arbeitsfläche
- Bereich 1:
- Bereich 2:
- Bereich 3:
- Beziehungen / Muster:
## Ergebnisartefakte
- Business Model Canvas:
- Assumption List:
- Business Hypotheses:
## Offene Fragen
- ...
## Nächster Schritt
Owner, Datum, Erfolgssignal.Beispielausgabe
Konkret gefülltes Szenario
## Business Model Canvas — Mobility-as-a-Service B2B (v1, 2026-05-18)
**Customer Segments**:
- Mittelständische Industriearbeitgeber (300-2000 MA) mit Pendlerverkehr
- Innerstädtische Großbüros mit Parkplatz-Engpass
**Value Propositions**:
- Reduktion Mitarbeiter-Pendelkosten um >30% durch Mobility-Bundle
- Vereinfachte HR-Administration durch einzelne Rechnung statt N Anbieter
**Channels**: Direktvertrieb über HR-Manager (Akquise), Self-Service-Portal (Daily Use), Account Manager (Support)
**Customer Relationships**: Initial Account Management (Onboarding), danach Self-Service mit Quartals-Check-in
**Revenue Streams**:
- B2B SaaS-Lizenz: 8 EUR/Mitarbeiter/Monat (Hypothese, basierend auf 6 Pilot-Gesprächen)
- Transaktions-Marge auf Mobility-Provider: 5-8% (Hypothese)
**Key Resources**: Mobility-Provider-Verträge (DB, Sixt, Free-Now, Tier), HR-Software-Integration, Plattform-Team
**Key Activities**: Partner-Verträge verhandeln, Plattform betreiben, Vertriebsprozess B2B führen
**Key Partners**: Mobility-Provider (DB, Sixt, Tier, Lime), HR-Software (Personio, Workday) für Integration
**Cost Structure**: Hauptkosten variabel (Mobility-Einkauf), fix: Engineering (~600k/J), Sales (~400k/J), Plattform-Hosting (~80k/J)
**Top-3-Riskiest Assumptions**:
1. HR-Manager hat Budget-Hoheit für 8 EUR/MA (unklar, 3/6 Piloten verweisen auf Geschäftsleitung)
2. Marge mit Mobility-Providern erreichbar (laufende Verhandlung mit DB, Status offen)
3. Personio-Integration in 3 Monaten machbar (technische Klärung läuft)Stolperfallen
Symptome erkennen, gegensteuern
Soll und Ist gemischt
Manche Blöcke beschreiben aktuelles Geschäft, andere ein zukünftiges Modell.
Scope eindeutig: Ist-Modell ODER Soll-Modell ODER Variante X. Zwei Canvases nebeneinander statt eines Mischlings.
Generisches Customer Segment
Block enthält „KMU“, „Mittelstand“, „Endkunden“ ohne Spezifik.
Pro Segment Sub-Persona mit Rolle, Größe, Branche, Schmerzpunkt. Wenn weniger als zwei Spezifika, Segment ist zu grob.
Revenue ohne Validierung
Preis und Volumen werden als Fakten gesetzt, ohne Tests oder Marktdaten.
Als Hypothese markieren. Validierungs-Experimente (Pricing-Test, Pilotverkäufe, Letters of Intent) planen, bevor Skalierung.
Cost-Block geschönt
Cost Structure listet wenige offensichtliche Kosten, versteckte Kosten (Compliance, Acquisition, Churn-Kosten) fehlen.
CFO oder Controlling dazuholen für Cost-Block. Vollständige Unit Economic gegenrechnen, nicht nur Schlagworte sammeln.
Kein Stresstest, kein Backlog
Canvas wird ausgefüllt und archiviert, ohne Annahmen-Ranking und ohne Experimente.
Pflichtschritt am Ende: Top-3-Annahmen mit Risiko-Markierung ableiten und in Experiment Backlog. Kein Canvas ohne nächste Schritte.
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