Eine konkrete Variable von Interesse (z. B. Anzahl Tickets, Kundenzufriedenheit, Engagement) und ein passendes Zeitfenster (Wochen, Monate, Jahre) sind benannt.
Behavior Over Time Graph
Vorbedingung
Was vorher fertig sein muss
Entweder quantitative Daten oder strukturierte Erinnerungen mehrerer Personen sind verfügbar, um die Kurve zeichnen zu können.
Vorbereitung
Was vor Start vorliegen muss
Whiteboard oder geteiltes Board mit Koordinatensystem (X-Achse Zeit, Y-Achse Variable); Marker oder Stifte; verfügbare Datenpunkte als Referenz; Notiz-Sticky für Ereignisse und Annahmen.
Ein Facilitator, der Kurven moderiert und Diskussion führt; 3-8 Teilnehmende mit unterschiedlicher Sicht auf die Variable; ein Scribe, der Ereignisse und Annahmen dokumentiert.
Variable und Zeitfenster vorab kommunizieren; bekannte Datenpunkte teilen; Hinweis, dass Kurven Hypothesen über Verhalten sind, nicht Behauptungen über Wahrheit.
45-90 min für eine Variable, mehrere Variablen separate Iterationen
Koordinatensystem groß sichtbar. X-Achse mit Zeiteinheiten beschriften (passend zur Variable). Y-Achse mit Variable und Einheit. Anweisung: zuerst stille Solo-Kurve auf Papier, dann gemeinsame Kurve am Board. Ereignisse als Sticky am Zeitpunkt.
Kernfrage
Die eine Frage, die diese Methode beantwortet
Wie hat sich die gewählte Variable über die Zeit verhalten, welche Muster (Wachstum, Zerfall, Schwingung, Stagnation) zeigen sich, und welche systemischen Ursachen liegen hinter dem Muster?
Ablauf
Marker: Minute
| Schritt | Dauer | Aktion | Hinweis |
|---|---|---|---|
10-10 min | 10 min | Variable und Zeitfenster klären. Facilitator führt Diagramm-Logik ein, zeigt typische Muster (linear, exponentiell, S-Kurve, oszillierend, Crash). Variable mit Einheit auf Y-Achse, Zeitfenster auf X-Achse. | Wenn Variable zu abstrakt („Kultur“) ist, ist die Kurve beliebig. Operationalisieren: was würde man messen, um Kultur sichtbar zu machen. Auf messbare Proxy einigen. |
210-20 min | 10 min | Solo-Kurve: jede Person zeichnet ihre Lesart der Variable über das Zeitfenster auf Papier. Ereignisse, die die Kurve prägen, als Notizen markieren. | Solo verhindert Gruppendenken. Wer direkt ans Board geht, dominiert die Kurve. Stille einhalten. Bei großen Gruppen 2 min mehr Zeit lassen. |
320-45 min | 25 min | Gemeinsame Kurve: Teilnehmende übertragen ihre Solo-Kurven aufs gemeinsame Diagramm. Bei Divergenz Diskussion: welche Datenpunkte, welche Annahmen. Konsens-Kurve oder mehrere Hypothesenkurven sichtbar. | Divergenz ist nicht Problem, sondern Gold. Wenn alle gleich zeichnen, fehlt Diversität oder Daten sind zu eindeutig. Bei Streit beide Kurven stehen lassen und mit Daten oder Tests entscheiden. |
445-65 min | 20 min | Ereignisse und Ursachen markieren: Wendepunkte, Sprünge, Knicke mit Stickies versehen. Welche Ereignisse korrelieren, welche kausalen Hypothesen gibt es. Mehrere Hypothesen pro Wendepunkt zulässig. | Korrelation ist nicht Kausalität. Hypothesen explizit als Hypothese markieren. Wenn nur eine Erklärung pro Wendepunkt erscheint, gibt es vermutlich blinde Flecken. |
565-90 min | 25 min | Systemische Lesart: welche Feedback-Schleifen oder Strukturen erklären das Muster. Anknüpfung an Causal Loop oder System Archetypes. Ableitung von Hebelpunkten oder Hypothesen für nächste Schritte. | Methode endet nicht beim Diagramm. Ohne Lesart bleibt das BOTG eine Linienzeichnung. Brücke zu Maßnahmen: welche Hypothese würden wir testen, um die Kurve zu verändern. |
Artefakt
Was am Ende rauskommt
Diagramm mit gemeinsamer Kurve (oder mehreren Hypothesenkurven), Wendepunkten mit Ereignissen und Annahmen, systemischer Lesart und abgeleiteten Hypothesen für nächste Schritte. Optional Daten-Snapshot als Anhang.
- Miro- oder Mural-Board mit Diagramm-Frame und Stickies
- Whiteboard mit Foto-Export
- Notion-Seite mit eingebettetem Plot und Beschreibung
- Markdown-Datei mit ASCII-Skizze oder Bild im Repo
Datum, Variable, Zeitfenster, Teilnehmende im Header. Bei Folge-Workshops vorherige Kurve als Vergleich beifügen, Verlauf der Kurve über Iterationen sichtbar.
Behavior Over Time Graph Arbeitsvorlage
Kompakte Arbeitsvorlage für Behavior Over Time Graph mit Kontext, Input, Ergebnisartefakten und nächstem Schritt.
# Behavior Over Time Graph Arbeitsvorlage
## Ziel
Visualisiert, wie sich eine relevante Variable über Zeit verändert und welche Muster dahinter liegen könnten.
## Kontext
Wann und wofür nutzen wir diese Methode?
## Input
Welche Daten, Beobachtungen, Entscheidungen oder Materialien liegen vor?
## Durchführung
Kurze Notizen entlang des Run Sheets.
## Ergebnisartefakte
- Behavior Over Time Graph:
- Trend Hypotheses:
- Key Events:
## Annahmen und offene Fragen
- ...
## Entscheidung / Nächster Schritt
Owner, Datum und Erfolgssignal.Beispielausgabe
Konkret gefülltes Szenario
## BOTG — Variable „Time-to-First-Value neuer Nutzer“, Zeitfenster 12 Monate, 22.05.2026
**Teilnehmende**: 5 Personen aus Product, Data, CS.
### Kurvenverlauf
- Juni 2025: 9 min (Baseline).
- August 2025: Sprung auf 14 min nach Onboarding-Redesign.
- November 2025: Plateau bei 12 min.
- März 2026: Abfall auf 7 min nach Einführung Quickstart-Templates.
- Mai 2026: Wiederanstieg auf 9 min, Hypothese: neue Nutzersegmente.
### Wendepunkte und Hypothesen
- **August 2025**: Onboarding-Redesign zielte auf Vollständigkeit, fügte zwei Schritte hinzu. Wirkung negativ.
- **März 2026**: Templates reduzierten kognitive Last, schneller Wert. Wirkung positiv.
- **Mai 2026**: Neue Self-Serve-Akquisitionskanäle bringen weniger vorqualifizierte Nutzer. Korrelation mit Marketing-Kampagne.
### Systemische Lesart
Feedback-Schleife: Onboarding-Vollständigkeit ↔ Time-to-Value. Mehr Vollständigkeit verlangsamt anfänglich, Templates entkoppeln. Hebelpunkt: Kontext-spezifische Templates pro Segment.
### Nächste Hypothese
Für neues Segment „Self-Serve Marketing“ Spezial-Template, Test in 4 Wochen, Owner @lisa.Stolperfallen
Symptome erkennen, gegensteuern
Variable zu abstrakt
Kurve für „Engagement“ oder „Kultur“ ist beliebig, keine Datenbindung möglich.
Variable operationalisieren: konkrete Proxy-Metrik mit Einheit. Wenn keine Proxy möglich, BOTG ist nicht das passende Werkzeug, Mind Mapping oder Rich Picture eher.
Erste Person dominiert die Kurve
Person geht direkt ans Board, zeichnet, andere passen sich an oder schweigen.
Solo-Phase strikt einhalten. Auf Papier zeichnen, dann übertragen. Mehrere Hypothesenkurven explizit zulassen, bevor Konsens-Kurve gesucht wird.
Daten und Erinnerung vermischt
Kurve enthält teils gemessene Punkte, teils gefühlte; Unterschiede sind nicht sichtbar.
Datenpunkte mit anderem Stift oder Marker auf der Kurve markieren. Erinnerungs-Teile als gestrichelte Linie. So bleibt sichtbar, was belegbar ist und was Hypothese.
Methode endet beim Diagramm
Kurve ist gezeichnet, Workshop endet, keine Lesart oder Maßnahmen.
Systemische Lesart und Hypothesenphase als Pflichtteil. Verbindung zu Causal Loop oder konkreten Hebelpunkten ziehen. Ohne Hebel bleibt BOTG Beschreibung.
Kausale Schlüsse aus Korrelation
Wendepunkte werden Ereignissen zugeordnet, ohne andere Erklärungen zu prüfen.
Pro Wendepunkt zwei bis drei Erklärungen explizit benennen, alle als Hypothese markieren. Validierung über Daten, Interviews oder Experimente erst nach Workshop.
Abbruchkriterien
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