Eine chronologische Timeline mit Energie- oder Gefahrenquelle, Zielperson oder Zielobjekt und dazwischenliegenden Aktionen liegt vor.
Barrier Analysis
Vorbedingung
Was vorher fertig sein muss
Vorbereitung
Was vor Start vorliegen muss
Whiteboard oder Diagramm-Tool mit Skizze Quelle -> Barrieren -> Ziel; Tabelle mit Spalten Barriere, Existent, Funktional, Wirksam, Versagensgrund, Maßnahme; Zugang zu Verfahren, Trainingsprotokollen, Audit-Reports, Logs.
Ein Analyst mit RCA-Erfahrung (lead); ein bis drei Domain-Spezialisten (Anlage, Prozess, Schutzsysteme); ein Owner der untersuchten Kontrollen; ein Sponsor mit Mandat zur Maßnahmenfreigabe.
Ereignisbeschreibung mit Schaden und Beteiligten; Liste vorhandener Schutzmechanismen (technisch, prozessual, organisatorisch); Risikobewertung der Anlage; Vorgängervorfälle.
2-4 h
Diagramm-Skizze auf Whiteboard: Quelle links, Ziel rechts, Barrieren als vertikale Linien dazwischen. Tabelle vorbereitet. Verfahren und Reports griffbereit.
Kernfrage
Die eine Frage, die diese Methode beantwortet
Welche Barrieren sollten den Schaden verhindern, welche existierten, funktionierten und wirkten ausreichend, und welche fehlen oder versagten?
Ablauf
Marker: Phase
| Schritt | Dauer | Aktion | Hinweis |
|---|---|---|---|
1Phase 1: Wirkungslinie skizzieren | 20-30 min | Energie- oder Gefahrenquelle konkret benennen (z. B. „heißes Hydraulikfluid 80°C, 30 bar“). Zielperson oder Zielobjekt benennen. Wirkungslinie auf Whiteboard zeichnen. | Wenn Quelle abstrakt bleibt („Risiko“), ist die Barriereanalyse nicht durchführbar. Konkrete physische, prozessuale oder organisatorische Wirkungslinie ist Pflicht. |
2Phase 2: Barrieren inventarisieren | 30-45 min | Alle vorhandenen Barrieren auflisten: technisch (Absperrungen, Sensoren, Notabschaltung), prozessual (Freigaben, Checklisten), organisatorisch (Schulung, Aufsicht). Pro Barriere kurze Beschreibung. | Häufig werden nur technische Barrieren gesehen. Prozessuale und organisatorische Barrieren sind oft die ersten, die versagen, und gehören in die Liste. |
3Phase 3: Pro Barriere Existenz, Funktion, Wirksamkeit prüfen | 45-90 min | Pro Barriere drei Fragen separat beantworten: Existierte sie zum Ereignis? Funktionierte sie technisch? Wirkte sie ausreichend? Pro Antwort Evidenz. Bei Versagen Versagensgrund dokumentieren. | Mischbeurteilung („war da, aber nicht gut“) ist häufiger Fehler. Drei getrennte Fragen erzwingen Klarheit. Versagensgrund unterscheidet zwischen technischem Defekt, Bedienfehler und Designschwäche. |
4Phase 4: Fehlende Barrieren identifizieren | 20-30 min | Pro Phase der Wirkungslinie prüfen: welche Barriere fehlt, die das Ereignis hätte verhindern können? Branchenstandards, Best Practices und Audits referenzieren. Fehlende Barrieren als eigene Findings. | Fehlende Barrieren werden gerne übersehen, weil sie nicht versagt haben (sie waren ja nicht da). Aktiv mit „was hätte sein müssen?“-Frage suchen. |
5Phase 5: Maßnahmen ableiten | 30-45 min | Pro Versagens-Befund Maßnahme: Barriere reparieren, ersetzen, verstärken oder ergänzen. Maßnahmen priorisieren nach Wirkung und Aufwand. Owner und Deadline pro Maßnahme. | Maßnahme „Schulung wiederholen“ ist oft eine schwache Antwort. Wenn Versagensgrund Designschwäche war, ist Schulung Symptomtherapie. Engineered Solution vorziehen. |
Artefakt
Was am Ende rauskommt
Wirkungslinien-Skizze (PNG oder PDF) plus Barriere-Tabelle mit Status pro Spalte und Versagensgründen, Liste fehlender Barrieren, Maßnahmen-Backlog mit Owner und Deadline. Häufig als Anhang zu MORT- oder Causal-Factor-Bericht.
- Whiteboard mit Foto-Export plus Tabellenkalkulation
- Miro oder Mural mit Barriere-Template
- drawio oder Lucidchart für Wirkungslinien-Diagramm
- TapRoot oder Causelink für integrierte RCA-Tools
Datum, Incident-ID und Untersucher im Header. Pro Maßnahmen-Iteration neue Tabelle-Spalte (Status: open, in progress, done). Bei Folge-Vorfällen Verweis auf Vorhergehende Analyse.
Barrier Analysis Arbeitsvorlage
Kompakte Arbeitsvorlage für Barrier Analysis mit Kontext, Input, Ergebnisartefakten und nächstem Schritt.
# Barrier Analysis Arbeitsvorlage
## Ziel
Analysiert, welche Barrieren ein Ereignis hätten verhindern sollen und warum sie versagt haben.
## Kontext
Wann und wofür nutzen wir diese Methode?
## Input
Welche Daten, Beobachtungen, Entscheidungen oder Materialien liegen vor?
## Durchführung
Kurze Notizen entlang des Run Sheets.
## Ergebnisartefakte
- Barriere-Inventar:
- Versagensanalyse je Barriere:
- Maßnahmen-Backlog:
## Annahmen und offene Fragen
- ...
## Entscheidung / Nächster Schritt
Owner, Datum und Erfolgssignal.Beispielausgabe
Konkret gefülltes Szenario
## Barrier Analysis — Verbrühung Mitarbeiter Wartungsraum, 03.05.2026 (18.05.2026)
**Quelle**: Heißes Hydraulikfluid 78°C, Druckleitung Pumpe 3.
**Ziel**: Wartungstechniker (@ben) bei Filterwechsel.
**Barrieren-Tabelle**:
| Barriere | Existent | Funktional | Wirksam | Versagensgrund |
| --- | --- | --- | --- | --- |
| LOTO-Verriegelung (technisch) | Ja | Ja | Nein | LOTO nur an Hauptpumpe, nicht an Bypass-Leitung |
| Druckablassventil-Routine (prozessual) | Ja | Nein | Nein | Routine setzt 20 min Abkühlung voraus, hier nur 8 min gewartet |
| Schulung Heißarbeiten (organisatorisch) | Ja | Ja | Teilweise | Schulung deckt Bypass-Szenario nicht ab |
| Hitzeschutz-PSA (technisch) | Nein | — | — | Nicht vorgesehen für reguläre Filterwartung |
**Fehlende Barrieren**:
- LOTO-Erweiterung auf Bypass-Leitungen (Branchenstandard ISO 14118).
- Temperatur-Sensor mit Sperrlogik vor Wartung.
**Maßnahmen**:
1. LOTO auf Bypass erweitern. Owner @sabine, bis 15.06.
2. Temperatur-Interlock projektieren. Owner @marcus, Spike bis 30.05., Umsetzung Q3.
3. Schulung um Bypass-Szenario ergänzen. Owner @lisa, bis 30.06.
4. Hitzeschutz-PSA für reguläre Wartung evaluieren. Owner @anna.
**Statuscheck in 8 Wochen**: 17.07.2026.Stolperfallen
Symptome erkennen, gegensteuern
Mischbeurteilung Existenz/Funktion/Wirksamkeit
Barriere wird als „war da, hat aber nicht gereicht“ bewertet, Versagensgrund bleibt vage.
Drei Fragen strikt getrennt beantworten. Pro Frage eigene Spalte in Tabelle. Wenn Antwort nicht klar trennbar, mehr Evidenz suchen.
Nur technische Barrieren betrachtet
Tabelle enthält Sensoren und Ventile, aber keine Schulungen, Verfahren, Aufsicht.
Pflichtkategorien technisch, prozessual, organisatorisch durchgehen. Mindestens eine Barriere pro Kategorie pro Wirkungslinie.
Fehlende Barrieren übersehen
Nur versagende Barrieren werden gelistet, fehlende Schutzschichten bleiben unsichtbar.
Explizit Frage „was hätte zusätzlich da sein müssen?“ stellen. Branchenstandards, vergleichbare Anlagen, Audit-Empfehlungen heranziehen.
Maßnahme = Schulung
Bei drei von vier Findings ist die Maßnahme „Schulung wiederholen“, keine engineered Solution.
Hierarchy of Controls anwenden: Elimination > Substitution > Engineering > Admin > PSA. Schulung als Admin-Control nur, wenn höhere Stufen nicht möglich sind.
Wirkungslinie zu abstrakt
Quelle wird als „Risiko“ oder „Gefahr“ beschrieben, Barrieren passen zu jeder Wirkungslinie.
Quelle physisch oder prozessual konkret machen. Wenn das nicht geht, ist Barrier Analysis nicht das richtige Werkzeug, sondern Risk Matrix oder FMEA.
Abbruchkriterien
Done-Signale, in unter einer Minute prüfbar
Run Sheet durchgearbeitet?
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