Eine vollständige Liste der zu klassifizierenden Elemente mit numerischem Wert pro Eintrag (Umsatz, Volumen, Häufigkeit) liegt vor.
ABC Analysis
Vorbedingung
Was vorher fertig sein muss
Vorbereitung
Was vor Start vorliegen muss
Spreadsheet mit Spalten Item, Wert, kumulierter Wert, Anteil, Klasse; Schwellen-Definition als kurze Policy; Diagrammvorlage Lorenz-Kurve oder Balken-Linien-Plot.
Ein Analyst, der die Daten aufbereitet; Bereichsverantwortlicher pro betroffener Klasse (Einkauf, Sales oder Operations); Entscheider, der die Klassen-Konsequenzen freigibt.
Zielgröße der Klassifikation (Bestandsführung, Beschaffung, Kundenpriorisierung); übliche Schwellen im Unternehmen (z. B. 80/15/5); Sondergruppen, die nie reduziert werden dürfen.
60-90 min
Daten in das Spreadsheet laden, absteigend nach Wert sortieren, kumulativen Anteil berechnen. Schwellenwerte als Konstanten oben hinterlegen, damit Reklassifizierung später nachvollziehbar bleibt.
Kernfrage
Die eine Frage, die diese Methode beantwortet
Welche Items gehören in A, B und C, und welche Behandlungsregel folgt aus der jeweiligen Klasse?
Ablauf
Marker: Sektion
| Schritt | Dauer | Aktion | Hinweis |
|---|---|---|---|
1Sektion 1: Datenprüfung | 15 min | Listenvollständigkeit prüfen, Duplikate entfernen, fehlende Werte markieren. Ausreißer separat dokumentieren, nicht löschen. | Fehlende Werte als Nullen einzutragen verzerrt die Verteilung. Lieber als unbekannt markieren und in eigene Klasse U schieben. |
2Sektion 2: Schwellen definieren | 10 min | Schwellen festlegen: typisch A = 70-80% Wertanteil, B = 15-25%, C = Rest. Schwellen schriftlich begründen. | Ohne dokumentierte Schwelle wirkt die Klassifikation willkürlich und wird in jedem Review neu verhandelt. |
3Sektion 3: Klassifizierung | 15 min | Items entlang der kumulativen Anteilssumme den Klassen zuordnen. Klassen-Spalte automatisch befüllen. | Wenn an der Klassengrenze viele Items mit identischem Wert liegen, einheitliche Tie-Breaker-Regel definieren (z. B. älteste Items zuerst). |
4Sektion 4: Behandlungsregeln | 20 min | Pro Klasse Regel definieren: Aufmerksamkeit, Bestellfrequenz, Reporting-Tiefe, Verantwortliche. A erhält enges Reporting, C Standardprozess. | Wenn alle Klassen identisch behandelt werden, war die Analyse Selbstzweck. Regel muss konkret messbar und unterschiedlich pro Klasse sein. |
5Sektion 5: Re-Review-Cadence | 10 min | Re-Review-Termin festlegen (quartalsweise typisch). Trigger für Sonder-Re-Reviews definieren (Marktverschiebung, Klassenwechsel über 10% der Items). | Ohne Cadence erstarrt die Klassifikation und altert. Items wandern zwischen Klassen, ohne dass es jemand merkt. |
Artefakt
Was am Ende rauskommt
Tabellarische Klassifikation mit Spalten Item, Wert, Anteil, kumulierter Anteil, Klasse, plus Schwellen-Policy, Behandlungsregeln pro Klasse, Re-Review-Plan und optionale Lorenz-Kurve als Visualisierung.
- Google Sheet oder Excel mit bedingter Formatierung
- Notion-Datenbank mit Klassen-Filter
- BI-Tool wie Metabase oder Power BI mit Klassenansicht
- ERP-Reporting (SAP, Odoo) mit ABC-Klassifikation
Pro Klassifikationsperiode neue Version mit Datum, Datenstand und Schwellen. Klassenwechsel pro Item zwischen Versionen separat ausweisen, alte Versionen behalten.
ABC Analysis Arbeitsvorlage
Kompakte Arbeitsvorlage für ABC Analysis mit Kontext, Input, Ergebnisartefakten und nächstem Schritt.
# ABC Analysis Arbeitsvorlage
## Ziel
Klassifiziert Elemente nach Bedeutung oder Wert in A-, B- und C-Klassen.
## Kontext
Wann und wofür nutzen wir diese Methode?
## Input
Welche Daten, Beobachtungen, Entscheidungen oder Materialien liegen vor?
## Durchführung
Kurze Notizen entlang des Run Sheets.
## Ergebnisartefakte
- ABC Classification:
- Focus Rules:
- Control List:
## Annahmen und offene Fragen
- ...
## Entscheidung / Nächster Schritt
Owner, Datum und Erfolgssignal.Beispielausgabe
Konkret gefülltes Szenario
## ABC-Analyse: Lieferanten-Portfolio Q1 2026 (n=312)
**Schwellen**: A bis 75%, B bis 95%, C bis 100% kumulierter Einkaufsvolumen.
| Klasse | Items | Wertanteil | Behandlung |
|---|---|---|---|
| A | 18 | 75,4% | wöchentliches Tracking, Single-Point-of-Failure-Check, Quartalsgespräch |
| B | 47 | 19,8% | monatliches Reporting, Standardvertrag mit Klauseln |
| C | 247 | 4,8% | Katalogbestellung, automatisierte Freigabe bis 2.500 EUR |
**Beispiel A-Item**: Lieferant ACME GmbH, 412 k EUR Einkaufsvolumen, Single-Source für Komponente X. Owner: @maria, nächste Review am 18.06.2026.
**Klassenwechsel zu Q4 2025**: 4 Items von B nach A (Volumenanstieg), 11 Items von C nach B.Stolperfallen
Symptome erkennen, gegensteuern
Schwellen werden nachträglich angepasst
Klassen-Grenzen verschieben sich, um politisch genehme Ergebnisse zu erzeugen.
Schwellen vor der Berechnung schriftlich fixieren und Änderungen mit Begründung und Datum dokumentieren. Erst danach klassifizieren.
Einseitige Wertdimension
Analyse betrachtet nur Umsatz oder nur Volumen, strategische Items rutschen in C.
Bei strategischer Relevanz zweite Dimension einführen (z. B. Kritikalität). Ergebnis als ABC-XYZ-Matrix führen.
C-Klasse wird ignoriert
C-Items werden komplett vernachlässigt, Compliance- oder Qualitätsprobleme bleiben unentdeckt.
Behandlung für C definieren, auch wenn minimal. Standardprozess plus Stichproben statt keine Aufmerksamkeit.
Klassifikation veraltet
Letztes Update über ein Jahr alt, A-Items entsprechen nicht mehr der aktuellen Realität.
Quartals-Cadence fixieren und in Kalender als Serie einplanen. Bei großem Marktereignis Sonder-Re-Review auslösen.
Tie-Breaker fehlt
An der Grenze A/B liegen mehrere Items mit identischem Wert, Zuordnung ist inkonsistent.
Tie-Breaker-Regel ergänzen (z. B. Vertragslaufzeit, Lieferzeit). Regel im Setup-Dokument festhalten und automatisiert anwenden.
Abbruchkriterien
Done-Signale, in unter einer Minute prüfbar
Run Sheet durchgearbeitet?
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